Populisten und Islamisten

publiziert: Sonntag, 19. Feb 2006 / 08:33 Uhr

3 Meldungen im Zusammenhang
Roberto Calderoli, die rechte Hand des italienischen Separatisten-Papstes Umberto Bossi, ist als Reformminister Italiens zurückgetreten. Er hatte den Posten übernommen, nachdem Bossi am Tag, an dem islamistische Terroristen in Spanien einige Züge in die Luft gesprengt hatten, eine Herzattacke erlitten hatte. Er musste ihn räumen, weil er ein T-Shirt mit den Mohammed-Karikaturen trug und damit Unruhen und Tote zu verantworten hat.

Bossi ist mittlerweile wieder auf den Beinen, ist aber nicht mehr der gleiche wie früher. Er hat keinen «Harten» mehr, wie er in vergangenen, nostalgischen Zeiten zu sagen pflegte. Er und seine Kumpanen der Lega Nord sind bekannt dafür, Probleme mit harten Massnahmen aus dem Land schaffen zu wollen.

Auch Calderoli ist so ein Haudegen. Sexualverbrecher würde er am liebsten chemisch kastrieren, auf Mörder – vor allem wenn es ausländische sind – setzt er gerne ein Kopfgeld aus. Nach den Londoner Bomben letztes Jahr wollte er den allgemeinen Kriegszustand ausrufen. So selbstbewusst wie er ist, erschien er am Mittwoch in einer fünfminütigen Sendung im italienischen Staatsfernsehen RAI, die nach der Haupttagesschau ausgestrahlt wird.

Er öffnete dort sein Hemd und zeigte, dass er ein T-Shirt mit dem Aufdruck der Mohammed-Karikaturen trug. Es stehe für Demokratie, kolportierte er. Belustigt sagte er seinem Interviewer, Ministerpräsident Silvio Berlusconi hätte ihn tags zuvor zum Rücktritt aufgefordert. Mit einigen Tagen Verspätung folgte er dann doch dieser Empfehlung.

Wegen der Sendung, beziehungsweise wegen den Aussagen oder Handlungen von Calderoli darin, starben in Libyen diese Woche elf Menschen. Gemäss Angaben des italienischen Konsulats in Tripolis gab es fast vierzig Verletzte. Der Karikaturen-Streit hat schon viele Opfer gefordert, aber dieses knappe Dutzend steht für die Dummheit populistischer Politiker. Welcher rational denkende Mensch würde heute schon nur daran denken, im Staatsfernsehen zu behaupten, ein T-Shirt mit den Mohammed-Karikaturen zu tragen. Wer hat das Ding überhaupt gedruckt?

Man würde es verstehen, wenn Kinder oder Jugendliche so ein Shirt tragen würden. Von einem Regierungsminister erwartet man etwas mehr Grips. Dieser Vorfall reflektiert sehr gut die Unüberlegtheit gewisser populistischer Hardliner. Mit Parolen und Ausrufen versuchen sie die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und ernten damit wenigstens aus den eigenen Reihen Applaus. Bossi sagte beispielsweise vor einigen Jahren, er würde am liebsten mit Kanonen auf Schiffe mit illegalen Einwanderern schiessen.

Solche Aussagen sind nicht wirklich diplomatisch. Sie sind die Früchte extremistischen und menschenfeindlichen Denkens. Wer jetzt einen Vergleich zwischen extremistischen Islamisten und extremistischen Populisten zieht, hat nicht Unrecht. Beide vertreten geistig verwandte Gedankenschulen, ohne jeglichen Respekt für die Würde von anderen Menschen. Wohin sie führen, wissen wir.

(Maurizio Minetti /news.ch)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
Bern - Die Räte werden in dieser ... mehr lesen
Der Streit um die Mohammed-Karikaturen findet nicht Einzug in die Räte.
Tripolis - Der italienische ... mehr lesen
Roberto Calderoli posierte mit einer der umstrittenen Mohammed-Karikaturen.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 22
Das Kloster Fischingen aus der Luft.
Das Kloster Fischingen aus der Luft.
Eingebettet in die sanfte Hügellandschaft des Thurgaus, thront das Hotel Kloster Fischingen majestätisch auf einem Hügel. Wo einst Mönche ihre Psalmen sangen, empfängt heute ein modernes Hotel Gäste aus aller Welt. mehr lesen 
Bis zum 07.01.2024  Wie aus vielen Magiern drei Könige wurden und warum sie für die Weihnachtsgeschichte so ... mehr lesen  
Anbetung der Könige, Darstellung um 1500, als die Kolonialisierung Amerikas und Afrikas Fahrt aufnimmt. Altargemälde, Kirche St. Peter und Paul, Zug, um 1493.
Fotografie Fotoausstellung über Lagos, Religion und Lotterie  Das Photoforum Pasquart präsentiert in Zusammenarbeit mit der Fondation Taurus und den Bieler Fototagen die Ausstellung «Give us this Day» des nigerianischen Fotografen Anthony Ayodele Obayomi, Gewinner des Taurus Prize for Visual Arts 2019. mehr lesen  
Den Besuchern wurden neben den Ausstellungen auch Ateliers, Erzählungen und Kalligraphie-Kurse geboten.
In La Chaux-de-Fonds  La Chaux-de-Fonds - Das Museum für Kulturen des Islam in La Chaux-de-Fonds NE ist am Wochenende eröffnet worden. Den Besuchern ... mehr lesen  
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 4°C 9°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Schneeregenschauer freundlich
Basel 4°C 11°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wechselnd bewölkt
St. Gallen 3°C 5°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Schneeregenschauer freundlich
Bern 3°C 9°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt
Luzern 6°C 9°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
Genf 2°C 11°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
Lugano 6°C 10°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen trüb und nass
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten