Irakisches Ölministerium: Das sicherste Gebäude in Bagdad
publiziert: Mittwoch, 16. Apr 2003 / 12:00 Uhr

Bagdad - Während nach dem Fall von Bagdad Präsidentenpaläste, Spitäler und selbst das weltberühmte archäologische Museum Opfer tagelanger Plünderungen wurden, hielten die US-Truppen ihre schützende Hand über ein Schlüsselgebäude: Dem Ölministerium.

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Das imposante Gebäude im El-Mustarisija-Viertel wird rund um die Uhr von 50 US-Panzern bewacht, während Scharfschützen auf dem Dach und an den Fenstern positioniert sind. Wer sich dem Ministerium auf wenige Meter nähert, wird unverzüglich weggeschickt.

Für einige Anwohner ist der Einsatz der US-Truppen vielsagend: "Glauben Sie, dass die viel für mich machen werden? Die sind nur wegen des Öls gekommen", schimpft der Arzt Salam Mohammed Hassan. Dagegen betont die US-Armee, sie wolle die irakischen Ölreserven nicht an sich reissen, sondern schützen.

Das Öl gehöre dem irakischen Volk und müsse bewacht werden, sagt Hauptmann Scott McDonald. Nach Saudi-Arabien verfügt Irak über eines der grössten Ölvorkommen der Welt; vor dem Krieg wurden 2,5 Millionen Barrel täglich gefördert.

Irakische Hilfstruppen

Derweil haben US-Truppen ihre Kontrolle über Bagdad ausgeweitet. Eine eigens ausgebildete Hilfstruppe von rund 120 Exil-Irakern rückte am Mittwoch in Bagdad ein. In der irakischen Hauptstadt konnten weitere Spitäler ihre Arbeit wieder aufnehmen.

Die von den USA ausgebildete Hilfstruppe soll bei der Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung helfen, berichtete der US-Nachrichtensender CNN. Am Morgen rückte die Gruppe mit dem Namen "Freie Irakische Kräfte" in Bagdad ein. Sie wird in einem Vorort der irakischen Hauptstadt stationiert.

Die US-Armee kündigte die Wiedereröffnung weiterer Spitäler in der irakischen Hauptstadt an. 15 Spitäler sollten die Arbeit aufnehmen und von örtlichen Polizisten, US-Marineinfanteristen und einer nachbarschaftlichen Bürgerwehr bewacht werden, sagte der US-Offizier John Hoellwarth am Mittwoch in Bagdad. Am Dienstag hatten bereits 14 Spitäler wieder geöffnet.

Zudem sollten 500 Mobiltelefone an irakische Vertreter ausgegeben werden, die mit Notfällen betraut seien. Nach Einschätzung der US-Armee sind bis zu 95 Prozent der Infrastruktur des städtischen Telefonnetzes intakt.

US-Soldaten sollten nach Angaben Hoellwarths zudem "zwei oder drei" Kraftwerke reparieren, um einige Viertel der irakischen Hauptstadt wieder mit Strom zu versorgen. Zur Bewachung wichtiger Infrastrukturen würden weitere zwölf gemeinsame Patrouillen der US-Marineinfanterie und der örtlichen Polizei eingesetzt.

US-Zentrum für Wiederaufbau

Zur Koordinierung des Wiederaufbaus in Irak richtete die US-Armee ein Zentrum für zivile und militärische Einsätze (CMOC) ein. Das Büro solle die Arbeit in den vier Hauptbereichen Strom, Justizvollstreckung, Wasser und sanitäre Anlagen sowie medizinische Versorgung leiten, teilte das US-Zentralkommando am Dienstagabend mit.

Bei einem Treffen mit führenden Vertretern der Stromindustrie und Ingenieuren sei über den Wiederaufbau der Infrastrukturen Bagdads beraten worden. An die Bevölkerung von Bagdad wurden Handzettel auf Englisch und Arabisch verteilt, in denen ihnen empfohlen wurde, von abends bis zum Morgengebet nicht auf die Strasse zu gehen.

Tote in Mosul

In der nordirakischen Stadt Mosul wurden nach Informationen des arabischen TV-Senders El Dschasira am Mittwoch vier Iraker von US-Soldaten erschossen. Die genauen Umstände sind unklar. Am Vormittag hatten sich rund 50 Menschen zu einer Protestkundgebung im Stadtzentrum versammelt.

Am Vortag waren bei Protesten gegen die US-Truppen und den von ihnen eingesetzten Gouverneur Maschaan el Dschaburi vor dem Gemeindehaus von Mosul nach Angaben von Ärzten bereits 20 Menschen getötet worden.

(bsk, Quellen: afp, reuters, sda, dpa)

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