Margrit Schriber wird 65

publiziert: Dienstag, 1. Jun 2004 / 08:43 Uhr

Zofingen - Die Autorin Margit Schriber gilt als genaue Beobachterin und raffinierte Erzählerin menschlicher Unzulänglichkeiten. Am Freitag wird die Innerschweizer Autorin Margrit Schriber 65 Jahre alt.

Margrit Schriber, Schweizer Autorin.
Margrit Schriber, Schweizer Autorin.
Sie sei eine "Autodidaktin von A bis Z", sagte sie einmal. Zwar wollte sie immer schon Schriftstellerin werden, aber erst, nachdem sie mit 28 Jahren ihr erstes literarisches Werk gelesen hatte, machte sie sich richtig an die Arbeit.

Sie schrieb, las, verglich, testete, verwarf - acht Jahre lang. Dann erschien 1976 "Aussicht gerahmt" und erhielt sofort wohlwollende Kritiken.

Tochter eines Wunderheilers

Margrit Schriber wurde am 4. Juni 1939 in Luzern als Tochter eines Wunderheilers geboren und wuchs in Brunnen und Küssnacht am Rigi auf.

Nach einer kaufmännischen Lehre war sie im Bankfach tätig, später arbeitete sie als Werbegrafikerin, Fotomodell, Buchhalterin und Immobilienhändlerin. Heute lebt sie in Zofingen AG und in der Dordogne.

Eindruck wird Ausdruck

"Schöpferisch sein bedeutet für mich: einen Eindruck umsetzen in Ausdruck", erklärte sie einmal ihr künstlerisches Programm. Zurückhaltung und Begrenzung auf eigene Erfahrung kennzeichnet daher fast ihr ganzes Werk.

In "Kartenhaus" (1978) beispielsweise lieferte ihr die Erinnerung an die Kindheit in Brunnen Material, im Hörspiel "Ein Platz am Seitenpodest" (1978) Erfahrungen aus der Modewelt, in "Vogel flieg" (1980) und "Tresorschatten" (1987) aus der Bank. Oft aber blieb die Welt draussen vor dem Fenster, so in "Aussicht gerahmt" und "Luftwurzeln" (1981).

Phantasie lernt fliegen

Zunehmend wagte sich Schriber nach draussen vor. In "Rauchrichter" sitzt die Ichfigur zwar immer noch hinterm Fenster. Doch was sie den "Rauchrichtern" auf den Dächern beichtet, ist dichter, vielschichtiger, artistischer und bizarrer als frühere Werke.

Auch Croupier-Lini, die in "Schneefessel" (1998) die Geschichte vom Niedergang eines einst gloriosen Berg-Kurhauses erinnert, bleibt zwar gefangen am Ort, ist aber freier in der Phantasie als ihre Vorgängerinnen.

Im vorläufig letzten Erzählband "Von Zeit zu Zeit klingelt ein Fisch" (2001), bringen die Sehnsüchte der immer noch in Alltag und Klischee festgeklebten Figuren die Wirklichkeit sogar so ins Wanken, dass Abgründe aufreissen, aus denen das Unwirkliche eindringt.

Nicht nur genau, sondern auch schön

Spektakulärer als die Inhalte war bei Schriber stets die Sprache. Die einen - beispielsweise das Aargauer Kuratorium, das sie 1998 auszeichnete - lobten ihre "betörend schöne Sprache" und ihre Wortschöpfungen.

Andere taxierten das Bemühen, sich nicht nur genau, sondern auch schön und ungewöhnlich auszudrücken als manieristisch (Kritisches Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur).

So oder so erhielt Schriber zahlreiche Auszeichnungen, etwa von der Schillerstiftung, der Pro Helvetia, den Städten Zürich und Luzern und den Kantonen Zürich und Aargau.

Ausserdem geniesst sie im englischsprachigen Raum einen hohen Bekanntheitsgrad und schaffte es in China in eine "Best of"-Anthologie der Frauenweltliteratur.

(Von Irene Widmer/sda)

 
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