Olympische Spiele: IOC-Session Prag

publiziert: Montag, 30. Jun 2003 / 10:30 Uhr

Mit gemischten Gefühlen wird in der Schweiz die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2010 durch das IOC am Mittwoch in Prag verfolgt. Vancouver (Ka), Salzburg (Ö) und Pyeongchang (SKor) treten zum Final an, nachdem Berne 2010 auf der Strecke geblieben ist.

Vancouver gilt als Favorit für die Olympischen Spiele.
Vancouver gilt als Favorit für die Olympischen Spiele.
Weiterführende Links zur Meldung:

Kandidatur Salzburg
Offizielle Seite.
www.salzburg-2010.com

Kandidatur Vancouver
Offizielle Seite.
www.winter2010.com

Kandidatur Pyeongchang
Offizielle Seite.
2010pyeongchang.com

In der Reihenfolge Vancouver, Salzburg und Pyeongchang schlägt den drei Kandidaten am Mittwoch in Prag die entscheidende Stunde. Jeweils 60 Minuten lang dürfen sich die Delegationen vor der Session des Internationalen Olympischen Komitees noch einmal präsentieren. Über die Reihenfolge wurde per Los entschieden, aber so könnte auch das Resultat aussehen. Die Wahl durch die rund 120 erwarteten IOC-Mitglieder erfolgt ab 15.45 Uhr. Der Sieger wird jedoch erst gegen 17.30 Uhr durch IOC-Präsident Jacques Rogge verkündet.

Das weckt Erinnerungen an die Verkündigung der letzten Winterolympia-Vergabe 1999 in Seoul, als der damalige IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch nicht wie von fast der ganzen Schweiz erwartet "Sion" als Veranstalter der Spiele 2006 nannte, sondern "Torino". Eine Schweizer Kandidatur für 2010 schaffte es nicht bis zum Entscheid. Bern, das mit Montreux fusioniert hatte, warf zunächst im Schweizer Sportparlament Davos-Zürich aus dem Rennen, scheiterte aber am 22. September 2002 kläglich vor dem Berner Stimmvolk.

Vancouver und Salzburg waren einen Mitfavoriten los geworden, aber der Entscheid für 2010 wird auch auf die Schweiz ausstrahlen. Sollte Salzburg die Spiele erhalten, wird sich schwerlich eine neue Schweizer Kandidatur für 2014 aufbauen lassen, da das IOC kaum dreimal hintereinander Olympische Winterspiele in den Alpen durchführen wird (nach Turin 2006 und Salzburg 2010). Sollte Vancouver triumphieren, gibt es eher eine Chance für eine Schweizer Kandidatur -- aber in diesem Fall stünde die hervorragende Bewerbung von Salzburg klar in der Pole-Position für 2014.

Geht es nach den internationalen Buchmachern und Experten, dann finden die Spiele 2010 nämlich entweder in Salzburg oder in Vancouver statt. Pyeongchang werden keine seriösen Chancen eingeräumt. Das australische Wettbüro Centrebet sieht Vancouver als 11:5-Top-Favoriten; Salzburg rangiert mit einer Quote von 9:4 vor Pyeongchang (4:1) an zweiter Stelle. GamesBids gibt Salzburg mit einer Indexrate von 66.82 vor Vancouver (65.31) und Pyeongchang (60.05) die besten Chancen. Das gilt als gutes Omen für Österreichs Kandidatur, denn GamesBids prophezeite vor zwei Jahren auch den Sieg von Peking über Toronto im Rennen um die Sommerspiele 2008.

Kevin Wamsley, der Direktor des Internationalen Zentrums für Olympische Studien an der "University of Western Ontario", sagt dagegen auf Grund der geopolitischen Lage und des Einflusses der amerikanischen TV-Stationen einen Sieg von Vancouver voraus. "Es wird ein ganz knappes Rennen zwischen Vancouver und Salzburg", glaubt Wamsley. "Trotzdem ist Vancouver der Favorit -- vor allem angesichts der Tatsache, dass sich NBC für 2,2 Milliarden US-Dollar die Olympia-Fernsehrechte gesichert hat."

Favorit Vancouver erwartungsfroh

Die Hoffnungen Vancouvers ruhen wieder einmal auf "The Great One" Wayne Gretzky. So wie der einst beste Eishockey-Spieler das Team Kanada vor 16 Monaten in Salt Lake City als Generalmanager zum ersten Olympia-Gold seit 50 Jahren geführt hat, soll er nun auch die Olympischen Winterspiele 2010 nach Vancouver holen. Gemeinsam mit Premierminister Jean Cretien wird Gretzky die elfköpfige Delegation anführen, die Kanada am 2. Juli in Prag zum zweiten Mal nach Calgary 1988 das bedeutendste Wintersportfest bescheren möchte. "Vancouver ist die richtige Stadt und Kanada das richtige Land für die Winterspiele", sagt Gretzky.

Vancouver ist mit über 550 000 Einwohnern die grösste Stadt der Provinz British Columbia. Die zwischen Meer, Fraser River und Küstengebirgen gelegene westkanadische Hafenmetropole, deren Stadtbild von zahlreichen Parks und ausgedehnten grünen Wohnvierteln geprägt wird, gilt als attraktivste Grossstadt Kanadas. Die Evaluationskommission des IOC hat Vancouver ein Konzept bescheinigt, "das sehr gute Bedingungen für die Sportler aufweist". Es erlaube den Athleten "den Aufenthalt in einem olympischen Dorf mit begrenzter Anreise zu hervorragenden Sportanlagen".

Salzburg mit kleinem Grenzverkehr

Salzburgs Gegenstück zu Gretzky ist Hermann Maier als Botschafter der Kandidatur. Die Mozartstadt setzt auf den kleinen Grenzverkehr. Mit der Kunsteisbahn am Königssee in Deutschland erhofft sich Österreichs Kandidat einen Vorteil gegenüber den Konkurrenten, die bislang noch keine fertige Bob- und Rodelbahn präsentieren können. Nach Innsbruck 1964 und 1976 erhielte Österreich bei einem Zuschlag zum dritten Mal die Winterspiele.

Mit Mozart und Maier bedient sich Salzburg der berühmtesten Söhne von Stadt und Region als Werbeträger. Geradezu unausweichlich wurde um Wolfgang Amadeus Mozart das Bewerbungskonzept gestrickt. Der Slogan "The Sound of Winter Sports" soll die Synthese aus Musik und Wintersport symbolisieren. Auch die IOC-Kommission bescheinigte eine "starke Verbindung von Sport und Kultur" und schwärmte von möglichen Eröffnungs- und Schlussfeiern mit "sehr attraktivem Blick auf die Festung Hohensalzburg".

Die alpine Abfahrt auf der "Streif" von Kitzbühel oder das Skispringen im Vierschanzentournee-Ort Bischofshofen gelten als Zugpferde. In Hermann Maiers Heimatort Flachau sollen die alpinen Frauen Slalom und Riesenslalom fahren.

Pyeongchang setzt auf Politik

Als Aussenseiter gibt sich Pyeongchang geheimnisvoll. Mit dem Slogan "Verborgener Schatz" wirbt die südkoreanische Stadt und kokettiert mit dem selbst gewählten Image des noch unentdeckten Ski-Paradieses. Die Asiaten setzen aber vor allem auf die grosse Politik. Entgegen den von der IOC-Evaluationskommission vorsichtig geäusserten Sicherheitsbedenken wird die angespannte Lage im Verhältnis zu Nordkorea eher als Chance denn als Risiko gesehen.

Werbewirksam sprach sich Staatspräsident Roh Moo Hyun zehn Tage vor dem Entscheid für ein gemeinsames Olympiateam mit dem kommunistischen Nordkorea schon bei den Spielen 2004 in Athen aus, sollte Pyeongchang den Zuschlag für 2010 erhalten. Die Olympia-Planer in Fernost können sich auf die Unterstützung ihrer Regierung verlassen. Mit einem Investitionsprogramm von rund 4,2 Milliarden Franken soll allein das Strassen- und Schienennetz aus der 160 km entfernten Hauptstadt Seoul in die mit einer Million Einwohnern dünn besiedelte Region im Nordosten Südkoreas verbessert werden.

Die Kandidaten für die Olympischen Winterspiele 2010 im Überblick

SALZBURG ("The Sound of Winter Sports") Internet: http://www.salzburg-2010.com

Termin (geplant): 5. bis 21. Februar 2010

Finanzierung/Budget: Ausgaben und Einnahmen von je 901,4 Millionen Dollar. Bund, Land, Gemeinden und privater Sektor investieren zusätzlich 2,599 Milliarden Dollar in Infrastruktur, davon 2 Mia Dollar in die Verbesserung von Unterkünften, 370 Mio Dollar in den Ausbau von Strassen und Eisenbahnen sowie 131 Mio Dollar in Sportstätten.

Schauplätze: Stadt Salzburg und Umgebung (Hallein, Rif, Schönau am Königssee/De), Region Amade (Bischofshofen, Radstadt/Altenmarkt, Flachau, Altenmarkt/Zauchensee), Kitzbühel.

Austragungsstätten: 11, von denen 5 (Eishockey-Halle in Salzburg, Eiskunstlauf/Short-Track-Halle in Hallein, Eisschnelllauf-Halle in Hallein/Rif, Normalschanze Bischofshofen sowie Stadion für Eröffnungs/Schlussfeier und Zeremonien über der Salzach in Salzburg) neu gebaut werden müssen.

Eröffnungs- und Schlussfeier sowie Zeremonien: Temporäres Stadion über der Salzach in Salzburg.

Olympisches Dorf: Im Bereich der Schwarzenberg-Kaserne in Wals-Siezenheim sowie Sub-Dörfer in Kitzbühel und Radstadt/Altenmarkt.

Einwohner: 180 000 (mit Zweitwohnsitzen)

Motto: "Perfekte Bühne für sportliche und kulturelle Höchstleistungen in einer intakten Natur. Kompakte Spiele durch Sportstätten in nur drei Regionen, exzellente Transportmöglichkeiten für Athleten und Besucher."

VANCOUVER ("Sea to Sky-Games")

Internet: http://www.winter2010.com

Termin (geplant): 5. bis 21. Februar 2010

Finanzierung/Budget: Ausgaben und Einnahmen von je 874,036 Mio US-Dollar. Land, Provinz, Stadt und privater Sektor investieren zusätzlich 844,935 Mio Dollar in Infrastruktur (Strassen und Eisenbahn/387 Mio) sowie Sportstätten (233,447 Mio) und olympisches Dorf (171,161 Mio.)

Schauplätze: Vancouver und Umgebung (Cypress, Burnaby), Whistler Mountain (Whistler Creekside, Blackcomb, Callaghan Valley).

Austragungsstätten: 13, von denen 6 (u.a. Whistler Nordic Centre mit Sprungschanzen, Eiskanal in Blackcomb, Curling-Halle Vancouver und Eisschnelllauf-Halle in Burnaby) neu gebaut werden müssen.

Eröffnungs- und Schlussfeier sowie Zeremonien: BC Place (Halle mit 55 000 Sitzplätzen), Siegerehrungen auch in Whistler.

Olympisches Dorf: Vancouver sowie Sub-Dorf in Whistler.

Einwohner: 500 000; in der Region 2 Mio.

Motto: "Neue Massstäbe bei Athleten-Komfort und Erfahrung." Gute Verkehrsmöglichkeiten zwischen Vancouver und Whistler durch Ausbau der Autobahn.

PYEONGCHANG ("Saubere und friedliche Spiele für alle")

Internet: http://2010pyeongchang.com

Termin (geplant): 6. bis 21. Februar 2010

Finanzierung/Budget: Ausgaben und Einnahmen von je 702 Mio Dollar. Zusätzlich werden 2,822 Mia Dollar in Infrastruktur (Eisenbahn/2,24 Mia Strassen) sowie 576 Mio in Bau von Sportstätten und olympische Dörfer investiert.

Schauplätze: Pyeongchang (Yongpyong/"Tal des Drachens" und "Tal des Friedens"), Gangneung, Jungbong, Sungwoo Resort, Bokwang Phoenix Park, Wonju.

Austragungsstätten: 13, von denen 7 noch gebaut werden müssen (4 Eishallen, Eiskanal, Sprungschanzen, Skipisten und Stadion für alpine Speed-Wettbewerbe).

Eröffnungs- und Schlussfeier sowie Zeremonien: Skisprung-Stadion.

Olympische Dörfer: Pyeongchang/"Tal des Drachens", Wonju und Gangneung.

Einwohner: 47 190

Motto: "Spiele für die Athleten und Spiele als Schlüssel zum Frieden auf der koreanischen Halbinsel." -- Ein ausgeklügeltes Transportsystem soll die Zielsetzung "Alles innerhalb einer Stunde" verwirklichen.

(rr/Si)

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