Sprachenstreit

Lehrer wollen mehr Französischlektionen und Englisch als Freifach

publiziert: Donnerstag, 11. Sep 2014 / 11:13 Uhr
Deutlich sei auch geworden: Eine grosse Mehrheit will das Frühfranzösisch beibehalten und dafür Frühenglisch als Pflichtfach in der Primarschule streichen. (Symbolbild)
Deutlich sei auch geworden: Eine grosse Mehrheit will das Frühfranzösisch beibehalten und dafür Frühenglisch als Pflichtfach in der Primarschule streichen. (Symbolbild)

Bern - Die kantonalen Lehrerverbände wollen nur noch eine obligatorische Fremdsprache in der Primarschule, und zwar eine Landessprache. Der Entscheid in einer Konsultationsabstimmung an der Präsidentenkonferenz am Mittwochabend fiel überraschend.

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«Wir haben uns nach längerer Diskussion spontan zu einer Konsultationsabstimmung entschieden um herauszufinden, wie die Meinungen sind», sagte Jürg Brühlmann, Leiter Pädagogische Arbeitsstelle beim Lehrerdachverband LCH, gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Der Entscheid sei dann mit nur einer Gegenstimme auch überraschend deutlich ausgefallen.

Definitiv ist die Haltung der Lehrerverbände aber noch nicht. Die Westschweizer und die Deutschschweizer Lehrervertreter werden je an ihren Präsidentenkonferenzen im November eine Abstimmung durchführen. Verbindlich ist die Stellungnahme der Lehrer zwar auch dann nicht. «Wir gehen aber davon aus, dass die Politik unsere Stellungnahme ernst nimmt», sagte Brühlmann.

Lehrer sind frustriert

Bisher hat sich der Lehrerverband für zwei Frühfremdsprachen stark gemacht. Er forderte jedoch seit Jahren, gewisse Gelingensbedingungen müssten eingehalten werden. Dazu gehört etwa die Forderung nach mehr Lektionen für die einzelnen Sprachen.

«Bei der Diskussion am Mittwoch hat sich gezeigt, dass viele Lehrer frustriert sind. Viele Kantone sparen im Bildungsbereich, bessere Bedingungen zeichnen sich nicht ab.» Der Tenor sei klar gewesen: «Zwei Frühfremdsprachen unter den heutigen Voraussetzungen bringen zu wenig Erfolge», sagte Brühlmann.

Klares Votum für Frühfranzösisch

Deutlich sei auch geworden: Eine grosse Mehrheit will das Frühfranzösisch beibehalten und dafür Frühenglisch als Pflichtfach in der Primarschule streichen. Für das Fach Französisch sollen dafür statt wie heute meist zwei neu drei bis vier Lektionen zur Verfügung stehen.

Der Präsident des Westschweizer Lehrerverbandes, Georges Pasquier, habe in letzter Zeit mehrmals an Sitzungen des Deutschschweizer Lehrerverbandes teilgenommen. Das habe die Stimmung sicher beeinflusst, sagte Brühlmann.

Die Lehrerverbände wollen das Frühenglisch aber nicht ganz aus den Primarschulen verbannen. Die Idee ist, dass Englisch als Wahlpflichtfach oder Freifach angeboten wird. Sonst bestehe die Gefahr, dass sich gutbetuchte Eltern Privatunterricht für ihre Sprösslinge leisten, während andere Kinder leer ausgingen, so Brühlmann.

Bei einem solchen Modell würden die Schüler mit sehr unterschiedlichen Englischkenntnissen in der Oberstufe starten. «Wir wissen noch nicht im Detail, wie die Schule damit umgehen könnte. Eine einfache Lösung gibt es beim Thema Fremdsprachenunterricht ohnehin nie», sagte Brühlmann.

Mit dem freiwilligen Englischunterricht auf Primarstufe wäre auch ein weiteres Problem gelöst: Die aufwändige Englischausbildung der Primarlehrer wäre nicht umsonst gewesen.

Thurgau löste Debatte aus

Angestossen hat die aktuelle Diskussion über Frühfremdsprachen der Kanton Thurgau. Mitte August hatte das Kantonsparlament entschieden, Französisch erst ab der Sekundarstufe zu unterrichten. Die Nidwaldner Regierung stimmte kurz darauf einer SVP-Initiative mit gleicher Forderung zu. Im Kanton Graubünden ist eine ähnlich lautende Volksinitiative im vergangenen November zustande gekommen. Im Kanton Luzern ist die Unterschriftensammlung noch im Gang.

An der Präsidentenkonferenz vom Mittwochabend meldeten sich auch Lehrervertreter aus den betroffenen Kantonen zu Wort. «Sie sagten ganz deutlich, dass es ihnen nicht primär darum geht, das Frühfranzösisch abzuschaffen. Sie wollen aber klar nur noch eine obligatorische Fremdsprache in der Primarschule», sagte Brühlmann.

(flok/sda)

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