Bundesgerichtsentscheid
Nacktwandern ist strafbar
publiziert: Donnerstag, 17. Nov 2011 / 14:30 Uhr
Strafbare Handlung.
Strafbare Handlung.

Lausanne - Nacktwandern darf von den Kantonen bestraft werden. Das Bundesgericht hat sich den Anhängern des unverhüllten Naturgenusses mit einem Grundsatzurteil in den Weg gestellt und eine im Kanton Appenzell Ausserrhoden verhängte Busse bestätigt.

5 Meldungen im Zusammenhang
Mit seinem Entscheid hat des Bundesgericht die Beschwerde eines 47-jährigen Mannes abgewiesen, der im Oktober 2009 im Gebiet Nieschberg bei Herisau AR nackt unterwegs gewesen war.

Er wanderte unter anderem an einer Feuerstelle vorbei, wo sich eine Familie mit Kleinkindern aufhielt. Zudem passierte er ein christlich geführtes Rehabilitationszentrum für Drogenabhängige. Eine Passantin stellte ihn zur Rede und erstattete Anzeige.

Grob unanständiges Benehmen

Das Obergericht sprach ihn im vergangenen Januar des «grob unanständigen Benehmens» gemäss dem appenzell-ausserrhodischen Gesetz über das kantonale Strafrecht schuldig und büsste ihn mit 100 Franken. Die Strafrechtliche Abteilung des Bundesgerichts hat diesen Entscheid in ihrer Beratung vom Donnerstag nun bestätigt.

Allgemeines Verbot reicht aus

Im Kanton Appenzell Ausserrhoden werde das Nacktwandern zwar nicht ausdrücklich untersagt, sondern unter das Verbot der «groben Verletzung von Sitte und Anstand» eingeordnet. Die fragliche Bestimmung sei aber ausreichend bestimmt formuliert, damit auch das entblösste Wandern erfasst werden könne.

Weiter stehe fest, dass nach dem Empfinden eines durchschnittlichen Menschen beim Nachtwandern Sitte und Anstand tatsächlich verletzt würden. Im übrigen entspreche es nicht einmal den Regeln der Freikörperkultur, nackt in der Öffentlichkeit unterwegs zu sein.

Unterhose zumutbar

Ohnehin dürfe wohl davon ausgegangen werden, dass das Tragen einer Unterhose das Freiheitsgefühl in der Natur nicht mehr beeinträchtige als dies Wanderschuhe oder eine Kopfbekleidung täten. Keine Rolle spielt es laut Gericht schliesslich, dass in gewissen Kantonen das Nacktwandern nicht bestraft wird.

Eine Richterminderheit vertrat die Auffassung, dass die Kantone keine Kompetenz haben, das Nacktwandern zu verbieten. Sich nackt in der Natur zu bewegen, stelle zudem höchstens eine Extravaganz dar, nicht aber einen Verstoss gegen Anstand und Sitten.

(bert/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Chur - Nacktwanderer haben den ... mehr lesen
Die Nacktwanderer waren in Schneeschuhen unterwegs. (Symbolbild)
Nacktwanderer in einem Wald bei Kreuzlingen.
Appenzell AI - Der Entscheid des ... mehr lesen
Trogen - Weil er am 11. Oktober 2009 «födleblutt» gewandert war, ist ein 47-jähriger Herisauer vor Ausserrhoder Kantonsgericht gestanden. Verteidigt wurde er durch Puistola Grottenpösch, den passionierten Schweizer Nacktwanderer. mehr lesen  1
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Werden Menschen in den USA jetzt besser vor zielgerichteter Werbung geschützt?
Werden Menschen in den USA jetzt besser ...
Demokraten bringen Gesetzentwurf ein  Politiker der Demokratischen Partei haben in den USA einen neuen Gesetzentwurf eingebracht, der die Nutzung zielgerichteter digitaler Werbung auf Werbemärkten (Targeted Advertising) verbieten würde, die von Plattformen wie Facebook, Google und anderen Datenmaklern mit grossen Gewinnen betrieben werden. mehr lesen 
Coronavirus  Bern - Der Bundesrat hat heute beschlossen, das summarische Abrechnungsverfahren für Kurzarbeitsentschädigung (KAE) bis zum 31. März 2022 für alle Unternehmen zu verlängern. Vom 1. Januar 2022 bis zum 31. März 2022 wird zudem die Karenzzeit für alle Unternehmen aufgehoben. mehr lesen  
Social Media Schuldeintreiber in der USA dürfen seit kurzem auch säumige Schuldner per Social Media kontaktieren. Ein entsprechendes Gesetz des Consumer Financial Protection Bureau ist diese Woche in Kraft getreten. Betroffen sind Millionen US-Bürger, einer Umfrage zufolge sollen im Jahre 2017 über 70 Mio. US-Amerikaner von Inkassobüros kontaktiert worden sein. mehr lesen  
US-Regisseur Quentin Tarantino streitet sich derzeit mit Miramax, der Produktionsfirma seines Erfolgsfilms «Pulp Fiction», um Vermarktungsrechte digitaler NFTs (Non-Fungible Tokens). mehr lesen
Quentin Tarantino als Kopie, Madame Tussauds, Wien.
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Fr Sa
Zürich 10°C 23°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
Basel 12°C 23°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
St. Gallen 12°C 20°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt
Bern 10°C 23°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Luzern 13°C 23°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
Genf 10°C 24°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Lugano 15°C 27°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten