Mehr als 530 Tote bei schwerem Erdbeben in Nordalgerien
publiziert: Donnerstag, 22. Mai 2003 / 07:58 Uhr

Algier - Beim schwersten Erdbeben in Nordalgerien seit über 20 Jahren sind nach offiziellen Angaben mindestens 538 Menschen Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 4600 wurden verletzt.

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Hunderte von Menschen seien noch verschüttet, sagte Regierungschef Ahmed Ouyahia. In der Hauptstadt Algier flohen Bewohner in Panik auf die Strassen, als Häuser einstürzten. Manche sprangen aus dem Fenster.

Die Erdstösse erreichten eine Stärke von 5,2 auf der Richterskala, wie das algerische Forschungszentrum für Astronomie und Astrophysik (CRAAG) mitteilte. Präsident Abdelaziz Bouteflika reiste in das am schwersten betroffene Departement Boumerdès.

Das Hauptbeben erschütterte die Region um 19.45 Uhr Ortszeit. Etwa eine halbe Stunde lang bebte die Erde nach. Das Epizentrum lag nach Angaben des CRAAG in der Stadt Thenia zehn Kilometer östlich von Boumerdès.

In Algier standen verängstigte Menschen, die sich nicht in ihre Häuser zurückwagten, noch in der Nacht auf der Strasse und in Parks zusammen. Viele versammelten sich auf dem grossen Platz vor dem Regierungspalast.

Die Wucht der Erdstösse riss Strassen auf, Teile von Häuserfassaden stürzten auf die Strassen. Nur wenige Minuten nach dem Beben fuhren wieder Privatautos auf den Strassen. Viele waren vollbesetzt und dem Notdürftigsten bepackt, weil ganze Familien die Stadt verlassen wollten. Die Einwohner wurden zum Blutspenden aufgerufen.

Beben in Spanien

Das Beben war bis nach Spanien zu spüren, besonders an der Mittelmeerküste sowie auf den Balearen und Ibiza. In mehreren Häfen von Mallorca und der Nachbarinsel Menorca wurden Schiffe beschädigt. Menschen wurden nicht verletzt.

Die Schweiz hat Algerien ihre Hilfe angeboten. Ein Hilfsteam könnte noch am Morgen in das nordafrikanische Land reisen, wie die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) mitteilte. Noch in der Nacht wurde ein Krisenstab gebildet, der in ständigem Kontakt mit der Schweizer Botschaft in Algier steht.

Eine erste Equippe aus acht bis neun Personen, darunter drei Hundeführer, bilde sich in diesen Stunden und könnte noch am Morgen nach Algier fliegen, gab die DEZA weiter bekannt. Angesichts des möglichen Anstiegs der Zahl der Toten und Verletzten sei Bern bereit, die Rettungskette zum Einsatz zu bringen.

(bsk/sda)

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