Kampf der Ölprinzen: Bei Shell fliesst rotgelbes Blut

publiziert: Sonntag, 7. Mrz 2004 / 15:30 Uhr

London - Shell-Männer haben rotgelbes Blut in den Adern, heisst es in Anspielung auf die Konzernfarben. Letzte Woche floss es reichlich. Der erzwungene Rücktritt von Sir Philip Watts (58) hat den drittgrössten Ölkonzern der Welt nach eigenem Eingeständnis in einen Schockzustand versetzt.

Muschel-König Sir Philip Watts musste gehen.
Muschel-König Sir Philip Watts musste gehen.
In den Vorstandsetagen des Muschel-Multis tobt ein Machtkampf der Ölprinzen. Watts fiel - wie Firmenquellen durchsickern liessen - einem "Putsch" oder gar einer "Revolution" zum Opfer.

Der geadelte "Watty" bekam die Rechnung dafür präsentiert, dass Shell seine Ölreserven um 20 Prozent zu hoch eingeschätzt hatte. Dieses Eingeständnis liess im Januar den Kurs einbrechen.

Am Mittwoch teilte Shell zur Lunchzeit mit, dass Watts seinen Hut nehme; zur Teezeit war seine Biografie schon von der offiziellen Website verschwunden: "Die öligen Fluten waren über ihm zusammengeschlagen", spottete am Samstag der "Daily Telegraph".

Kommunikationsfehler eingestanden

Neuer Herrscher auf dem Konzern-Olymp ist nun der Holländer Jeroen van der Veer, der den Namen seines Vorgängers erst gar nicht mehr in den Mund nimmt. "Shells Ansehen hat gelitten", gibt er zu. "Es ist auch ein richtiger Schock für unsere Belegschaft gewesen." Freimütig gesteht er "eine Menge Kommunikationsfehler" ein.

Als grösstes Manko gilt die antiquierte Aufteilung in zwei weitgehend unabhängige Teilunternehmen: Die Royal Dutch/Shell besteht aus der Koninklijke Nederlandse Petroleum Maatschappij in Den Haag und 60-prozentigem Anteil am Gesamtunternehmen sowie der Shell Transport & Trading Company in London und 40 Prozent Anteil. Eine echte Vereinigung beider Teile ist bisher unterblieben.

Die Gründe dafür reichen weit in eine abenteuerliche Geschichte zurück: Am Anfang stand der Londoner Geschäftsmann Marcus Samuel, der im 19. Jahrhundert Muschelkästen für Salons verkaufte. Daraus entwickelte sich eine stattliche Handelsgesellschaft, die als Emblem weiterhin eine Muschel (Shell) führte und schliesslich auch ins Ölgeschäft einstieg.

Auf niederländischer Seite begann alles mit Liebeskummer: Der trieb den Friesen Aeilko Jansz Zijlker in die Kolonie Niederländisch-Indien, das heutige Indonesien, wo er auf Öl stiess. Das Unternehmen, das sich daraus entwickelte, erhielt bald sogar den Zusatz "Königlich", wofür das Herrscherhaus der Oranier angeblich fünf Prozent der Aktien einstrich.

Nicht mehr tragbar

Nach der Riesenpanne mit den völlig überschätzten Ölreserven gilt dies in der Londoner City als nicht mehr tragbar. Verwiesen wird auf den ebenfalls niederländisch-britischen Multi Unilever, der seine Führung nach 74 Jahren zusammenlegen will.

Shell will diesem Beispiel - noch - nicht folgen. Doch der "Independent" meint bereits: "Mr. van der Veer muss aufwachen - oder er könnte Sir Phil bald über Bord folgen."

(Von Christoph Driessen/dpa)

 
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