Unbegrenzte Reichweite

Neue NSA-Enthüllung: Internet-Beschattung in Echtzeit möglich

publiziert: Mittwoch, 31. Jul 2013 / 21:29 Uhr
Unter anderem könne man die IP-Adresse jedes Besuchers einer bestimmten Website erfassen. Inhalte der Kommunikation würden drei bis fünf Tage lang gespeichert, Verbindungsdaten 30 Tage.
Unter anderem könne man die IP-Adresse jedes Besuchers einer bestimmten Website erfassen. Inhalte der Kommunikation würden drei bis fünf Tage lang gespeichert, Verbindungsdaten 30 Tage.

Moskau - Im Skandal um die globale Datenspionage des US-Geheimdienstes NSA bringen neue Enthüllungen die Regierung in Washington weiter unter Druck. Ein am Mittwoch veröffentlichtes Dokument des Informanten Edward Snowden untermauert den Vorwurf, dass die NSA praktisch unbegrenzten Zugriff auf Internetdaten der Menschen weltweit habe.

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Innenpolitisch versuchte die US-Regierung, mit der Veröffentlichung von Details über die Sammlung amerikanischer Telefondaten die Wogen zu glätten. Die Dokumente seien im «öffentlichen Interesse» und mit dem Ziel «grösserer Transparenz» deklassifiziert worden, teilte der Nationale Geheimdienstkoordinator (DNI) James Clapper am Mittwoch mit.

Die Veröffentlichung wird von Beobachtern als Versuch gewertet, innenpolitisch Klarheit in NSA-Fragen zu schaffen und damit dem wachsenden Widerstand im US-Kongress und in der Bevölkerung gegen Überwachung etwas entgegenzusetzen.

Nicht viel Neues

Wirklich umfassende, neue Informationen bringen die Papiere allerdings nicht ans Licht. Sie legen nur in groben Zügen offen, unter welchen Voraussetzungen die massive Sammlung von Telefondaten stattfindet, die Snowden Anfang Juni enthüllt hatte.

Es handelt sich um Berichte aus den Jahren 2009 und 2011, ausserdem den Beschluss eines Geheimgerichts vom vergangenen April, der vorgibt, nach welchen Regeln die Daten gespeichert und Ermittlern zugänglich gemacht werden sollen.

Der Beschluss sieht vor, dass der Handynetzbetreiber Verizon identifizierte Metadaten Ermittlern zugänglich macht. Verizon taucht in den teilweise geschwärzten Dokumenten namentlich zwar nicht auf, wurde in Medienberichten aber übereinstimmend als der betroffene Handynetzbetreiber ausgemacht.

Gesammelte Daten waren anonymisiert

Zeitgleich mit der Veröffentlichung im Internet befasste sich am Mittwoch der Rechtsausschuss des Senats in Washington mit den Papieren. Unter anderem wurden der stellvertretende US-Justizminister James Cole sowie der Vize-Chef der NSA, John Inglis, angehört.

Die von der NSA gesammelten Daten enthielten keine Namen, keinen Ort und nicht den Inhalt der Gespräche, versicherte Cole vor dem Ausschuss. «Wir müssen sorgfältig prüfen, ob wir mit diesen Gesetzen zu weit gegangen sind», sagte der Vorsitzende des Ausschusses, Patrick Leahy. Unter Umständen müsse das Programm ganz beendet werden.

Neue Enthüllungen des Guardian

Am Mittwoch machte die britische Tageszeitung «The Guardian» neue Snowden-Enthüllungen öffentlich. Sie stellte eine NSA-Präsentation ins Netz, nach der Mitarbeiter über ein Programm namens «XKeyscore» Zugriff auf gewaltige Datenmengen haben.

Dem Dokument von 2008 zufolge können Geheimdienstler in den «enormen Datenbanken» der NSA nach Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern und Schlagworten suchen. Für die einzelnen Anfragen bräuchten sie keine gesonderte Zustimmung eines Richters oder eines anderen NSA-Mitarbeiters, schreibt der «Guardian».

Auch die Beobachtung der Internetaktivität einzelner Menschen in Echtzeit sei mit «XKeyscore» möglich. Unter anderem könne man die IP-Adresse jedes Besuchers einer bestimmten Website erfassen. Inhalte der Kommunikation würden drei bis fünf Tage lang gespeichert, Verbindungsdaten 30 Tage.

Snowden sitzt weiterhin in Moskau fest

Der Enthüller Snowden befindet sich nach wie vor auf der Flucht vor der US-Justiz. Sein Vater riet ihm aus Sicherheitsgründen zum weiteren Aufenthalt in Russland. «Wenn ich er wäre, würde ich in Russland bleiben», sagte Lon Snowden in einer am Mittwoch ausgestrahlten Sendung des russischen Staatsfernsehens.

In einem Video-Interview mit der «Washington Post» bezweifelte er, dass seinem Sohn in den USA ein fairer Prozess gemacht würde.

 

(dap/sda)

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