US-Fans halten Mass
Olympischer Spass statt Patriotismus-Orgie
publiziert: Donnerstag, 14. Feb 2002 / 09:39 Uhr

Salt Lake City - Es ist wie ein Symbol. Wer zu den Winterspielen in Salt Lake City einflog und dann in Richtung Innenstadt fuhr, konnte sie einfach nicht übersehen: Zwei riesige Sternenbanner, aufgehängt zwischen qualmenden Fabrikschloten. Entgegen manchen Befürchtungen haben sich die olympischen Spiele bisher aber nicht zur Patriotismus-Orgie entwickelt.

Sportler finden die amerikanischen Fans fantastisch.
Sportler finden die amerikanischen Fans fantastisch.
Inzwischen sind die Sternenbanner weg. Der Wind hat sie zerrissen und dann wohl ganz davongepustet. Weitgehend weggeblasen sind auch die Befürchtungen, dass die durch den Schrecken des Terrors eng zusammengeschmiedeten Amerikaner Olympia zu einem schwer erträglichen nationalen Spektakel machen könnten.

Ja, sie sind in der Übermacht, bei jeder Veranstaltung fast zu 95 Prozent, wie es in Schätzungen heisst. Ja, sie schwenken Fähnchen, sie schreien und jubeln -- aber sie jubeln nicht nur über sich selbst, sondern auch über andere. Das ist das übereinstimmende Urteil ausländischer Fans und Sportler nach den ersten Tagen der Winterspiele. Wer schon damals dabei war, findet, dass der Patriotismus bei den Sommerspielen 1984 in Los Angeles und 1996 in Atlanta schwerer verdaulich war, dass im Vergleich dazu diesmal die Demonstration amerikanischer Stärke auf dem Gebiet des Sports --und überhaupt -- relativ massvoll ausfällt.

Und: Es wird nicht nur der Sieger gefeiert. Die Amerikaner zeigen ein Herz für die Gestrauchelten. Das erfuhr zum Beispiel der Kanadier Jeremy Wotherspoon, der beim 500-Meter-Eisschnelllauf im ersten Durchgang gestolpert und dann, getragen auf einer Woge der Sympathie, im zweiten Lauf Bestzeit erzielte. Er zeigte sich von der Unterstützung der US-Zuschauer gerührt und beeindruckt.

Lob auch von Simon Ammann

Auch Simon Ammann verteilte nach seinem Gold im Skispringen überschwänglich Lob. Er nannte es gar einen Vorteil, in den USA zu starten, "denn das Publikum ist gemischt und fair". Es unterstütze jeden Sportler, "anders als in Europa". Auch der auf den vierten Platz abgerutschte Sven Hannawald fand die Zuschauer "phänomenal".

Ist es wirklich der olympische Geist? Ist es das mormonische Beispiel der Nächstenliebe oder auch ein bisschen Ignoranz? Eine US- Zeitung merkte jedenfalls glossierend an, der 'ökumenische' Jubel sei auch darauf zurück zu führen, dass die Amerikaner keine Ahnung vom Wintersport hätten. Sie könnten einen Bob nicht vom dreifachen Axel unterscheiden und beklatschten daher alles, was sich bewegt.

Wie auch immer: Bleibt alles so, wird den Funktionären des IOC wohl ein Stein vom Herzen fallen. Hin- und hergerissen zwischen Verständnis für die patriotischen Gefühle des leidgeprüften Gastgeberlandes und der olympischen Idee des unparteiischen Sportsgeistes, hatte sich das IOC in einer heiklen Lage befunden. Zumal sie mit negativen Voraus-Kommentaren aus dem Ausland überschüttet wurden. Vielleicht hat man die US-Fans ganz einfach unterschätzt.

(sk/sda)

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