Irak: Neutralität der NGOs wird nicht mehr respektiert
publiziert: Freitag, 10. Sep 2004 / 11:27 Uhr / aktualisiert: Freitag, 10. Sep 2004 / 11:57 Uhr

Genf - Die Entführung von zwei Italienerinnen sowie irakischen Mitarbeitern einer Hilfsorganisation hat einen Exodus von über 50 Nichtregierungsorganisationen (NGO) aus Bagdad ausgelöst. In Irak zu arbeiten, sei nicht mehr möglich, ist deren Fazit.

"Irak ist zur rechtlosen Zone geworden", sagte Jean-Marc Biguet, Programm-Verantwortlicher von Médecins sans Frontières (MSF) Schweiz, am Donnerstag in Genf gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Es gebe keinen Raum mehr für Hilfsorganisationen, denn Terrorgruppen würden alle Ausländer angreifen, weil sie diese als Eindringlinge betrachteten.

Biguet bedauert die Verwischung von militärischem und humanitärem Engagement in Irak. Diese Entwicklung habe vor drei Jahren in Afghanistan ihren Anfang genommen.

Mitarbeiter von Hilfsorganisationen hätten kaum mehr die Möglichkeit, sich klar vom Militär abzuheben. Die Folge sei, dass sie sich nicht mehr auf die Schutzwirkung der Neutralität verlassen könnten. MSF sei darum auch seit vergangenem Herbst nicht mehr in Irak aktiv.

UNO und IKRK als Zielscheiben

Der Exodus der Hilfswerke aus Irak hat nach dem Anschlag auf die UNO-Vertretung in Bagdad im August 2003 begonnen und sich nach dem Angriff auf das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) zwei Monate später beschleunigt.

Seither hat das IKRK keine permanente Präsenz von Ausländern mehr in Irak. Seine Aktivitäten koordiniert es von der jordanischen Hauptstadt Amman aus, wie IKRK-Sprecher Rana Sidani in Genf sagte.

Sidani bedauert den Abzug der Hilfsorganisationen aus Irak. Das IKRK werde dennoch weiterhin Gefangenenbesuche machen, Spitäler mit Medikamenten beliefern und sich um die Trinkwasserversorgung kümmern.

Von Jordanien aus

Paul Vermeulen, Direktor der Entminungs-Organisation Handicap Inernational, glaubt, dass in der Hilfe für Irak neue Wege gefunden werden müssten. "Wenn sich Ausländer nicht mehr nach Bagdad trauen, müssen die Iraker eben nach Amman kommen", sagt er. Finanzielle und organisatorische Unterstützung sei auch von Jordanien aus möglich, wie es die UNO bereits vormache.

Eine Frage allerdings bleibe, so Vermeulen: Wie kann man den Geldfluss auf lange Distanz noch kontrollieren? Die Antwort könnten nur vertrauenswürdige lokale Netzwerke sein. Schliesslich gebe es genügend kompetente Iraker. Aber auch diese lebten gefährlich im eigenen Land. Darum dürfe Hilfe von aussen am besten überhaupt nicht als solche zu erkennen sein.

Keine Schweizer NGO mehr

Nichtstaatliche Schweizer Hilfsorganisationen haben sich unterdessen alle aus Irak zurückgezogen, wie das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) gegenüber der sda auf Anfrage erklärte. Insgesamt leben demnach noch etwa 20 Schweizer in Irak. Zwei arbeiten im Schweizer Verbindungsbüro in Bagdad, zwei IKRK-Delegierte pendeln zwischen Amman und Irak, und drei weitere arbeiten im Norden Kurdistans.

(Blaise Lempen/sda)

 
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