Kulturlüge: Vuvuzelas sind Marketing-Gag
publiziert: Mittwoch, 16. Jun 2010 / 20:03 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 16. Jun 2010 / 21:48 Uhr
Vuvuzelas haben wenig mit afrikanischen Traditionen zu tun.
Vuvuzelas haben wenig mit afrikanischen Traditionen zu tun.

Die Plastiktröte «Vuvuzela» hat es zum geheimen Markenzeichen der aktuellen Fussball-WM geschafft: Die Fans gehen einem vorgegaukeltem Bezug auf Tradition auf den Leim.

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Statt in Fangesänge hüllen sich die Stadien und Fanzonen in lautstarkes Wespensummen, was Fernsehstationen, Ärzten, Anrainern und sogar den Fussballern selbst den letzten Nerv raubt.

Verbote der Vuvuzela wurden lange diskutiert, doch steht der internationale Fussballverband FIFA hinter dem Instrument. «Es ist afrikanische Kultur, wir sind in Afrika und müssen den Afrikanern soviel Kulturausübung erlauben, wie sie nur wollen», begründete dies FIFA-Präsident Joseph Blatter im Vorjahr.

Tradition aus der Luft gegriffen

Südafrika-Experten sehen die Sache mit der Kultur jedoch anders. So etwa Gero Erdmann vom Leipzig-Institut für Globale und Regionale Studien. «Die Vuvuzela ist noch sehr jung und wurde vor neun Jahren erfunden. Von gesamtafrikanischer Kultur kann man hier kaum sprechen, da sich die Verbreitung bis zum Vorjahr allein auf Südafrika beschränkte. Doch auch das traditionelle Instrument, auf das sich der Erfinder in der Vermarktung bezieht, war in der Kultur kaum präsent», so Mehler gegenüber pressetext.

Als eindeutigen «Marketinggag» enttarnt auch der Musikethnologe Bernd Clausen von der Universität Würzburg http://www.uni-wuerzburg.de die Plastiktröte. Der Anschluss an traditionelle Musikinstrumente weitgehend aus der Luft gegriffen. «Signalinstrumente wie ausgehöhlte Antilopenhörner gibt es in vielen afrikanischen Kulturen und man setzte sie etwa im Schamanismus ein. Das sind jedoch kaum Instrumente mit der schallverstärkenden Trichteröffnung der Vuvuzela, und schon gar keine Plastikgeräte.»

Lebensdauer auf WM beschränkt

Aus ethnologischer Sicht hält Clausen die umstrittene Tröte als bestes Beispiel dafür, wie die Globalisierung auch vor Musikinstrumenten nicht Halt macht. «Besonders die Medien und die globalen Transportsysteme trieben die Verbreitung in Windeseile an, wobei es auch rasch Produzenten ausserhalb Südafrikas gab.»

Dass das Instrument zur Tradition im Weltfussball wird, sei unwahrscheinlich. «Die Vuvuzela ist eng verbunden mit diesem Event und dessen gemeinsamen Erleben. Fällt dieser Kontext weg, so verstummt und verstaubt das Instrument, genau wie die Fahnen nach der WM 2006 oder EM 2008», so der Experte gegenüber pressetext.

(ht/pte)

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