Irritierende Stimmen aus dem Osten
publiziert: Montag, 5. Mai 2003 / 12:12 Uhr / aktualisiert: Montag, 5. Mai 2003 / 19:55 Uhr

Das 'alte Europa' nimmt mit einer Mischung aus Erstaunen, Schrecken und Distanz wahr, dass Polen mit allen Mitteln probiert, die schweren Schatten der Vergangenheit abzuschütteln und sich wieder als europäische Macht zu etablieren. Dass die polnische Regierung dies mit der Rolle als Verwaltungsmacht im Irak versucht, macht die Sache für die europäischen Nachbarn und Russland nicht einfacher. Es passt einfach nicht in die Wahrnehmung der Welt, wie sie sich uns zu präsentieren hat. Besonders irritiert sind die grossen Nachbarn Polens: Deutschland und Russland. Sie, neben Frankreich die heftigsten Irak-Kriegsgegner, wähnen einen Verräter in ihrer Mitte, der sich statt an sie, an die USA anlehnt. Was ziemlich ungehörig erscheint. Dies bedeutet nämlich, das Polen jetzt vom Witzlieferanten für Deutsche Night-Talker sich zum Land mit politischem Gewicht entwickeln will. Dass Polen dabei seine Verbündeten nicht in Deutschland und Russland sucht, ist wohl klar, denn das Verhältnis zu diesen beiden Ländern ist historisch, gelinde gesagt, belastet. Seit dem Goldenen Zeitalter Polens, das nun vor gut 350 Jahren zu Ende gegangen ist, haben nämlich seine jetzt leicht irritierten Nachbarn das Land fast konstant angegriffen, zerteilt und einverleibt. Es ging soweit, dass für lange Zeit, bis nach dem ersten Weltkrieg, Polen von der Landkarte verschwunden war, da das, was nach einer ersten Aufteilung übrig geblieben war, nochmals an Preussen (danach das Deutsche Reich), Russland und die Österreichische Monarchie verteilt worden war. Dass das restituierte Polen nach gut 20 Jahren - zu Beginn des 2. Weltkrieges - schon wieder von Russland und Deutschland aufgeteilt und zum Schauplatz eines der grössten Genozide der Weltgeschichte gemacht wurde, dürfte auch nicht als vertrauensbildende Massnahme gedient haben. Dass in den Neunzigern nach der Befreiung vom Kommunismus als Erstes interne Probleme gelöst werden mussten, war klar. Doch jetzt scheint die Wirtschaft auf Kurs zu sein und die gesellschaftlichen Probleme und Verwerfungen haben sich auch auf ein normales Mass reduziert. Polen ist eine funktionierende Demokratie und muss jetzt, wenn es sich in der erweiterten EU behaupten will, seine eigene Stimme finden, die nicht diktiert wird von den wohlmeinenden Nachbarn in Ost und West oder die alten, lange nicht präsenten Freunde, Frankreich. Dass es im Moment seine Orientierung an den USA sucht, dem Gegenentwurf zu der Macht, die Polen zuletzt für 50 Jahre unter der Knute hatte, ist begreiflich. Die Irritationen der Nachbarn werden noch grösser werden, solange der Westen seine Wahrnehmung der 'Ostblockstaaten' nicht revidiert und begreift, dass es sich dabei nicht mehr um die Blockflöten einer nicht mehr existierenden UdSSR, sondern um unabhängige Staaten mit einer eigenen Politik handelt. Es wurde beim Fall des eisernen Vorhanges betont, dass die befreiten Länder ihre eigene Stimme finden müssten. Das ist passiert. Jetzt muss Westeuropa diese Stimmen nur noch hören.

(Patrik Etschmayer/news.ch)

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