Madonna zweifelt am US-Erfolgstraum
publiziert: Mittwoch, 16. Apr 2003 / 10:26 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 17. Apr 2003 / 12:24 Uhr

Los Angeles – Madonnas neues Album wird zum Politikum. Auf ihrem neuen Album "American Life" zweifelt sie am US-Erfolgstraum, setzt sich mit dem frühen Tod ihrer Mutter auseinander und träumt vom Frieden und der Sonne auf den Gesichtern ihrer Kinder.

Madonna als Freiheitskämpferin?
Madonna als Freiheitskämpferin?
In Interviews lässt sich die Madonna (44) bevorzugt "Mrs. Ritchie" nennen und sagt Sätze wie: "Ich mag es, wenn wir abends gemütlich auf dem Sofa sitzen und Gitarre spielen."

Das Sexidol gezähmt zur braven Ehefrau und Mutter? "American Life" wird zum Test, ob die Welt für diese neue Madonna bereit ist.

Die erfolgsverwöhnte Popdiva hatte in jüngster Zeit auch herbe Rückschläge einstecken müssen. Dem Erfolg des James-Bond-Songs "Die Another Day" stand der Flop des von Ehemann Guy Ritchie gedrehten Films "Swept Away" gegenüber. Der Film fiel an den Kinokassen wie bei den Kritikern durch.

Einen Tag vor der Oscar-Verleihung wurde Madonna zur schlechtesten Schauspielerin gekürt. "Swept Away" schaffte es insgesamt auf fünf "Goldene Himbeeren".

Nicht gegen den Krieg

Dann folgte der Rückzieher beim kriegskritischen Video zur neuen Single "American Life". Aus "Respekt für die Soldaten im Krieg" zog die Sängerin den lange vor Beginn des Irak-Krieges gedrehten Clip zurück, in dem sie unter anderem bei einer Modeschau mit Granaten-Attrappen um sich wirft.

Eine wirft sie im Video angeblich auch einem Mann zu, der US-Präsident George W. Bush ähnlich sieht. Der Bush-Doppelgänger zündet sich daraufhin mit der Granate eine Zigarre an. Wochenlang musste sich Madonna gegen Vorwürfe angeblicher Bush-Feindlichkeit wehren.

Sie sei nicht gegen den Krieg, aber für den Frieden, liess sie diplomatisch verlauten. Früher wäre ein Madonna-Video eher wegen zu freizügiger Posen oder zu viel nackter Haut zurückgezogen worden - heute ist es die Politik.

Das Foto von Madonna in Gestalt des kubanischen Revolutionärs Che Guevara auf dem Cover von "American Life" ist an sich schon eine Provokation. Sie sei keine Anhängerin seiner Ideologie, sie bewundere nur seinen revolutionären Geist, beeilte sich Madonna in einem Interview klarzustellen.

Sie kritisiere die Oberflächlichkeit des amerikanischen Traums von Geld, Schönheit und Erfolg - eines Traums, den sie selbst seit nunmehr zwei Jahrzehnten verkörpert.

Ende der Musik-Karriere?

Kein Wunder also, dass die Veröffentlichung des "American Life"-Albums am 22. April mit Spannung verfolgt wird. Eine Kritikerin der "New York Times" meinte kürzlich, dass die Popdiva möglicherweise am Ende ihrer 20-jährigen Musik-Karriere angelangt sei.

Seit ihrem ersten Hitalbums "Like A Virgin" 1984 soll Madonna mit Platten und anderen Produkten über 200 Millionen Dollar eingespielt haben. Andere Mitstreiter aus jener Zeit wie Whitney Houston und Michael Jackson hat das "Material Girl" beim Erfolg überdauert.

Doch mit den Verkaufszahlen von Jungstars wie Avril Lavigne, Christina Aguilera oder Pink kann sie nicht mehr mithalten. Wurde Madonnas Album "Music" seit dem Jahr 2000 rund 2,9 Millionen Mal verkauft, so setzte Avril Lavigne mit "Let Go" seit vergangenem Juni bereits über 5 Millionen Kopien ab.

MTV-Chefin Judy McGrath prophezeit, dass viele Leute auf Madonnas neues Album neugierig sind. "Aber ich bin mir nicht sicher, ob die 17-Jährigen ihre CD kaufen werden. Und das ist die Zielgruppe, auf die es ankommt", sagte sie der "New York Times".

Madonnas Botschaft

Musikalisch bietet das Album eine bunte Mischung aus modernem und traditionellem Sound. "American Life" ähnelt dem Bond-Song: die selben peitschenden Beats, der selbe zersplitterte Rhythmus.

"Hollywood" ist sozial-kritisch, aber tanzbar, dann wechseln sich sanfte Balladen mit hämmernden Disco-Beats ab, und das alles ist eingerahmt in Gitarren-Sound und bizarre Elektronik-Laute aus den Computern des französischen Produzenten Mirwais.

"Die Prioritäten verschieben sich, wenn man Kinder hat", bekennt Madonna. Sie habe früher überhaupt keine Botschaft gehabt. "Beziehungsweise meine Botschaft war: Ich, ich, ich und nochmals ich." Bleibt abzuwarten, ob die Leute ihre Botschaft auch hören wollen.

(Andrej Sokolow und Barbara Munker/dpa)

 
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