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Penalty in der 117. Minute: Zinedine Zidane schoss das Golden Goal für Frankreich

publiziert: Mittwoch, 28. Jun 2000 / 23:26 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 29. Jun 2000 / 00:02 Uhr

Brüssel - Dramatisches Ende eines grossen Halbfinalspiels zwischen Portugal und Frankreich. Nach der regulären Spieltzeit stand das Spiel 1:1. Ein umstrittener Handselfmeter in der Verlängerung brachte die Entscheidung für Frankreich. Nach tumultösen Szenen, behielt Zinedine Zidane die Nerven. Er versenkte den Penalty zum Golden Goal.

si. Ein Penaltyschiessen droht. Beide Teams gehen nochmals volles Risiko. Beide wollen den Sieg im Spiel. Dann die 117. Minute:
Portugals Verteidiger Abel Xavier benutzt nach einem Schrägschuss von Wiltord die Hand. Schiedsrichter Benkö aus Österreich diktiert nach Konsultation seines Assistenten einen Penalty. Zidane läuft an und schiesst unter die Latte. Frankreich zum zweiten Mal nach 1984 im EM-Final, Portugal zum zweiten Mal nach 1984 gegen den gleichen Gegner gescheitert. Glück für die "Bleues", Pech für die Iberer.

Portugal mit der ersten Chance

Entgegen dem Spielverlauf gingen die Portugiesen in Führung. Der erste und einzige Schuss aufs Tor der Franzosen in der ersten Halbzeit war gleichbedeutend mit dem ersten Tor. Benfica-Stürmer Nuno Gomes drückte unerwartet aus 18 Metern ab und markierte sein viertes EM-Tor in seinem 17. Länderspiel. Jubilar Deschamps (100. Länderspiel) schien den Ball bereits unter Kontrolle zu haben, aber der unnachgiebige Conceiçao spitzelte ihm die Kugel weg und konnte Nuno Gomes anspielen, der entschlossen den Abschluss suchte und auch fand. Erstmals musste sich Fabien Barthez an der EM nach einer Aktion aus dem Spiel heraus geschlagen bekennen. Gegen Tschechien und Spanien wurde der Goalie des Weltmeisters nur nach Penaltys bezwungen.

Der Ausgleich nach der Pause

Der Ausgleich kam kurz nach Wiederbeginn. Thuram stiess vor, spielte in den Lauf des nicht aus Abseitsposition startenden Anelka, der die Übersicht bewahrte, seinen Lauf abstoppte und auf Henry zurücklegte. Der Arsenal-Stürmer reüssierte mit seinem dritten EM-Tor zum 1:1. Das Spiel konnte neu beginnen.

Die Portugiesen waren von Beginn weg bestrebt, den Spielfluss der Franzosen zu stoppen. Dies dokumentierten sechs Fouls in den ersten zehn Minuten. Zum Ball wurde äusserst Sorge getragen, um Fehlzuspiele zu vermeiden. Dementsprechend vorsichtig bauten die Iberer auf, die Conceiçao wie gegen Deutschland wieder als Halbstürmer nominierten. Dadurch wechselte Spielmacher Figo auf die linke Seite und wurde vor allem von Thuram beschattet. Rui Costa ordnete hinter der einzigen Spitze, Nuno Gomes, das Spiel Portugals, das in vier Jahren die EM-Endrunde organisiert.

Auf der Gegenseite trieb "Fussballkünstler" Zidane das Spiel des Weltmeisters an, und in seinem Rücken machten die drei "Récupérateurs" Vieira, Deschamps und Petit die "Drecksarbeit" und die Räume eng. Es war aber für die Franzosen nie leicht, die Spielkontrolle zu übernehmen. Dazu waren die portugiesischen Ballvirtuosen technisch zu stark. Ihre Behendigkeit und ihre Finten sowie ihre Laufstärke (Nuno Gomes, Figo) beeindruckten erneut. Nach dem Führungstor der Portugiesen wirkten die Franzosen bis zur Halbzeit der normalen Spielzeit geschockt und bekundeten Mühe, gefährliche Aktionen zu inszenieren.

Frankreich mit stärkerer Physis

Frankreich wurde wie gegen Spanien in den Viertelfinals erneut von einem ausgeglichen besetzten iberischen Team geprüft und wurde dieser Herausforderung mit einer Leistungssteigerung ab der 46. Minute gerecht. Der Weltmeister wurde vor allem wegen seiner grösseren Physis dominanter und gelangte durch Anelka (71.) und Petit (77.) zu den besten Chancen. Doch als Nuno Gomes drei Minuten vor Schluss und vor allem Abel Xavier in der Schlussminute der normalen Spielzeit zu Kopfbällen ansetzten, zitterte wohl die ganze Fussball-Nation Frankreichs und dankte Barthez an dessen 29. Geburtstag für seine ausgezeichneten Reflexe.

Portugal - Frankreich 1:2 n. Golden Goal in Verl. (1:1, 1:0)

König-Baudouin-Stadion, Brüssel. -- 50 000 Zuschauer (ausverkauft). -- Tore: 19. Nuno Gomes 1:0. 51. Henry 1:1. 117. Zidane (Handspenalty) 1:2.

Portugal: Vitor Baia; Abel Xavier, Couto, Jorge Costa, Dimas (91. Rui Jorge); Costinha, Vidigal (61. Bento); Conceiçao, Rui Costa (78. Joao Pinto), Figo; Nuno Gomes.

Frankreich: Barthez; Thuram, Blanc, Desailly, Lizarazu; Vieira, Deschamps, Petit (87. Pires); Zidane, Anelka (72. Wiltord); Henry (105. Trezeguet).

Bemerkungen: Beide Teams komplett. 100. Länderspiel von Deschamps. Verwarnungen: 23. Vieira (Foul), 39. Desailly (Foul), 44. Vidigal (Foul), 54. Figo (Foul), 56. Jorge Costa (Foul), 62. Dimas (Foul), 107. Joao Pinto (Foul, im Final gesperrt). 115. Gelb- Rote Karte Figo (Reklamieren).

(ba/sda)

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