Polen: Herz in Europa - Brieftasche in den USA?
publiziert: Montag, 5. Mai 2003 / 08:01 Uhr

Warschau - Die Entscheidung, sich aktiv am Irak-Krieg zu beteiligen, bringt Polen nun eine führende Rolle bei der politischen Neuordnung in Irak ein.

Kwasniewski (l) hofft auf eine Finanzspritze aus den USA.
Kwasniewski (l) hofft auf eine Finanzspritze aus den USA.
Polen soll mit bis zu 2000 Soldaten einer multinationalen Stabilisierungstruppe die Kontrolle über einen von drei Sektoren in Irak übernehmen. US-Präsident George W. Bush will sich laut Staatschef Aleksander Kwasniewski zudem Ende Mai höchstpersönlich nach Krakau bemühen, um den Polen für ihre Solidarität zu danken.

Das Land hatte die USA im Irak-Krieg unterstützt und rund 200 Soldaten entsandt, von denen rund 50 auch an Kampfhandlungen beteiligt waren. Polnische Einheiten sollen nun nach polnischen Medienberichten den nördlichen der drei Sektoren kontrollieren, in die Irak nach US-Plänen aufgeteilt werden soll.

Nach Angaben von Aussenminister Wlodzimierz Cimoszewicz sollen die ersten Verbände der Stabilisierungstruppe bis Ende Mai in Irak eintreffen. In die "polnische Zone" könnten laut Kwasniewski auch ukrainische, slowakische und rumänische Soldaten entsandt werden.

Enge Zusammenarbeit

Seit Ende der Kampfhandlungen in Irak arbeitet Polen bei der Abstimmung über die Zukunft Iraks eng mit den USA, Grossbritannien und weiteren Staaten der "Koalition der Willigen" zusammen.

Bei einem Planungstreffen am Mittwoch in London fiel die Entscheidung über die Aufteilung Iraks in drei Sektoren und die Entsendung einer multinationalen Stabilisierungstruppe. Nach einem zweiten Planungstreffen diese Woche in London empfängt Warschau seine Verbündeten am 22. Mai zu einem dritten Treffen.

Polen, dessen Wirtschaft weiter auf den Aufschwung wartet, macht keinen Hehl daraus, dass es auf eine kräftige Finanzspritze seiner Alliierten setzt, um seine neuen Aufgaben in Irak bewältigen zu können. Allerdings setzt Warschau mit seiner pro-amerikanischen Haltung auch auf Vorteile für die eigene Wirtschaft.

Zahlreiche polnische Unternehmen versprechen sich Gewinn bringende Aufträge beim Wiederaufbau Iraks und stehen bereits bei US-Firmen Schlange.

Teure Solidarität

Die Solidarität mit den USA ist aber möglicherweise teuer erkauft: Der polnische Präsident wird seinen künftigen EU-Partnern beim deutsch-französisch-polnischen Gipfel am Freitag in Breslau einiges erklären müssen.

Dann nämlich empfängt Kwasniewski den deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder und den französischen Staatschef Jacques Chirac im Rahmen des so genannten Weimarer Dreiecks.

Mit seiner vorbehaltlosen Unterstützung der USA und deren Kriegskurs hatte Polen die beiden grössten EU-Staaten und entschiedenen Kriegsgegner Deutschland und insbesondere Frankreich vor den Kopf gestossen.

Unmut in der Europäischen Union löste Warschau auch mit der Entscheidung aus, seine Luftwaffe mit F-16-Kampfjets des US-Herstellers Lockheed-Martin auszustatten und der europäischen Konkurrenz eine Abfuhr zu erteilen. In der EU wurden deshalb Vorwürfe laut, Warschau habe das Herz in Europa und die Brieftasche in den Vereinigten Staaten.

(Maja Czarnecka/afp)

 
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