«Falsches Mittel und falscher Weg»

Keine Chance auf sechs Wochen Ferien

publiziert: Dienstag, 7. Jun 2011 / 12:15 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 7. Jun 2011 / 13:21 Uhr
Der SP-Nationalrat Zanetti beteuert, dass man nur in den Ferien «echt abschalten und regenieren» kann.
Der SP-Nationalrat Zanetti beteuert, dass man nur in den Ferien «echt abschalten und regenieren» kann.

Bern - Die Initiative «6 Wochen Ferien für alle» hat in Bundesbern keine Chance. Nach dem Nationalrat wollte am Dienstag auch der Ständerat nichts wissen vom Volksbegehren des Gewerkschaftsdachverbands Travail.Suisse.

9 Meldungen im Zusammenhang
Die Initianten wollen das Recht auf sechs Wochen Ferien für alle Arbeitnehmenden in der Verfassung verankern. Die gesetzlich vorgeschriebenen vier Wochen seien in Anbetracht der gestiegenen Belastung am Arbeitsplatz nicht genug, argumentieren sie.

Diese Idee findet jedoch unter der Bundeshauskuppel keine Mehrheit. Nach dem Nationalrat empfiehlt nun auch der Ständerat die Initiative zur Ablehnung - mit 28 zu 10 Stimmen. Der Nationalrat hatte die Vorlage im März ebenfalls deutlich mit 110 zu 61 Stimmen abgelehnt.

«Falsches Mittel und falscher Weg»

Dass die Anforderungen an Angestellte heutzutage hoch sind, bezweifelte niemand. Der Tenor lautete aber: Sechs Wochen Ferien seien das falsche Mittel, und eine Regelung in der Verfassung sei der falsche Weg.

Werner Luginbühl (BDP/BE) befürchtete gar, mehr Ferien würden den Stress nicht senken, sondern zusätzlich erhöhen. Denn «mehr Ferien bringen nur etwas, wenn die Arbeit danach auf mehr Leute verteilt werden kann». Dies sei insbesondere für KMU unrealistisch.

Roberto Zanetti (SP/SO) führte als Argumente für die Initiative nicht nur Hektik, Wettbewerbsdruck und Strukturwandel ins Feld. Er kritisierte auch, dass die Grenze zwischen Arbeits- und Freizeit heute fliessend sei. Nur in den Ferien könne man «echt abschalten und regenieren».

Anita Fetz (SP/BS) untermauerte ihr Ja zur Vorlage mit Zahlen: Der Stress am Arbeitsplatz koste jährlich rund 10 Milliarden Franken, und 20 Prozent der Männer bezögen Jahre vor der Pensionierung eine IV-Rente. Im Jahr 2007 seien in der Schweiz 186 Millionen Überstunden geleistet worden, was etwa 100'000 Stellen entspreche.

Erreichbarkeit als Statussymbol

Auch die Gegner der Vorlage zeigten durchaus Verständnis für die steigenden Anforderungen an Arbeitnehmer - etwa Erika Forster (FDP/SG). Im Gegensatz zu SP-Ständerat Zanetti hat sie allerdings den Eindruck, dass es heute geradezu ein Statussymbol sei, «in der Freizeit ständig am Telefon zu hängen» und auch für den Arbeitgeber erreichbar zu sein.

Auch der Bundesrat lehnt die Initiative ab. Wie Justizministerin Simonetta Sommaruga sagte, ist der Bundesrat skeptisch, dass der Zwang zu mehr Ferien das richtige Mittel ist. Er wolle sich weiter mit dem Thema beschäftigen, von einer Regelung in der Verfassung jedoch absehen.

Das Geschäft geht nun in die Schlussabstimmung.

(dyn/sda)

xxxFORUMHINWEISxxx
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Bern - Die Mehrheit der Schweizer ... mehr lesen
Nur 39 Prozent der Befragten wollen sechs Wochen Ferien pro Jahr.
Übermässige Arbeitsstunden gehen mit einem höheren Risiko für schwere Depressionen einher. (Symbolbild)
London - Ständige Überstunden erhöhen das Risiko für eine schwere Depression. Dies ergab eine Langzeitstudie mit mehr als 2000 Angestellten britischer Behörden, wie ein ... mehr lesen
Bern - Nur erholte und gesunde ... mehr lesen
Am 11. März entscheidet das Volk über die Ferieninitiative.
In der Schweiz wurden 2010 213 Millionen Überstunden geleistet.
Bern - Vier Wochen Ferien hält der ... mehr lesen
Weitere Artikel im Zusammenhang
Massnahmen für Stressprävention zahlt sich für Betriebe aus. (Symbolbild)
Bern - Das Vorgehen gegen Stress am Arbeitsplatz zahlt sich für Unternehmen aus. Systematische Stressprävention zeigt bei jedem vierten Angestellten Wirkung, wie aus einer Studie der ... mehr lesen
Bern - Die Volksinitiative «6 Wochen Ferien für alle» hat unter der ... mehr lesen
Die Mehrheit der WAK ist der Meinung, dass eine grosszügigere Ferienregelung nicht in die Verfassung gehöre.
Ferien für Erholung sind angesagt, aber im Rahmen.
Bern - Sechs Wochen Ferien für alle: ... mehr lesen
Bern - Die Arbeitnehmenden in der ... mehr lesen
Der Bundesrat lehnt Ferien-Initiative ohne Gegenvorschlag ab.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 
An der ETH-Zürich werden ausländische Student:innen jetzt durch Geld gesiebt.
An der ETH-Zürich werden ausländische ...
Der ETH-Rat hat in seiner Sitzung am 10./11. Juli 2024 beschlossen, die Studiengebühren für ausländische Bachelor- und Masterstudierende, die an der ETH Zürich oder der EPFL in der Schweiz studieren wollen, zu verdreifachen. Diese Massnahme folgt eindeutigen Empfehlungen des Parlaments. Im Rahmen des Organisationsentwicklungsprojekts «FIT for the Future» wurden Dokumente verabschiedet, die als Basis für zukünftige Entscheidungen dienen sollen. mehr lesen 
Die Schweiz und die USA haben am 27. Juni 2024 in Bern ein neues FATCA-Abkommen unterzeichnet. Derzeit liefert die Schweiz einseitig Informationen zu Finanzkonten an die USA. In Zukunft wird sie im Rahmen eines automatischen Informationsaustauschs auch entsprechende Informationen aus den USA erhalten. Der Modellwechsel soll voraussichtlich ab 2027 gelten. mehr lesen  
Die EKW beobachtet den Wohnungsmarkt  Bern - Die Bedeutung des Wohnens hat während der Pandemie zugenommen. Grössere Wohnungen und ... mehr lesen  
Der Trend geht zu grösseren Wohnungen.
Durch die Massnahme sollten Saisonmitarbeitenden im Gastgewerbe Ganzjahresperspektiven geboten werden.
Verbände Bern - Um den Herausforderungen der saisonbedingten Arbeitslosigkeit und des Fachkräftemangels im ... mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • melabela aus littau 1
    es geht nicht nur um homosexuelle ich bin eine frau und verheiratet mit einem mann. leider betrifft es ... So, 14.08.16 13:18
  • Pacino aus Brittnau 731
    Kirchliche Kreise . . . . . . hatten schon immer ein "spezielles" Verhältnis zu ... Do, 09.06.16 08:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • Pacino aus Brittnau 731
    Demokratie quo vadis? Wenn die Demokratie den Stacheldraht in Osteuropa-, einen Wahlsieg von ... Mo, 06.06.16 07:55
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Es... muss darum gehen, die Kompetenz der Kleinbauern zu stärken. Das sorgt ... Do, 02.06.16 13:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Kindeswohl egal! Es geht doch vor allem um die eigenen Kinder der Betroffenen. Die ... Do, 02.06.16 08:10
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Verlust der Solidarität: Verlust der Demokratie! Vollständig und widerspruchsfrei beantworten lässt sich das wohl nicht. ... Mi, 01.06.16 00:18
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Unterstützung "Deshalb sind für die Sozialhilfe 267 Millionen Franken mehr und für ... Di, 31.05.16 10:38
 
Stellenmarkt.ch
Der Remoteserver hat einen Fehler zurückgegeben: (500) Interner Serverfehler.
Source: http://www.news.ch/ajax/top5.aspx?ID=0&col=COL_3_1
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich 18°C 24°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich sonnig
Basel 18°C 25°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig sonnig
St. Gallen 17°C 22°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt sonnig
Bern 18°C 24°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich sonnig
Luzern 19°C 24°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich sonnig
Genf 19°C 26°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig sonnig
Lugano 22°C 30°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten