Johannes B.-kloppt und abgemeiert

publiziert: Donnerstag, 22. Jun 2006 / 11:45 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 22. Jun 2006 / 12:38 Uhr

Ein besonderer Tiefpunkt in der Fernsehberichterstattung der Fussball-Weltmeisterschaft ist die so genannte «Viererkette» im ZDF.

Das ZDF-Expertenteam: Urs Meier, Johannes B. Kerner und Jürgen Klopp (vlnr).
Das ZDF-Expertenteam: Urs Meier, Johannes B. Kerner und Jürgen Klopp (vlnr).
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Die Viererkette des ZDF, das sind Moderator Johannes B.Kerner, der Fussballtrainer des Bundesligisten Mainz 05 Jürgen Klopp als Experte, der Schweizer Ex-Schiri Urs Meier als Experte für strittige Schiedsrichterentscheidungen, und nicht zu vergessen «Kaiser» Franz Beckenbauer als Lichtgestalt.

Hin und wieder kommt Pelé hinzu, der im U-Bahnhof Potsdamer Platz eine Ausstellung über sich promotet. Pelé kann man ignorieren, der Arme weiss gottseidank nicht, was da um ihn herum passiert. Ihm ist es wichtig im öfffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sein, dass viele Leute seine Ausstellung besuchen und seine Bekanntheit und seinen Marktwert zu steigern (Puma).

Wenn Johannes B. Kerner seine Visage in die Kamera hält, kann man kaum glauben, dass er ähnliches im Sinn zu haben scheint. Er wirbt ja für Geflügelwurstprodukte und Mineralwasser, hat also eine klar definierte Zielgruppe: Frauen.

Zauberer im Seniorenheim

Und so stellt er auch seine Fragen: Sie klingen wichtig, sind aber so gehaltvoll wie heisse Luft. Und bei der Antwort hört er spätestens nicht mehr hin. Kerner ist der Meister der Nicht-Frage und er kommt im Deckmantel des Nettmenschen auch gerne mal von hinten, aber nie direkt.

Wenn ich ihn mir als kleinen Jungen vorstelle, dann als einen Streber, der nie anecken will, immer brav ist und es nicht zugibt, wenn er etwas angestellt hat, um andere zu beeindrucken. Und er macht Zaubertricks in einem Seniorenheim, um seine Mutter glücklich zu machen.

Eigentlich kann man glücklich sein, dass Johannes B. Kerner das Rahmenprogramm der Spiele bestreitet und nicht kommentiert, weil er darin eigentlich noch viel schlechter ist.

Seinen Widerpart hat er in Jürgen Klopp gefunden: Er analysiert präzise, redet nicht um den heissen Brei herum und hat immer interessantes zu berichten. Und der Mainzer Trainer konnte mich letzte Woche sogar zu Jubelstürmen nach den Spielen hinreissen. Auf eine gewohnt offene, endlos formulierte Frage Kerners antwortete Klopp: «Das weiß ich nicht, ich habe Dir nicht zugehört.» Kerner konnte nur noch wehrlos «Das ist ja eine Unverschämtheit» sagen und machte weiter in seinem Text. Grossartig.

Popperfrisur

Jürgen Klopp ist der «Typ» in der ZDF-Mannschaft, Kumpel und Experte, hellwach, wenn’s drauf ankommt. Sein lässiger Stil passt zu ihm: Etwas verlottert mit Drei-Tage-Bart, aber noch mit Fussball-Popperfrisur aus den Achtzigern. So kommt er auch bei den Fussballfans an. Zudem kann er den sogenannten «Telestrator» bedienen, auf dem er anhand eines Fernsehbildes Spielzüge nachskizziert und analysiert.

Klopp kommt bei Frauen extrem gut an, auf ihn stehen die jüngeren, attraktiveren Frauen - garantiert - im Gegensatz zu Kerner. Der spricht dann doch eher Frauen um die 50 an. Das hat JBK auch gemerkt und liess sich wie Klopp einen Drei-Tage-Bart stehen. Aber der wirkte unecht. Lässigkeit ist eben eine der Eigenschaften, die Johannes B. Kerner auf keinen Fall hat.

Urs Meier ist Ex-Schiedsrichter, Waschmaschinenverkäufer und Schweizer. Was soll man von ihm erwarten? Er wirkt so, als sei er der Schwager von Jürgen Klopp, gerade in Deutschland zu Besuch und der Jürgen hat ihn einfach mal mitgenommen.

Meier in blöder Situation

Meier ist ja auch in einer doofen Lage: Einerseits soll er als Schiedsrichter und Schweizer unabhängig bleiben (Achtung: Klischee); andererseits sind natürlich Meinungen zum Fussballspiel gefragt. Dabei muss er natürlich verlieren, denn genau dazwischen wirkt er farblos und klein, zusätzlich noch durch seine angeborene Zurückhaltung. Er ist das eindeutig schwächste Glied in der Viererkette, der «Arne Friedrich des Abwehrriegels», hätte man fast sagen können, wenn der gegen Ecuador nicht so gut gespielt hätte.

Ich stelle mir vor, mit Johannes B. Kerner und Urs Meier Fussballspiele am Fernseher zu verfolgen ist ungefähr so spannend, wie, als wenn Homer Simpson mit den Flanders Fussball guckt.

Zu guter letzt kommt dann noch nach dem Spiel «Der Kaiser» angeschwebt. Oft mit dem Helikopter, gerne auch mal als Live-Schaltung. Immer überirdisch. Muss man dazu noch etwas sagen?

(Felix Steinbild/fussball.ch)

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