Worte des FBI

Nordkorea verantwortlich für Hackerangriff auf Sony

publiziert: Freitag, 19. Dez 2014 / 10:01 Uhr / aktualisiert: Freitag, 19. Dez 2014 / 18:38 Uhr
«Wir sind in der Verantwortung, dagegen aufzustehen.»
«Wir sind in der Verantwortung, dagegen aufzustehen.»

Los Angeles - Die USA haben erstmals Nordkorea direkt für den Hackerangriff auf Sony Pictures verantwortlich gemacht. Es gebe genügend Informationen, die diesen Rückschluss erlaubten, teilte die Bundespolizei FBI am Freitag in Washington mit.

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So seien beispielsweise deutliche Parallelen zwischen der bei dieser Attacke verwendeten Infrastruktur und anderen "bösartigen Cyber-Aktivitäten" Nordkoreas festgestellt worden.

Die Hacker hätten mit geklauten Zugangsdaten eines Systemadministrators breitflächigen Zugang zu den Daten des gesamten Unternehmens bekommen, berichtete der Sender CNN unter Verweis auf nicht namentlich genannte Regierungsvertreter. Nach CNN-Angaben wurde inzwischen über eine Reaktion auf den Hackerangriff beraten.

Sony Pictures hatte am Vortag die Nordkorea-Satire "The Interview" zurückgezogen. Da die Mehrheit der Kinobetreiber in den USA den Film nicht ins Programm nehmen wolle, "haben wir beschlossen, den für den 25. Dezember geplanten Kinostart abzusagen", zitierten US-Medien aus einer Mitteilung des Studios. In dem Film bekommen zwei US-Journalisten (Seth Rogen und James Franco) den Auftrag, Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un bei einem Interview zu töten.

Mit dem Segen der US-Regierung

Schauspieler George Clooney beklagt in dem Fall eine mangelnde Solidarität in Hollywood: Eine von ihm verfasste Petition habe niemand unterschreiben wollen, sagte er dem Branchenportal "Deadline.com". Die Unterzeichner hätten zugestimmt, dass man sich nicht den Forderungen der Hacker unterwerfen und zusammenhalten werde.

Nach den Veröffentlichungen von vertraulichem E-Mail-Verkehr durch die Medien habe jeder die Sorge, er könne der nächste am Pranger sein, sagte Clooney. Dass der Film nun nicht mehr in den Kinos läuft, sieht Clooney als ein Problem: Erpressbarkeit "betrifft nicht nur Filme, das betrifft alle Angelegenheiten. Wir sind in der Verantwortung, dagegen aufzustehen."

Sony Pictures hat die Satire vor ihrer Veröffentlichung sogar von der US-Regierung überprüfen lassen. Das Weisse Haus habe den Film auf Bitten von Sony gesichtet, sagte Präsident Barack Obamas Sprecher Josh Earnest. Die Regierung habe dann ihre Einschätzung den Machern mitgeteilt, aber keine Änderungen vorgeschrieben oder gar "diktiert". Obama hatte den Amerikanern trotz Terrordrohungen gegen US-Kinos empfohlen, den Film ohne Angst vor Anschlägen im Kino anzusehen.

Coelho macht ein Angebot

Earnest stufte den Angriff als "Angelegenheit von nationaler Sicherheit" der USA ein, vermied es aber, von einem Angriff auf diese zu sprechen. Es gebe Beweise, dass ein "anspruchsvoller Akteur mit bösartiger Absicht zerstörerisch" vorgegangen sei.

Bestseller-Autor Paulo Coelho erklärte sich bereit, die Satire gratis in seinem Blog zu veröffentlichen. In einer Twitter-Botschaft bot er Sony Pictures 100'000 Dollar für die Rechte an. "Sie bekommen 0,01 Prozent des Budgets zurück, und ich kann 'Nein' zu Terror-Drohungen sagen", schrieb der 67-Jährige. Er bezweifle jedoch, dass Sony sein Angebot annehmen werde, räumte der Brasilianer ein.

"The Interview" sollte am 25. Dezember in den USA starten. In der Deutschschweiz war der Start des Films mit Produktionskosten von rund 44 Millionen US-Dollar für Anfang Februar geplant. Sony hat sich auch gegen jede andere Form der Veröffentlichung des Films entschieden, sei es als Video auf privaten Kabelkanälen oder auf DVD, zitierte das Magazin "Variety" eine Sony-Sprecherin.

(flok/sda)

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