KZ-Wächter in Deutschland in U-Haft
publiziert: Dienstag, 12. Mai 2009 / 17:08 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 12. Mai 2009 / 22:17 Uhr

Cleveland/München - Der aus den USA abgeschobene mutmassliche Nazi-Kriegsverbrecher John Demjanjuk ist in Deutschland angekommen. Nach der Ankunft des 89-Jährigen in München wurde er ärztlich untersucht.

John Demjanjuk stand schon einmal 1993 in Israel vor Gericht.
John Demjanjuk stand schon einmal 1993 in Israel vor Gericht.
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Im Anschluss wurde Demjanjuk in München offiziell in Untersuchungshaft genommen. Dem 89-Jährigen wurde in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim der Haftbefehl eröffnet.

Für die Verlesung des 21-seitigen Haftbefehls waren eigens Dolmetscherinnen für Englisch und Ukrainisch bestellt worden, wie das bayerische Justizministerium mitteilte. Demjanjuk, der in der Krankenabteilung des Gefängnisses untergebracht ist, verfolgte die halbstündige Verlesung des Textes im Liegen.

Der gebürtige Ukrainer soll im Zweiten Weltkrieg als 23-jähriger Wachmann im deutschen Vernichtungslager Sobibor im besetzten Polen geholfen haben, Zehntausende Menschen in die Gaskammern zu treiben. «Es geht um Beihilfe zum Mord in 29'000 Fällen. Das ist ein Vorwurf ungeheurer Verbrechen», erklärte Bayerns Justizministerin Beate Merk.

Demjanjuk bestreitet, je in Sobibor gewesen zu sein. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP forderte sein Verteidiger Ulrich Busch die Freilassung seines Mandanten. «Keiner darf zweimal für dieselbe Sache vor Gericht gestellt werden», sagte Busch.

Familie wollte Auslieferng verhindern

Bis zuletzt hatte Demjanjuks Familie in den USA versucht, die Auslieferung zu verhindern und dies mit gesundheitlichen Problemen begründet.

Am Montag war er von Beamten der US-Einwanderungsbehörde in seinem Haus in Seven Hill abgeholt und zunächst in einem Krankenwagen nach Cleveland gebracht worden. Von dort aus war die Chartermaschine in Richtung München gestartet.

Abschiebung begrüsst

Das Simon Wiesenthal Center und der Zentralrat der Juden in Deutschland begrüssten die Abschiebung.

In Israel war Demjanjuk vor rund 20 Jahren schon einmal wegen seiner angeblichen Tätigkeit als KZ-Wachmann angeklagt und zum Tode verurteilt worden. Der Oberste Gerichtshof Israels sprach ihn aber frei, da seine Identität nicht einwandfrei geklärt werden konnte.

Er hatte sich wochenlang in den USA vor allem mit Hinweis auf seinen schlechten Gesundheitszustand gegen seine Abschiebung gewehrt und sogar den Obersten Gerichtshof in Washington eingeschaltet.

Unter ärztlicher Betreuung

Am Montag war er von Beamten der US-Einwanderungsbehörde in seinem Haus in Seven Hill abgeholt und zunächst in einem Krankenwagen in deren Amtsräume in Cleveland gebracht worden. Von dort aus war die Chartermaschine in Richtung München gestartet. Demjanjuk wurde auf dem Flug von einem Arzt und einem Pfleger begleitet.

Das Simon Wiesenthal Center und der Zentralrat der Juden in Deutschland begrüssten die Abschiebung. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, zeigte sich erfreut, dass Demjanjuk nun voraussichtlich der Prozess gemacht werden kann.

1993 zum Tode verurteilt

Demjanjuk war schon einmal in Israel wegen seiner angeblichen Tätigkeit als grausamer Wachmann «Iwan der Schreckliche» im Vernichtungslager Treblinka angeklagt und zum Tode verurteilt worden.

Der Oberste Gerichtshof Israels sprach Demjanjuk aber 1993 frei, da seine Identität nicht einwandfrei geklärt werden konnte.

(fest/sda)

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