Italien von Frankreichs Milde empört

publiziert: Montag, 13. Okt 2008 / 07:15 Uhr / aktualisiert: Montag, 13. Okt 2008 / 15:54 Uhr

Paris - Der Entscheid des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, die frühere Terroristin Marina Petrella nicht nach Italien auszuliefern, hat dort grosse Empörung ausgelöst. Petrella verdankt den Entscheid namentlich Sarkozys Schwägerin sowie dessen Frau.

Marina Petrella war 1993 nach Frankreich geflüchtet, wo sie als Sozialarbeiterin tätig war.
Marina Petrella war 1993 nach Frankreich geflüchtet, wo sie als Sozialarbeiterin tätig war.
«Wir nehmen diese Entscheidung nicht hin», sagte der Vorsitzende eines italienischen Opferverbandes, Bruno Berardi, der Tageszeitung «La Stampa». Viele Familien von Terroropfern der Roten Brigaden seien «vom Schmerz zerstört». Die Organisation will nun vor dem Elyséepalast in Paris demonstrieren.

Sarkozys Schwägerin, die Schauspielerin Valeria Bruni-Tedeschi, setzt sich schon lange für Petrella ein. Sie habe die schwer depressive Italienerin im Spital besucht, um sich ein Bild von ihrem Zustand zu machen, sagte die Schwester von Präsidentengattin Carla Bruni-Sarkozy im französischen Sender Europe 1.

Von Depressionen beherrscht

Der Elysée gab am Sonntag bekannt, dass Frankreich die schwer kranke Italienerin - anders als im Sommer beschlossen - nicht ausliefere. Petrella leide an einer Depression, «die ihr Leben in Gefahr bringen kann», erklärte das Präsidialamt.

Die verurteilte Mörderin wird seit Ende Juli in einem Pariser Spital behandelt, nachdem sie in der Haft in eine Depression verfallen und offenbar dramatisch abgemagert war.

Petrella war 1992 in ihrer Heimat wegen eines Polizistenmordes in den 80er Jahren zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Im darauffolgenden Jahr flüchtete sie nach Frankreich, wo sie als Sozialarbeiterin tätig wurde. Im August vergangenen Jahres nahm die Polizei sie bei einer Verkehrskontrolle im Grossraum Paris fest.

(dl/sda)

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