Kann Klimageld die Wälder retten?

publiziert: Montag, 9. Aug 2010 / 09:00 Uhr / aktualisiert: Montag, 9. Aug 2010 / 09:43 Uhr

Die Regenwälder der Welt verschwinden unvorstellbar schnell: Je nach Quelle gehen zwischen 13 und 25 Millionen Hektar Urwald pro Jahr verloren. Das entspricht rund einem Fussballfeld pro Sekunde. Als Folge davon werden auch 15-25 Prozent des durch menschliche Aktivität bedingten CO₂-Ausstoss erzeugt.

Tim Schloendorn ist Student der Umweltwissenschaften an der ETH Zürich und hat diesen Frühling seine Masterarbeit abgeschlossen.
Tim Schloendorn ist Student der Umweltwissenschaften an der ETH Zürich und hat diesen Frühling seine Masterarbeit abgeschlossen.
Weiterführende Links zur Meldung:

Entwaldung
Informationen zu Entwaldung und Klimawandel. Darstellung der Triebkräfte der Entwaldung. (in Englisch)
forestdisclosure.com

Die Abholzung hat verschiedene Gründe, je nach Region. Der Hauptgrund ist die Landwirtschaft, insbesondere die Produktion von Palmöl oder Soja und die Rinderzucht. Die Förderung von Biotreibstoffen verstärkt den Bedarf nach Anbauflächen weiter, ebenso wie das Bevölkerungswachstum und der zunehmende Wohlstand. Auch die Nutzung von Tropenholz zur Papierherstellung ist leider immer noch alltäglich. Sogar für Toilettenpapier werden in Indonesien Wälder vernichtet.

Kopenhagen: Fortschritte beim Verhindern der Abholzung

REDD (Reduced Emissions from Deforestation and Degradation, Reduzierte Emissionen aus Entwaldung und Degradierung) war einer der wenigen Punkte bei denen an der Klimakonferenz in Kopenhagen ernsthafte Fortschritte gemacht wurden. Mittlerweile hat Norwegen eine Milliarde Dollar auf den Tisch gelegt um der Entwaldung Indonesiens entgegenzuwirken. Die grosse Frage ist nun, wie man von Dollars zu stehenbleibenden Bäumen kommt.

REDD: günstig aber kompliziert

REDD gilt gleichzeitig als eine der günstigsten Arten, Emissionen einzusparen, und als die wohl komplizierteste. Bezüglich REDD bestehen vor allem drei grosse Fragen:

  1. Permanenz: Zurzeit gibt es bei der UN für Wald-Projekte nur so genannte «temporäre CO₂-Credits», für die so gut wie keine Nachfrage besteht. Der Grund ist einfach: Es gibt keine Garantien, dass ein heute akkreditierter Wald morgen noch steht.

  2. Baseline (Grundwert): Angenommen, Indonesien stoppe seinen Verlust an Wäldern zu 100 Prozent. Wie viele Credits sollten dafür ausgesprochen werden? Diese Frage ist auf Länder-Ebene hoch politisch und es gibt keine wissenschaftliche Antwort. Auf der Ebene von einzelnen Projekten ist es noch viel schwieriger.

  3. Leakage («Ausweich-Abholzungen»): Nehmen wir an, Vietnam stelle alle seine Wälder unter Schutz und es gebe keinerlei Abholzung mehr: Was ist dadurch gewonnen, wenn stattdessen die Abholzungsrate im benachbarten Laos so stark ansteigt, dass insgesamt genau soviel gerodet wird wie vorher? Die Frage stellt sich zwischen Ländern genauso wie zwischen einzelnen Projekten im selben Land.

Fazit

Der CO₂-Zertifikatehandel alleine wird nicht ausreichen, die Abholzungen in den Tropen zu stoppen. Kombiniert mit Ansätzen zur mittelfristigen Steuerung der Nachfrage sind die Finanzmittel aus dem Zertifikatehandel ein wichtiger Bestandteil der Strategie. Jedoch braucht es dafür einigermassen brauchbare Antworten auf die drei grossen Fragen zu REDD. Der ersten Frage, derjenigen zur Permanenz, werde ich ab September voraussichtlich meine Doktorarbeit an der ETH Zürich widmen.

(Tim Schloendorn/ETH-Zukunftsblog)

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