Karadzic und Mladic weiterhin auf der Flucht

publiziert: Montag, 22. Dez 2003 / 08:50 Uhr

Bern - Die früheren bosnisch-serbischen Führer Radovan Karadzic und Ratko Mladic bleiben auch nach acht Jahren unauffindbar. Zu lange, befindet das UNO-Tribunal in Den Haag, und kritisiert die Kooperationsbereitschaft der lokalen Behörden.

"Von allen betroffenen Staaten wurde uns immer wieder zugesichert, man wolle die Beiden fassen", sagt Florence Hartmann, Sprecherin am UNO-Kriegsverbrechertribunal für das frühere Jugoslawien.

Aber Resultate seien bis jetzt ausgeblieben. Wenn ein wirklicher Wille da wäre, die beiden zu fassen, hätte dies längst Auswirkungen haben müssen, erklärt Hartmann.

"Nehmen wir Saddam Hussein oder Yvan Colonna auf Korsika. Es handelte sich bei ihnen ebenfalls um Männer, die sich in Freundesland versteckt hielten. Und dennoch wurden sie gefasst", sagt Hartmann weiter.

Heimliche Unterstützung

Sie schreibt den Misserfolg im ehemaligen Jugoslawien der Unterstützung zu, die Karadzic und Mladic nach wie vor bei den lokalen Behörden geniessen - beim "System der Republik Srpska", wie es Hartmann nennt. Die Gesuchten erfreuten sich auch weiterhin der Sympathien in der Bevölkerung.

Die beiden Männer seien an den politischen und militärischen Schalthebeln gesessen und hätten über ein Netz undurchsichtiger Geldquellen verfügt, sagt Jean-Daniel Ruch. Es sei für sie leicht, Fluchtwege und Verstecke zu organisieren, sagt der Schweizer, der diplomatischer Berater von UNO-Chefanklägerin Carla Del Ponte ist.

Die Aufgaben der von der NATO geführten SFOR-Truppe seien von Anfang an nicht klar definiert gewesen, erklärt Hartmann. "Damit haben wir viel Zeit verloren." Die Truppe sei nur in Bosnien stationiert, während zumindest Mladic sich vermutlich in Serbien aufhalte.

Ruch bezweifelt zudem, dass die SFOR mit ausreichenden Mitteln ausgestattet ist, um Karadzic und Mladic festzunehmen. "Vielleicht ist eine Armee nicht dazu geeignet, eine solche Verhaftung vorzunehmen", gibt Ruch zu bedenken.

"Autonome" Polizei

Den Fall Mladic bezeichnet Ruch als den problematischeren der beiden Fälle. Die internationale Gemeinschaft verfüge nicht über eine Gerichtsbarkeit, die es erlauben würde, Festnahmen auf serbischem Territorium zu vollziehen.

Das Tribunal müsse sich deshalb auf die lokalen Polizeikräfte verlassen. Deren Kader seien mehrheitlich von Ex-Präsident Slobodan Milosevic ernannt worden und handelten in weitgehender Unabhängigkeit von den heutigen Behörden in Belgrad.

Wahlthema

Zudem machen sich laut Ruch die anstehenden Wahlen in Serbien seit einigen Wochen bemerkbar. Die Zusammenarbeit mit dem Tribunal in Den Haag sei dabei ein Schlüsselthema. "Die Parteien befürchten, dass sich eine Verhaftung Mladics negativ auf ihr Wahlresultat auswirken könnte."

Öl ins Feuer gegossen hatte zuletzt der serbische Innenminister Dusan Mihajlovic: Er weckte unter serbischen Offizieren die Befürchtung, sie alle könnten zu Angeklagten des Tribunals werden. Das sei "absolut nicht wahr", wehrt sich Ruch: "Es gibt nur noch sehr wenige Leute in Serbien, deren Anklage noch aussteht."

(Julie Zaugg/sda)

 
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