Android-Handy mit stereoskopischer Kamera

Kurztest: Das neue Smartphone HTC Evo 3D

publiziert: Dienstag, 28. Jun 2011 / 10:45 Uhr
HTC Evo 3D.
HTC Evo 3D.

Neben Tablets ist derzeit 3D das zweite grosse Hype-Thema in der Technik-Welt. Nun hat sich auch HTC der dritten Dimension verschrieben und mit dem HTC Evo 3D ein Konkurrenzmodell zum bisher einzigen 3D-Smartphone, dem LG Optimus 3D, präsentiert.

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Das HTC Evo 3D, das bei der Präsentation in der türkischen Hauptstadt Istanbul in Sachen Software noch nicht ganz serienreif war, hat einen 4,3 Zoll grossen Touchscreen. Dieser kann 3D-Inhalte darstellen, ohne dass der Nutzer eine entsprechende Filterbrille bräuchte. Mit der stereoskopischen Kamera auf der Rückseite lassen sich eigene Bilder und Videos in 3D erstellen, die maximale Auflösung liegt bei 5 Megapixel für Fotos bzw. 720p für Videos. Eine zweite Kamera an der Vorderseite für Videotelefonate löst 1,3 Megapixel auf.

Der interne Speicherplatz des HSDPA-Smartphones mit WLAN n und Bluetooth 3.0 beträgt nur 1 GB, eine Speicherkarte findet aber noch Platz, eine microSD-Karte mit 8 GB Speicherkapazität gehört zum Lieferumfang. Das HTC Evo 3D ist durch die Grösse von 126 mal 65 mal 12,1 Millimeter kein Leichtgewicht, aber auch noch nicht unangenehm schwer. Als Betriebssystem kommt Android in der Version 2.3.4 (Gingerbread) zum Einsatz, darüber liegt die HTC-Sense-Oberfläche in der aktuellen Variante 3.0.

Der Akku hat eine Kapazität von starken 1730 mAh und sollte für ordentliche Laufzeiten sorgen können. Beim Prozessor setzt HTC auf einen Dual-Core-Chip von Qualcomm mit einer Taktfrequenz von 1,2 GHz, exakt handelt es sich um den Qualcomm 8260, der auch im HTC Sensation den Takt vorgibt. Die vier typischen Android-Buttons sind keine «echten» Knöpfe, sondern Schaltflächen auf dem Display.

HTC Evo 3D: Gut ausgestattetes Android-Smartphone

Die Kamera mit ihren zwei Objektiven erzielt bei einem Abstand von ein bis drei Meter zum Objekt die besten 3D-Effekte, die feststehende Distanz zwischen den beiden unbeweglichen Linsen schränkt hier die Möglichkeiten ein. Bei entsprechendem Bildmotiv sind die 3D-Effekte gut sichtbar, beim Ausprobieren des HTC Evo 3D traten allerdings auch immer wieder Schnappschüsse auf, die kaum zu gebrauchen waren. Überlappen sich die Bilder zu sehr, stossen das menschliche Auge und das Handy-Display an ihre Grenzen. Generell ist der Nutzer des 3D-Smartphones sehr eingeschränkt, was die optimale Distanz zum Bildschirm und den Winkel zum Gerät angeht. Stimmen diese Bedingungen - und vorher der entsprechende Abstand - ist der 3D-Effekt deutlich sichtbar. Wird das Gerät aber falsch gekippt, geschwenkt oder ähnliches, überlappen die Bilder nicht richtig, und der Spass hat schnell ein Ende.

In Sachen 3D-Inhalte setzt HTC nicht nur auf vom Nutzer erstellte Dinge. Beim Kauf werden etwa der 3D-Film «Green Hornet» mitgeliefert, zudem sollen auch im kommenden Filmdienst HTCWatch 3D-Filme angeboten werden. Spiele soll es ebenso geben, beim kurzen Test mit «Spiderman» kam auch durchaus Spielspass auf.

Abseits des 3D-Effektes hinterlässt das neue HTC-Handy allerdings durchaus einen guten Eindruck, auch wenn natürlich Hardware und Software noch nicht final sind. Das strukturierte Kunststoff-Gehäuse liegt gut in der Hand, die Verarbeitung ist HTC-typisch gut. Dank des schnellen Prozessors reagiert das Handy äusserst flott, Scrollen und Zoomen gelingt flüssig, auch HD-Videos dürften kein Problem für das Android-Smartphone sein. Der Touchscreen arbeitet zudem sehr präzise. Die Kamera macht in 2D ordentliche Bilder, der LED-Blitz leuchtet sehr gleichmässig das Objekt aus. Zwischen 2D und 3D kann mit einem Schiebeschalter hin- und hergeschaltet werden, der Auslöser für die Kamera ist gross, rund und silbern und wackelte hier noch ein wenig.

Alles in allem macht das Vorserienmodell also durchaus einen gelungenen Eindruck, auch wenn HTC hier auf ein schickes Aluminiumgehäuse leider verzichtet hat. Im Gegensatz zum HTC Sensation wirkt das Evo 3D deutlich kantiger und weniger elegant, aber stimmig im Design.

3D-Smartphones stellen die Sinnfrage

Was nach dem LG Optimus 3D nun auch beim HTC Evo 3D auffällt, sind die Einschränkungen, denen der 3D-Effekt auf Smartphones unterliegt. Die Kameras mit festem Linsenabstand können nur in einem bestimmten Abstand zum Objekt ordentliche Effekte erzielen, zudem bietet das Display nur im exakten Winkel ein echtes Erlebnis der besonderen Art. Nach dem derzeitigen Stand der Technik erscheint es fraglich, ob 3D-Displays auf solchen kleinen Geräten wirklich sinnvoll sind. Als zentrale Funktion dient 3D auf dem Smartphone allerdings wohl für die wenigsten, und als zusätzliches Gimmick ist es sogar ganz nett. Wenn Blickwinkel und Abstand stimmen, sind die Effekte sichtbar, und für mehrere Personen gleichzeitig taugt ein Smartphone ohnehin nicht als mobiles Kino. Das HTC Evo 3D hat allerdings in jedem Fall deutlich herausragendere Qualitäten als den Zugang zur dritten Dimension zu bieten.

Im Juli soll der Verkauf starten, ein Schnäppchen wird das High-End-Handy aber nicht. Die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers liegt bei stolzen 699 Euro (832 Franken) ohne Abo. Dieser Preis beinhaltet allerdings noch nicht den ebenfalls angebotenen HDMI-Adapter, um Inhalte am TV-Gerät wiedergeben zu können.

(Steffen Herget, Istanbul/teltarif.ch)

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