Liebemachen im Versteck: Frauen leiden unter Zölibatspflicht ihres Partners

publiziert: Montag, 14. Jul 2003 / 09:26 Uhr

Zürich - Hunderte von Frauen in der Schweiz leben oder lebten eine Liebesbeziehung mit einem katholischen Priester. Die allermeisten leiden unter der vom Pflichtzölibat aufgezwungenen Heimlichkeit. Offenheit würde ihren Partner den Beruf kosten.

Moosbrugger: Es gibt Priester, welche die Heimlichkeit nutzen, um sich sexuell schadlos zu halten.
Moosbrugger: Es gibt Priester, welche die Heimlichkeit nutzen, um sich sexuell schadlos zu halten.
Über 10 Jahre lang hat Katechetin A. einen Priester geliebt und ist von ihm geliebt worden. In all den Jahren durften die beiden gegen aussen niemals anders erscheinen, denn als freundschaftlich verbundene Arbeitskollegen.

Kein Händchenhalten in der Öffentlichkeit, kein zärtliches Über-die-Haare-Streicheln, nicht zu denken an einen Kuss. Hin und wieder ein gemeinsames Wochenende - verstohlen und mit An- und Heimreise auf getrennten Wegen.

Die Schuldgefühle lasteten schwer - A. lebte stark in der katholischen Tradition, die für Verletzung des Zölibats schlimmste Höllenstrafen androht.

Aber sprechen durfte sie mit niemandem. Zu gefährlich wäre es gewesen. Sie war allein und verstrickt in ein unseliges Netz von Ausreden, Lügen und Heimlichkeiten.

Anonyme Beratung

Für A. und Frauen mit ähnlichen Problemen gibt es seit September 2000 den Verein der vom Zölibat betroffenen Frauen in der Schweiz - ZöFra. Dort finden auch Frauen Rat, die selbst anonym bleiben und/oder ihren Partner nicht nennen wollen.

Die ZöFra-Frauen hören vor allem zu, sagt Vorstandsmitglied Beatrice Hinnen-Gutzwiller.

Es sei wichtig, dass die Frauen sich verstanden fühlten, dass sie zu ihrem Leiden stünden und ihre Liebe nicht mehr als Schuld auffassten.

Wenn nötig vermittelt der Verein psychologische oder juristische Hilfe.

Er bietet auch Beratung und Begleitung bei der Suche nach neuen beruflichen Perspektiven für den betroffenen Priester: Ein Heraustreten aus der Heimlichkeit hat den Verlust des Priesteramtes zur Folge.

Manche sind auf einem anderen Posten weiterhin in der Kirche tätig, viele wechseln in den Bildungs- oder Sozialbereich.

Bekanntschaft oft via Beruf

Zahlreiche Frauen haben ihren späteren Partner über ihren Beruf kennengelernt. Andere hatten bei ihm Beratung oder Beistand gesucht - etwa im Zusammenhang mit einem Todesfall oder persönlichen Problemen. Häufig münden aber auch normale Zufallsbegegnungen in eine Liebesbeziehung.

Bei der ZöFra melden sich kaum Pfarrhaushälterinnen, die laut Vorstandsmitglied Marielle Moosbrugger Kulzer tatsächlich häufig eigentliche Lebensgemeinschaften mit "ihrem" Priester führen.

Darunter seien viele gute, echte Partnerschaften. Die Pfarrhaushälterinnen haben aber einen eigenen Verband.

Sehr oft dauern die heimlichen Beziehungen Jahre- oder gar jahrzehntelang, bis sich ein Paar an die Öffentlichkeit wagt - oder trennt.

Mancher Frau stirbt der Partner weg, ohne dass je etwas über die Beziehung nach aussen drang. Auch trauern muss sie im Versteckten.

Weshalb verharren so viele Frauen so lange in der Heimlichkeit? Angst, sagt Marielle Moosbrugger: Angst, eine tiefe, bereichernde Beziehung aufzugeben. Angst vor dem Alleinsein. Angst vor den Konsequenzen für den Partner.

Angst auch vor finanziellen Folgen, die gerade für Ordensleute verheerend sein können: Der Orden kommt weder für ihre Umschulung auf noch sichert er ihre Altersvorsorge.

Ungeheurer Erfolgsdruck

A. und ihr Partner bekannten sich schliesslich doch noch offen zu ihrer Beziehung. Die Reaktionen in der Familie und in der Gemeinde fielen fast durchwegs positiv aus.

Viele beglückwünschten das Paar zu seinem Mut. Lange nicht alle Familien reagierten aber so erfreulich, sagt Beatrice Hinnen. Es gibt auch Leute, welche auf die Sünde hinweisen und spätere Krankheiten oder Todesfälle als Strafe Gottes sehen.

Das Heraustreten aus der Heimlichkeit bedeutet nicht das "Happy End". Auf den Paaren lastet ein ungeheurer Erfolgsdruck. Zudem haben sie in den heimlichen Jahren zuvor nicht gelernt, Konflikte auszutragen, sagt Moosbrugger: In den seltenen gemeinsamen Momenten durfte kein Streit die Harmonie überschatten.

Ein Priester - mehrere Frauen

Neben den aufrichtigen Liebesbeziehungen gibt es durchaus auch die reine Ausbeutung. Marielle Moosbrugger sagt es schonungslos: "Es gibt Priester, welche die Heimlichkeit nutzen, um sich sexuell schadlos zu halten."

Da gibt es die Frau, die nach 20 Jahren heimlicher Beziehung verlassen wurde und erst im Nachhinein erfuhr, dass ihr Geliebter seit zehn Jahren eine zweite Beziehung lebte. Oder jene, die nach 30 Jahren verlassen wurde und miterleben musste, dass "er" eine andere heiratete.

Vor allem Parallelbeziehungen sind für einen Priester relativ einfach zu leben - dank dem notwendigen Versteckspiel.

(Elisabeth Hausmann/sda)

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