Internet-Sperren zum Scheitern verurteilt

publiziert: Freitag, 23. Okt 2009 / 07:50 Uhr / aktualisiert: Freitag, 23. Okt 2009 / 15:22 Uhr

Brüssel - Internet-Sperren, wie sie von Verfechtern als Mittel im Kampf gegen Kinderpornographie gefordert werden, sind technisch nicht sinnvoll, da existierende Lösungen relativ leicht umgangen werden können.

Internet-Sperren sind oft zu streng und dennoch leicht auszutricksen. (Archivbild)
Internet-Sperren sind oft zu streng und dennoch leicht auszutricksen. (Archivbild)
7 Meldungen im Zusammenhang
Zu diesem Ergebnis gelangt die Studie «Internet Blocking: Balancing Cybercrime Responses in Democratic Societies». Die vom Open Society Institute beauftragte Untersuchung zeigt auch, dass viele Systeme grundsätzlich eigentlich zu aggressiv blockieren.

«Insgesamt gelangen wir zum Schluss, dass Sperren nur 'nützlich' sind, um irrtümlichen Zugriff von Personen zu verhindern, die den blockierten Content gar nicht suchen», meint Studien-Coautor Cormac Callanan, Direktor bei Aconite Internet Solutions. Nutzer, die einen solchen Schutz suchen, sind aber mit geeigneter Filtersoftware auf dem eigenen PC besser beraten - diese unterliegt ihrer Kontrolle.

Scheitern an zwei Enden

Ein wesentliches Problem an Internet-Sperren ist, dass sie Anbieter illegaler Inhalte kaum aufhalten können. Zielt ein Mechanismus etwa darauf ab, Inhalte anhand von Domainnamen oder IP-Adressen zu blockieren, kann illegaler Content relativ leicht auf andere Hosts ausweichen. Botnetze, wie sie zum Tarnen von Cybercrime-Seiten genutzt werden, könnten jede Art von kriminellen Inhalten «schützen». Selbst, falls ein Web-Filter perfekt wäre, gäbe es immer noch Filesharing, E-Mail oder das Usenet als alternative Vertriebskanäle.

Auch Nutzern, die als Konsumenten gezielt nach illegalen Inhalten suchen, ist mit Sperrsystemen nicht beizukommen. Denn jeder Filter hat technologisch gesehen letztendlich Ähnlichkeiten mit Zensursystemen in undemokratischen Staaten wie China. Das wirft nicht nur Fragen rechtlicher und ethischer Natur auf. Rein technisch gesehen bedeutet es vor allem, dass die Filter im Prinzip mit den gleichen Tricks umgangen werden können wie die «Grosse Firewall».

Viele Sperransätze stoppen auch legale Daten

Viele Sperransätze haben das Problem, dass sie zu einem «Übersperren» tendieren - dem Blockieren von Verbindungen, die völlig legal und unbedenklich wären. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Web-Filter aufgrund einer einzigen URL den Zugriff auf eine komplette, ansonst unbedenkliche Domain verweigert. Wird wiederum ein Peer-to-Peer-Verbindungsprotokoll blockiert, stoppt das nicht nur illegales Filesharing, sondern auch jeglichen legalen Datenaustausch, der auf das gleiche Protokoll setzt.

Wer sich selbst schützen möchte

Wer sich selbst oder seine Kinder schützen will, illegale Inhalte zufällig abzurufen, profitiert von grossen Sperrsystemen letztendlich wenig. «Dafür sind netzwerkseitige Blockaden eine übertrieben komplizierte Lösung. Leicht erhältliche Filtersoftware für den Heim-PC wäre effektiver und nutzerfreundlicher», erklärt Callanan. Ein Vorteil ist beispielsweise, dass der User die Kontrolle darüber, wie streng Inhalte gefiltert werden, nicht einfach komplett aus der Hand geben muss.

(zel/pte)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Die Fachstelle sieht ein erhöhtes Erpressungsrisiko.
Bern - Das Bundesverwaltungsgericht ... mehr lesen
Bern - Kinder besser vor Gefahren im ... mehr lesen
Die neue Kampagne setzt nicht etwa auf Verbote, sondern auf die bewusste Förderung der Medienkompetenz.
Weissrussische Regierung will durch die Einschränkung des Internets die Sicherheit im Land erhöhen. (Symbolbild)
Minsk - Die weissrussische Regierung will die freie Internetnutzung stark einschränken. Um «die Sicherheit des Landes und die seiner Bürger zu verbessern», sollen ab dem ersten ... mehr lesen
Weitere Artikel im Zusammenhang
Facebook sei in der Bundesverwaltung nach wie vor eine der meistbesuchten Sites.
Facebook Bern - Die sechs Departemente EDI, EJPD, VBS, EFD, EVD, UVEK und die ... mehr lesen
Paris - Derzeit sind weltweit mindestens 70 Cyberdissidenten in Haft, weil sie ihr ... mehr lesen
Sorgte für Aufregung: Das Haupt-Pressezentrum bei den Olympischen Spielen in Peking.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Schon lange auf der Liste: Basler Fasnacht.
Schon lange auf der Liste: Basler Fasnacht.
Mitmachen erwünscht  Das Bundesamt für Kultur (BAK) aktualisiert zum zweiten Mal die seit 2012 bestehende «Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz». Auch die Bevölkerung ist aufgerufen, lebendige Traditionen für die Aktualisierung vorzuschlagen. mehr lesen 
Publinews Im Haushalt passieren jeden Tag zahlreiche Unfälle. Dabei sind Senioren häufiger betroffen als Kinder oder Erwachsene im jungen oder mittleren Alter. ... mehr lesen  
Ein Missgeschick kann immer passieren.
Die Preise sind gegenüber dem Vorjahr um 6,9% gestiegen.
Produzenten- und Importpreisindex im Mai 2022  Der Gesamtindex der Produzenten- und Importpreise erhöhte sich im Mai 2022 gegenüber dem Vormonat um 0,9% und erreichte den Stand von 109,4 Punkten (Dezember 2020 = 100). Höhere ... mehr lesen  
Weiterbildung in der Schweiz im Jahr 2021  Im Jahr 2021 haben sich 45% der Bevölkerung weitergebildet. Dieser Anteil ist relativ hoch, im Vergleich zur letzten Erhebung vom Jahr 2016 entspricht es jedoch einem Rückgang von rund 17 Prozentpunkten. Dieser ist zu einem grossen Teil mit der Covid-19-Pandemie zu erklären. mehr lesen  
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Der Remoteserver hat einen Fehler zurückgegeben: (500) Interner Serverfehler.
Source: http://www.news.ch/ajax/top5.aspx?ID=0&col=COL_3_1
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich 13°C 29°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter gewitterhaft
Basel 15°C 31°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen gewitterhaft
St. Gallen 14°C 27°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter gewitterhaft
Bern 13°C 30°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter gewitterhaft
Luzern 15°C 30°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter gewitterhaft
Genf 14°C 31°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft gewitterhaft
Lugano 18°C 28°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft gewitterhaft
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten