Lambiel völlig von der Rolle
publiziert: Sonntag, 11. Nov 2007 / 00:01 Uhr

Stéphane Lambiel beendete den GP «Cup of China» in Harbin als Dritter. Der Podestplatz war das einzig Positive, denn von den Leistungen her missriet ihm der Saisonstart komplett.

Lambiel: «Es ist nicht einfach, meine Leistung zu akzeptieren. Ich muss jedoch nichts ändern, sondern einfach wieder das Gefühl finden.»
Lambiel: «Es ist nicht einfach, meine Leistung zu akzeptieren. Ich muss jedoch nichts ändern, sondern einfach wieder das Gefühl finden.»
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Der zweite Schweizer, Jamal Othman, verbesserte sich in der Kür vom 9. in den 8. Rang. Der Sieg ging an den Amerikaner Johnny Weir, der seinen Landsmann Evan Lysacek noch abfing.

Lambiel hatte sich in der Kür nach einem mässigen ersten Wettkampfteil schon oft steigern können. Im vergangenen Jahr in Victoria (Ka) feierte der 22-jährige Unterwalliser nach dem 7. Platz im Kurzprogramm den ersten Sieg an einem Grand Prix (ohne GP-Final).

Deshalb schien trotz des grossen Rückstands auf die beiden führenden Lysacek (11,35) und Weir (9,60) eine Verbesserung am zweiten Tag durchaus realistisch.

Lambiels desolate Leistung

Aus der Aufholjagd wurde allerdings nichts. Im Gegenteil: Lambiel präsentierte sich in seiner Flamenco-Kür völlig von der Rolle, zeigte schlichtweg eine desolate Leistung.

Zweimal stürzte der zweifache Weltmeister beim Vierfach-Toeloop, den er schon im Kurzprogramm nicht hatte stehen können, wobei der erste nur dreifach gewertet wurde. Und auch beim Dreifach-Flip landete er auf dem Hintern.

Bereits zum Auftakt des Programms hatte Lambiel den Dreifach-Rittberger nur mit grösster Mühe gestanden - normalerweise beginnt er mit dem Axel. Seine einzige Kombination war ein dreifacher Rittberger mit einem doppelten Toeloop.

Die diversen Unsicherheiten manifestierten sich in der technischen Bewertung, in welcher bloss drei der zwölf Läufer eine schlechtere Punktzahl erzielten.

Lambiel mit Blockade

Lambiel war nach seinem Auftritt dermassen traurig, dass er in der Mixed-Zone nicht einmal dem Fernsehen ein Interview gab. Nach der Siegerehrung hatte sich der siebenfache Schweizer Meister wieder gefasst.

Er sei nun ruhiger, sagte er mit einem Lächeln und fuhr fort: «Ich bin noch nie in meinem Leben so schlecht gelaufen. Schon am Anfang musste ich gegen etwas kämpfen, das ich nicht kannte: Ich konnte das Zentrum meines Körpers nicht fühlen.» Er sei während der gesamten Kür blockiert gewesen. «Der zweite Vierfach-Toeloop gelang mir zwar besser als der erste, aber der Rhythmus war nicht der gleiche wie sonst.»

Dass Lambiel trotz seiner schwachen Vorstellung auch in der Kür den 3. Rang belegte, verdankte er den drittbesten Programmkomponenten für den künstlerischen Ausdruck und mit Ausnahme von Weir und Lysacek der fehlenden Konkurrenz.

Von den beiden Topläufern in Harbin trennten den Olympia-Zweiten aber Welten; auf den fehlerfreien Weir verlor er 39,56 Punkte, auf Lysacek 37,14. Mit seinen 192,22 Zählern hätte er an den diesjährigen Weltmeisterschaften in Tokio Rang 15 belegt. Immerhin brachte ihm der 3. Platz noch 9000 Dollar ein.

«Nicht einfach zu akzeptieren»

Bereits am übernächsten Wochenende bietet sich Lambiel am GP «Cup of Russia» in Moskau die Gelegenheit zur Rehabilitation. «Es ist nicht einfach, meine Leistung zu akzeptieren. Ich muss jedoch nichts ändern, sondern einfach wieder das Gefühl finden», blickte der Olympia-Zweite voraus. Für alle Sprünge brauche man Vertrauen, und jenes habe er in dieser Woche verloren.

Um sich für den GP-Final der besten sechs Läufer von Mitte Dezember in Turin zu qualifizieren, muss Lambiel in Moskau wohl gewinnen. Die Topathleten wurden jeweils an zwei Grands Prix der sechsteiligen Serie eingeladen.

«Mit dem 3. Platz wird es schwierig, den Final zu erreichen», gab sich der Walliser realistisch. Er würde allerdings gerne nochmals in Turin starten. Im vergangenen Jahr hatte er dort Olympia-Silber gewonnen.

Othman mit fünftbester Kür

Jamal Othman zeigte mit der fünftbesten Kür eine starke Leistung. Auch dem 21-jährigen Berner gelang allerdings nicht alles wunschgemäss. So missglückte ihm die Dreifach-Dreifach-Kombination (zweiter Sprung nur doppelt), und auch den Rittberger drehte er nur zweimal.

Seine Darbietungen in Harbin verdienen aber höchste Anerkennung, zumal er eine Woche zuvor noch in Kanada gestartet war und damit praktisch eine «kleine Weltreise» hinter sich brachte. «Heute ging es nicht mehr von alleine», erklärte Othman. Er habe sich aber gut durchgekämpft.

Schlussklassement

Harbin. GP «Cup of China». Schlussklassemente. Männer: 1. (1. in der Kür) Johnny Weir (USA) 231,78. 2. (2.) Evan Lysacek (USA) 229,36. 3. (3.) Stéphane Lambiel (Sz) 192,22. 4. (8.) Sergej Dawidow (WRuss) 181,75. 5. (4.) Alexander Uspenski (Russ) 179,94. 6. (7.) Karel Zelenka (It) 171,03. Ferner: 8. (5.) Jamal Othman (Sz) 170,27.

Frauen: 1. (1.) Kim Yu-Na (SKor) 180,68. 2. (2.) Caroline Zhang (USA) 156,34. 3. (4.) Carolina Kostner (It) 143,86. 4. (3.) Fumie Suguri (Jap) 137,13. 5. (5.) Julia Sebestyen (Un) 136,60. 6. (6.) Beatrisa Lang (USA) 127,42.

Eistanz: 1. (1.) Tanith Belbin/Benjamin Agosto (USA) 195,11. 2. (3.) Oksana Domnina/Maxim Schabalin (Russ) 188,66. 3. (2.) Federica Faiella/Massimo Scali (It) 181,10.

(von Sascha Fey, Harbin/Si)

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