Kanzler Gusenbauer teilweise entmachtet

publiziert: Montag, 16. Jun 2008 / 16:05 Uhr / aktualisiert: Montag, 16. Jun 2008 / 18:48 Uhr

Wien - Der österreichische Kanzler Alfred Gusenbauer hat einen entscheidenden Match verloren, bleibt aber im Spiel: Der unbeliebte Politiker wird als Parteichef der SPÖ abgelöst, darf aber Regierungschef Österreichs bleiben.

Alfred Gusenbauer ist als Parteichef der Sozialdemokraten abgelöst worden.
Alfred Gusenbauer ist als Parteichef der Sozialdemokraten abgelöst worden.
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Am Tag des für Österreich an der EURO 2008 für ein Weiterkommen entscheidenden Fussballspiels gegen Deutschland beschloss der Parteivorstand der Sozialdemokraten (SPÖ), dass Verkehrsminister Werner Faymann neuer Parteichef werden soll.

Faymann wird Gusenbauer zunächst als «geschäftsführender Vorsitzender» zur Seite gestellt. Auf einem Parteitag im Oktober soll Faymann dann das Amt offiziell übernehmen.

Gusenbauer werde Kanzler bleiben, versicherte Faymann nach der Sitzung. «Ich sehe ihn auch als Spitzenkandidat für die nächsten Wahlen», sagte er in Wien. Gusenbauer sagte, er selbst habe diese Lösung vorgeschlagen. Angesichts der Situation der Partei habe er seine Bedenken gegen eine Ämtertrennung beiseite geschoben.

Kritik aus den eigenen Reihen

Die SPÖ hatte ihren Kanzler zunehmend kritisiert, weil er sich gegen den kleineren Koalitionsparter, die konservative Volkspartei (ÖVP), nicht durchsetzen könne. Zuletzt waren auch Rufe nach einer Ablösung Gusenbauers im Kanzleramt lauter geworden.

Die Wählerinnen und Wähler werfen Gusenbauer vor, dass er zentrale Wahlversprechen nicht umgesetzt hat. Dabei geht es um die Abschaffung der von der ÖVP-Vorgängerregierung durchgesetzten Studiengebühren. Ausserdem hat er nicht wie versprochen den Kauf umstrittener Kampfflugzeuge rückgängig gemacht.

Auch der bisherige SPÖ-Bundesgeschäftsführer Josef Kalina verlor seinen Job. Er wurde durch Familienministerin Doris Bures ersetzt.

(smw/sda)

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