Medikamentenhandel im Internet nimmt zu

publiziert: Sonntag, 7. Mrz 2004 / 09:55 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 7. Mrz 2004 / 10:11 Uhr

Berlin - Der illegale Medikamentenhandel im Internet nimmt laut einer UNO-Studie alarmierende Ausmasse an. Zunehmend würden verschreibungspflichtige Arzneimittel ohne Rezept über Internetapotheken vertrieben.

Medikamentenhandel: Einheitliche Rechtsvorschriften müssen geschaffen werden.
Medikamentenhandel: Einheitliche Rechtsvorschriften müssen geschaffen werden.
Dies erklärte die UNO-Drogenkontrollbehörde INCB (Internationaler Suchtstoffkontrollrat) in ihrem in Berlin vorgestellten Jahresbericht. Die INCB warnte zudem erneut vor steigendem Cannabiskonsum in Europa und forderte strenge Präventionsmassnahmen.

"Cannabis bleibt die Droge Nummer eins in Europa", sagte der INCB-Sekretär Herbert Schaepe. Während die Behörden "keinerlei Massnahmen" ergriffen, hielten immer mehr Jugendliche Cannabis für eine harmlose Droge.

Einheitliche Rechtsvorschriften

Zur Eindämmung des Medikamentenhandel im Internet müssten die Regierungen weltweit den Handel mit den "kontrollierten Drogen" durch einheitliche Rechtsvorschriften regeln, forderte die INCB. Auf ihren Seiten im Internet verharmlosten die illegal betriebenen Apotheken Medikamente, die süchtig machen können; so zum Beispiel das amphetaminartige Aufputschmittel Ritalin.

Vor allem Menschen, die aus Bequemlichkeit und Sparsamkeit Medikamente über das Internet bestellten, liefen Gefahr, von diesen Arzneien abhängig zu werden. Die im Internet bestellten Arzneimittel werden der Studie zufolge nicht nur innerhalb eines Landes, sondern auch ins Ausland verschickt.

Zum Thema Cannabis sagte Schaepe: "Es gab noch nie so viele junge Leute, die sich wegen Problemen mit Cannabis einer Therapie unterziehen mussten.". Cannabisabhängigkeit sei mittlerweile der Grund für 25 Prozent aller Drogentherapien. Dennoch blieben "gezielte Präventionsmassnahmen" der Regierungen aus.

Von Amphetaminen bis Opium

Sorgen bereitet den UNO-Experten auch der Handel mit Amphetaminen wie Ecstasy. In Westeuropa werde weltweit das meiste Ecstasy hergestellt und vor allem über die Niederlande in der ganzen Welt vertrieben. Nach wie vor zähle ausserdem der europäische Kokainmarkt zu den grössten der Welt.

Der Heroinkonsum in Europa war laut der UNO-Behörde in den vergangenen Jahren zwar rückläufig. Wegen der immer grösseren Opiumernten in Afghanistan rechnet die INCB jedoch auch hier wieder mit einem wachsenden Markt.

(bsk/sda)

 
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