Schlimmer als Telefonieren

Lebensgefährlich: Sprachsteuerung im Auto

publiziert: Dienstag, 7. Okt 2014 / 14:21 Uhr
Die Sprachsteuerung sollte mit Vorsicht genossen werden. (Symbolbild)
Die Sprachsteuerung sollte mit Vorsicht genossen werden. (Symbolbild)

Salt Lake City/Washington/Salzburg - Entgegen der landläufigen Meinung können freihändige, sprachgesteuerte Systeme in Autos Fahrer ernsthaft ablenken. Zu diesem Ergebnis kommen zwei von der Foundation for Traffic Safety des Automobilclubs AAA finanzierte Studien der University of Utah.

3 Meldungen im Zusammenhang
Eine zeigt, dass die Infotainment-Lösungen vieler Autobauer ärger ablenken als das Telefonieren selbst ohne Freisprecheinrichtungen. Die zweite Studie hat untersucht, wie stark sich acht verschiedene Sprachsteuerungs-Möglichkeiten auswirken. Apples Siri ist dabei das grösste Negativbeispiel, wie kritisch die Ablenkung werden kann.

«Nicht sicher»

Bereits 2013 haben AAA und die University of Utah 2013 ein Bewertungssystem eingeführt, das die Ablenkung im Auto bewertet: von 1 (nicht abgelenkt) bis 5 (hochgradige Ablenkung durch komplexe Denkaufgaben). In den aktuellen Studien mit 162 Freiwilligen ging es nun darum, wie sich Spracheingabe macht.

Das Ergebnis war ernüchternd. «Nur, weil Ihr Auto darauf ausgelegt ist, soziale Medien, SMS und Telefonate zu unterstützen, ist das nicht sicher», betont daher Studienleiter David Strayer, Psychologieprofessor an der University of Utah. Denn viele Hersteller bieten Systeme, die den Lenker zu sehr vereinnahmen.

Schlimmer als Telefonieren

Das als so gefährlich geltende Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung hat einen Ablenkungswert von 2,45. Vier von sechs getesteten Infotainment-Systemen sind schlimmer: Chevrolets MyLink (3,7), Mecedes COMMAND (3,1), Ford SYNC mit MyFord Touch (3,0) und Chryslers Uconnect (2,7).

«Diese Erkenntnisse decken sich auch mit unseren Befunden», kommentiert Manfred Tscheligi, Leiter des Christian Doppler Labor Contextual Interfaces an der Universität Salzburg, gegenüber pressetext. Denn selbst einfache Aufgaben wie ein Telefonanruf dauern mit Spracheingabe länger, die Ablenkung bleibt vergleichbar.

«Deutlich grössere Ablenkung»

Bei komplexeren Aufgaben wie der Navigation kann Sprachsteuerung eher helfen. «Auch hier kann eine langsame Reaktion des Systems oder viele Nachfragen zu einer deutlich grösseren Ablenkung führen», warnt der Experte. Immerhin haben asiatische Hersteller in der AAA-finanzierten Studie gezeigt, dass Infotainment auch sicherer geht.

Hyundais Blue Link Telematics ist mit einem Ablenkungs-Wert von 2,2 schon weniger riskant als das Telefonieren mit Freisprecheinrichtung (2,27). Der klare Testsieger ist aber Toyotas Entune. Mit einem Wert von 1,7 ist das System sogar weniger ablenkend, als es laut AAA und University of Utah das Hören eines Hörbuchs ist.

Aufmerksamkeits-Killer Siri

Selbst das schlechteste Infotainment-System kam aber noch gut weg im Vergleich zu Siri. Im Rahmen der zweiten Studie hat das Team um Strayer dafür gesorgt, dass Fahrer Apples Sprachassistenten für Navigation, SMS-Empfang sowie Facebook- und Twitter-Postings nutzen können, ohne das iPhone selbst in die Hand nehmen oder ansehen zu müssen.

Dennoch kam Siri letztlich auf einen katastrophalen Ablenkungs-Wert von 4,14. Allerdings betont Strayer, dass Siri laut Apple lerne und im Laufe der Zeit präziser werde. Dadurch sollte die Ablenkung für Nutzer langfristig sinken.

Die zweite Studie hat freilich gezeigt, dass Sprachsteuerung generell problematisch ist. Selbst einfachste Befehle wie das Einschalten der Heizung kommen auf einen Ablenkungs-Wert von 1,88. Eine Navigation per Sprachsteuerung scheint Nutzer generell stärker abzulenken als das Telefonieren, selbst bei fehlerfrei funktionierendem System. Wenig überraschend erscheint indes, dass das Sprach-Schreiben von E-Mails stärker ablenkt, als sich lediglich eine Nachricht vorlesen zu lassen.

(awe/pte)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Kräftiger Stau: 2018 verfügten Schweizer Autos durchschnittlich über 179 PS - Rekord.
Kräftiger Stau: 2018 verfügten Schweizer Autos durchschnittlich über 179 PS - ...
Dübendorf, St. Gallen und Thun - Wieviel verbraucht die Fahrzeugflotte eines Landes im Durchschnitt? Wie ändert sich das von Jahr zu Jahr? Mit der zunehmenden Zahl an Elektrofahrzeugen und immer mehr «Crossover»-Modellen, die kaum noch einem Fahrzeugsegment zugeordnet werden können, wird die Analyse immer schwieriger. mehr lesen 
Die Vorteile von E-Bikes sind zahlreich. Wer ein E-Bike besitzt, ist zeitlich flexibel, da er beispielsweise von Störungen im öffentlichen Nahverkehr nicht ... mehr lesen  
An erster Stelle steht die eigene Sicherheit.
Publinews Ein Firmenwagen stellt oft ein lukratives Angebot für Arbeitnehmer dar und wird daher auch von zahlreichen Firmen angeboten, um das Unternehmen für potenzielle Mitarbeiter attraktiv zu machen. mehr lesen  
CBD-Konsum wirkt sich nicht auf die Fahrtüchtigkeit aus.
Versicherungen CBD-Produkte haben in den vergangenen Jahren die Erfolgsleiter kennengelernt. Sie sind nicht nur in Deutschland immer beliebter ... mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • melabela aus littau 1
    es geht nicht nur um homosexuelle ich bin eine frau und verheiratet mit einem mann. leider betrifft es ... So, 14.08.16 13:18
  • Pacino aus Brittnau 731
    Kirchliche Kreise . . . . . . hatten schon immer ein "spezielles" Verhältnis zu ... Do, 09.06.16 08:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • Pacino aus Brittnau 731
    Demokratie quo vadis? Wenn die Demokratie den Stacheldraht in Osteuropa-, einen Wahlsieg von ... Mo, 06.06.16 07:55
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Es... muss darum gehen, die Kompetenz der Kleinbauern zu stärken. Das sorgt ... Do, 02.06.16 13:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Kindeswohl egal! Es geht doch vor allem um die eigenen Kinder der Betroffenen. Die ... Do, 02.06.16 08:10
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Verlust der Solidarität: Verlust der Demokratie! Vollständig und widerspruchsfrei beantworten lässt sich das wohl nicht. ... Mi, 01.06.16 00:18
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Unterstützung "Deshalb sind für die Sozialhilfe 267 Millionen Franken mehr und für ... Di, 31.05.16 10:38
 
Stellenmarkt.ch
Der Remoteserver hat einen Fehler zurückgegeben: (500) Interner Serverfehler.
Source: http://www.news.ch/ajax/top5.aspx?ID=0&col=COL_3_1
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Di Mi
Zürich 14°C 28°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Basel 14°C 30°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
St. Gallen 13°C 25°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Bern 13°C 28°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Luzern 16°C 28°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Genf 15°C 30°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Lugano 16°C 29°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig wechselnd bewölkt
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten