Literatur-Nobelpreisträger Harold Pinter gestorben
publiziert: Donnerstag, 25. Dez 2008 / 15:12 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 25. Dez 2008 / 17:11 Uhr

London - Der britische Dramatiker und Literaturnobelpreisträger Harold Pinter ist tot. Der 78-Jährige, der lange an Krebs litt, starb am Heiligabend, teilte seine zweite Frau, Lady Antonia Fraser, am Donnerstag mit.

Harold Pinter war 2005 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden.
Harold Pinter war 2005 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden.
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Pinter galt als einer der bedeutendsten britischen Dramatiker. Den Nobelpreis hatte er im Jahr 2005 bekommen. Die Ärzte hatten dem schon damals schwer kranken Pinter die Reise nach Stockholm zur Preisverleihung untersagt. Pinter war berühmt für seine scharfzüngige, unnachsichtige Darstellung des Alltagslebens.

Weltruhm erlangte Pinter, der rund 30 Dramen verfasste, Anfang der 60er Jahre mit «Der Hausmeister». Es folgten rund drei Jahrzehnte, in denen der Autor sein Publikum immer wieder mit verstörenden Werken irritierte, aber zugleich für grosse Theaterabende sorgte.

Zu seinen bekanntesten Stücken zählen «Betrayal» (1978, Betrogen), «The Birthday Party» (1958, Die Geburtstagsfeier) und «The Homecoming» (1965, Die Heimkehr). In Deutschland wurde auch seine Groteske «Moonlight» (1993) mit Erfolg inszeniert.

Vehemente Kritik

Pinter war aber auch für seine politisch linke Einstellung bekannt. Immer wieder hatte er vehement die Irak-Politik von US- Präsident George W. Bush und des damaligen britischen Premiers Tony Blair attackiert, den er als «Kriegsverbrecher» bezeichnete.

Ausserdem protestierte Pinter gegen die NATO-Bombardierung Serbiens und für die Rechte der Kurden. Die Erhebung in den Ritterstand lehnte Pinter ab.

Bei Pinter wurde nach Angaben der BBC im Jahr 2002 Speiseröhrenkrebs diagnostiziert. Vor wenigen Wochen sollte er eine Ehrung in London entgegen nehmen, konnte allerdings nicht teilnehmen, weil er zu krank war.

Kritiker würdigten Pinter als «einzigartige Figur des britischen Theaters». Der Kreativdirektor der BBC, Alan Yentob, sagte: «Er hat die Theaterlandschaft seit den 50er Jahren dominiert.»

«Realismus ins Geschäft gebracht»

Der britische Kritiker Tim Walker sagte, Pinter habe «Realismus in das Geschäft» gebracht. «Er war grossartig. Und es war ein Privileg, mit ihm mehr als 33 Jahre zusammenzuleben. Er wird niemals vergessen», sagte seine Frau.

Pinter wurde als Sohn einer jüdischen Schneiderfamilie am 10. Oktober 1930 in London geboren. Als Dramatiker debütierte er mit «The Room» («Das Zimmer»), das 1957 in Bristol uraufgeführt wurde. Weitere frühe Dramen sind «The Birthday Party», ursprünglich ein Fiasko, aber später eines seiner meistgespielten Stücke, und «The Dumb Waiter» («Der stumme Diener»).

Seine Theaterstücke wurden vom Publikum stets zwiespältig aufgenommen. Auch die Verleihung des Nobelpreises rief Kritiker auf den Plan.

Fröhliches Leben

Aus Pinters Namen entstand auch ein Adjektiv: Als «pinteresk» gelten die sparsamen Dialoge, die eine gewisse Atmosphäre entstehen lassen und dem Zuschauer ein Gefühl des leichten Unbehagens und der Beklemmung bereiten.

Pinter sagte einst ganz passend dazu: «Bei Dramen geht es um Konflikte und Bestürzung, Verwirrung. Ich war nie fähig, ein fröhliches Stück zu schreiben, aber ich bin fähig, ein fröhliches Leben zu geniessen.»

(fest/sda)

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