Neue Terrorbotschaft in Riad - Extremisten reicht Truppenabzug nicht

publiziert: Dienstag, 13. Mai 2003 / 14:21 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 13. Mai 2003 / 16:53 Uhr

Riad/Kairo - Mit ihrer minutiös geplanten Anschlagserie gegen ausländische Zivilisten in Riad, der Hauptstadt von Saudi Arabien, wollen die verantwortlichen Extremisten vor allem klar machen, dass der US-Truppenabzug aus Saudi-Arabien nicht reicht. Geplant wurden die Autobomben-Anschläge zwar vermutlich schon vor der Ankündigung des Truppenabzuges Ende April, aber abgeblasen wurden sie deshalb nicht.

Rumsfeld mit Abdallah Al Saud, Kronprinz des Königreichs.
Rumsfeld mit Abdallah Al Saud, Kronprinz des Königreichs.
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Die Bomben wurden in vorwiegend von Amerikanern bewohnten Ausländer-Siedlungen gepflanzt und dies zeigt, dass El Kaida trotz des von den USA mit grossem Aufwand betriebenen "Kampfes gegen den Terrorismus" immer noch grössere Terroranschläge planen und ausführen kann.

Dabei hatte es noch vor wenigen Tagen so ausgesehen, als hätten sich die Regierung von Präsident George W. Bush und die Öl-Monarchen am Golf nach mehr als einjährigen Verhandlungen endlich auf einen "Deal" geeinigt. Dieser sollte den islamistischen Terroristen den politischen Nährboden entziehen.

Abzug versprochen

Offiziell will zwar niemand von einer derartigen Vereinbarung wissen, doch die Anzeichen sind deutlich. Ende April verkündete US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld bei einem Besuch in Saudi-Arabien den Abzug der amerikanischen Truppen aus dem Königreich an. Dies war stets eine der Hauptforderungen der Terroristen um den El-Kaida-Anführer Osama bin Laden gewesen.

Sie warfen dem saudischen Herrscherhaus vor, sie hätten ohne Not "Ungläubige" ins Land der heiligen Stätten des Islam von Mekka und Medina geholt. Obwohl das saudische Herrscherhaus stets betonte, es habe von den Amerikanern nie den Abzug verlangt, würde dieser Schritt erheblichen politischen Druck von König Fahd nehmen.

Anschläge vom 11. September

Umgekehrt kamen die Saudis aber auch den Amerikanern entgegen. Denn die Tatsache, dass 15 der Flugzeugattentäter vom 11. September 2001 saudische Staatsbürger waren, hatte bei vielen Politikern in Washington zu einem Umdenken geführt.

Sie fragten sich plötzlich, ob die Jugend in den Schulen und Moscheen des erzkonservativen islamischen Königreichs und den religiösen Stiftungen der Saudis im Ausland nicht zum Hass auf den Westen und zur Missachtung der Menschenrechte erzogen wird.

Vergangene Woche kündigte Aussenminister Prinz Saud el Feisal an, der König wolle erstmals eine private, unabhängige Menschenrechtsorganisation zulassen.

Am Montag hiess es, die von führenden saudischen Prinzen unterstützte Wohltätigkeitsstiftung El Haramein werde ihre Aktivitäten in Pakistan und Afghanistan innerhalb der kommenden zwei Wochen einstellen. Die Organisation taucht auf einer US-Liste von Organisation auf, die den Terrorismus fördern sollen.

"Relativ" ruhig

Seit dem Anschlag von El Chobar 1996, bei dem eine Bombe in einem Tanklaster 19 US-Soldaten getötet und fast 400 Menschen verletzt hatte, hatte es in Saudi-Arabien keine spektakulären Terroranschläge mehr gegeben. Kleinere Zwischenfälle wurden heruntergespielt.

Und erst vor einigen Wochen hatten die Saudis schliesslich erstmals offiziell eingeräumt, dass sie ein Problem mit islamistischen Terroristen hätten. Dutzende von Verdächtigen seien festgenommen worden, hiess es.

Nach den Anschlägen von Dienstag muss man aber festgestellen, dass die saudische Königsfamilie - selbst nach ihrer Einräumung mit Terrorgruppen Probleme zu haben - weiter massiv untertreibt.

(Anne-Beatrice Clasmann/dpa)

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