Kritik und Lob nach Welbys Tod

publiziert: Freitag, 22. Dez 2006 / 16:11 Uhr / aktualisiert: Freitag, 22. Dez 2006 / 22:11 Uhr

Rom - Nach dem Tod des unheilbar kranken Piergiorgio Welby ist die Sterbehilfe-Debatte in Italien neu entflammt. Zahlreiche Politiker forderten die schnellstmögliche Einführung eines eindeutigen Gesetzes zum Thema Euthanasie.

Die Europaministerin Emma Bonino wurde hart kritisiert.
Die Europaministerin Emma Bonino wurde hart kritisiert.
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«Es ist klar, dass die einmal begonnene Debatte jetzt fortgeführt wird», sagte Ministerpräsident Romano Prodi. Stark unter Druck geriet die Europaministerin Emma Bonino.

Die Spitzenpolitikerin der Radikalen Partei hatte in den vergangenen Tagen einen Hungerstreik für Welbys Recht auf Sterbehilfe begonnen. Katholische Vertreter verlangten Boninos Rücktritt. Der Vatikan reagierte empört auf die geleistete Sterbehilfe.

Es war auch am Freitag unklar, ob der Arzt, der in der Nacht zum Donnerstag Welbys Beatmungsgerät abgestellt und ihm ein Beruhigungsmittel gespritzt hatte, juristisch zur Verantwortung gezogen wird.

Ihm drohen laut dem italienischen Gesetz 15 Jahre Haft wegen Totschlag oder Mord, da in Italien sowohl aktive als auch passive Sterbehilfe verboten sind. Nur bei gehirntoten Patienten ist die passive Euthanasie erlaubt.

Heftige Debatte um Euthanasie

Welby hatte in den vergangenen Monaten eine heftige Debatte um Euthanasie entfacht, die in Italien nicht klar geregelt ist. Der 60-jährige Römer litt seit über 40 Jahren unter Muskelschwund.

«Die Verantwortlichen für diesen Mord müssen verhaftet werden», sagte Oppositionspolitiker Luca Volonté von der christdemokratischen UDC im Parlament in Rom.

Der Mediziner Mario Riccio war bereits am Donnerstagnachmittag zusammen mit Marco Cappato - dem Chef des Verbandes «Luca Coscioni», der sich für die Legalisierung von Euthanasie einsetzt - von Ermittlern der italienischen Spezialpolizei Digos verhört worden.

Cappato hatte den Arzt gebeten, Welby in seinem Sterbe-Wunsch zu helfen. Riccio und die Anwälte Welbys betonten, es sei lediglich der Wunsch des Patienten erfüllt worden, von seinem Leiden erlöst zu werden.

Vikariat von Rom: keine religiöse Beerdigung

Das Vikariat von Rom teilte mit, dass es für Welby keine religiöse Beerdigung geben werde, wie es sich die Mutter und die Ehefrau gewünscht hatten. Welbys Wunsch zu sterben widerspreche der katholischen Doktrin, hiess es zur Begründung. Die Trauerfeier soll nun am Sonntag öffentlich auf einem Platz in Rom abgehalten werden.

(smw/sda)

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