Müder Cuche visiert Kristallkugel an

publiziert: Donnerstag, 22. Feb 2007 / 15:22 Uhr

Mit einem 5. Rang im einzigen Training vor dem Doppelrennen in Garmisch hat Didier Cuche seine Option auf den Abfahrtsweltcup unmissverständlich angemeldet. Am schnellsten fuhren die beiden Franzosen Pierre-Emmanuel Dalcin und Yannick Bertrand.

Didier Cuche: «Die Kandahar-Strecke ist sehr anstrengend.»
Didier Cuche: «Die Kandahar-Strecke ist sehr anstrengend.»
In der Doppelabfahrt von Garmisch (Freitag und Samstag) wird eine Vorentscheidung im Disziplinen-Weltcup fallen, in dem Cuche mit 436 Punkten klar vor Marco Büchel (329), Peter Fill (318), Michael Walchhofer (296) und Bode Miller (270) führt.

Danach stehen nur noch die beiden Abfahrten in Kvitfjell (10. März) und auf der Lenzerheide (15. März) auf dem Programm.

Seit der Tripette von Franz Heinzer (1991 - 1993), dem jetzigen Abfahrtstrainer, hat nie mehr ein Schweizer die Gesamtwertung der Königsdisziplin gewonnen. In diesem Jahrhundert war die Kristallkugel stets in österreichischem Besitz (2x Meier, 3x Eberharter, 2x Walchhofer).

«Gutes Zeichen»

Cuche, der sich nach der WM zwei Tage ausgeruht und dann drei Tage Kondition (mit Gewichten) gebüffelt hat, fühlt sich etwas müde: «Die Kandahar-Strecke ist sehr anstrengend, heuer mit den vielen zusätzlichen Kurven noch mehr als früher. Und mit zwei Minuten Fahrzeit ist sie auch um einiges länger als die WM-Abfahrt».

Dass Cuche 2004 in Garmisch gewonnen hat (das war der letzte Schweizer Weltcupsieg bis zum Exploit von Marc Berthod in Adelboden), betrachtet er «als gutes Zeichen, aber es ist doch schon drei Jahre her...».

Besonderen Druck, weil die Garmischer Rennen quasi «doppelt» zählen, empfindet Cuche nicht: «Es lastet nicht mehr Druck auf mir als bei den Rennen im Dezember».

Immerhin war er von den Anwärtern auf den Disziplinen-Weltcupsieg im Training der Schnellste: Walchhofer egalisiert ihn, Büchel war 13 Hundertstel langsamer, Fill und Miller um über eine Sekunde.

Platz im Schatten gesucht

Viele mögen den Temperaturwechsel von Are zu Garmisch mit fast 40 Grad Unterschied wie einen Klimaschock empfunden haben: Im Schweden war es bis zu -30 Grad kalt, in Garmisch über 10 Grad warm.

«Mir lief bei der Besichtigung der Schweiss über den Rücken, und am Start suchte ich einen Platz im Schatten», meinte Büchel.

Dennoch befand sich die Piste in bemerkenswert gutem Zustand. «Es ist zwar manchmal ein ´Mues´», fand Ambrosi Hoffmann (8.), der zweitbeste Schweizer, «aber die Schlüsselstellen bleiben die gleichen: Tröglhang, Eishang und Zielhang. Dafür wird der flache Abschnitt kaum selektionieren. Bei diesen Verhältnisse laufen wohl alle Ski.»

Neue Skis ausprobiert

Alle Rossignol-Fahrer benutzten - testhalber im Hinblick auf die nächste Saison - neue Ski.

Ob Bruno Kernen auf diesen noch stehen wird, ist offen: «Ich mache mir permanent Gedanken, ob ich aufhören soll oder nicht. Irgendwann muss ich mich entscheiden. Wie ich mich entscheide, weiss ich im Moment noch nicht.»

In Garmisch fühlte sich Kernen angesichts des frühlingshaften Wetters «eher an einer Schweizer Meisterschaft als an einem Weltcuprennen».

Resultate:
Einziges Training zur Weltcup-Doppelabfahrt vom Freitag und Samstag (mit Kitzbühel-Ersatzrennen): 1. Pierre-Emmanuel Dalcin (Rr) 1:56,97. 2. Yannick Bertrand (Fr) 0,43. 3. Fritz Strobl (Ö) 0,50. 4. Hans Grugger (Ö) 0,55. 5. Didier Cuche (Sz) und Michael Walchhofer (Ö) je 0,70. 7. Erik Guay (Ka) 0,76. 8. Ambrosi Hoffmann (Sz) 0,78. 9. Marco Büchel (Lie) 0,83. 10. Didier Défago (Sz) und Christoph Gruber (Ö) je 0,85.
12. Hermann Maier (Ö) 1,01. 13. Mario Scheiber (Ö) 1,11. 14. Weltmeister Aksel Lund Svindal (No) 1,12. 15. Tobias Grünenfelder (Sz) 1,14. 16. Super-G-Weltmeister Patrick Staudacher (It) 1,30. -- Ferner 25. Beni Hofer (Sz) 2,30. 26. Bode Miller (USA) 3,34. 32. Bruno Kernen (Sz) 2,70. 40. Konrad Hari (Sz) 3,34. 42. WM-Zweiter Jan Hudec (Ka) 3,44. 44. Silvan Zurbriggen (Sz) 3,56. 46. Michael Bonetti (Sz) 3,97. -- 61 Teilnehmer; nicht gestartet: Olympiasieger Antoine Dénériaz (Fr), Grippe.

(rr/Si)

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