«Zwarte Piet»-Tradition in der Niederlande behindert
Protestler stören Nikolaus-Ankunft in Gouda
publiziert: Sonntag, 16. Nov 2014 / 11:16 Uhr
Auf der Prozession in Gouda wurden der Nikolaus und seine Helfer bei ihrer rituellen Ankunft in einem mit Geschenke beladenen Schiff aus Spanien begrüsst. (Symbolbild)
Auf der Prozession in Gouda wurden der Nikolaus und seine Helfer bei ihrer rituellen Ankunft in einem mit Geschenke beladenen Schiff aus Spanien begrüsst. (Symbolbild)

Gouda - Eine seit Monaten schwelende Rassismusdebatte überschattet das Nikolausfest in den Niederlanden: Bei der Nikolaus-Prozession in der Stadt Gouda wurden am Samstag nach Polizeiangaben 90 Gegner und Anhänger des «Zwarte Piet» festgenommen.

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Der schwarz geschminkte Helfer des niederländischen Nikolaus gilt Kritikern als Symbol kolonialer Stereotype, während Traditionalisten nichts Anstössiges an der Figur finden können.

Die Wogen schlugen besonders hoch, weil den Niederländern das Nikolausfest wichtiger ist als Weihnachten. Auf der Prozession in Gouda wurden der Nikolaus und seine Helfer bei ihrer rituellen Ankunft in einem mit Geschenke beladenen Schiff aus Spanien begrüsst.

Als die Darsteller in ihren Kostümen auf einem Balkon erschienen, kam es auf dem Hauptplatz zu kleineren Rangeleien zwischen Anhängern und Gegnern des «Zwarte Piet». Die Gegner hatten ein Banner entrollt, das den Teilnehmern der Prozession «Rassismus» vorwarf.

Bei 60 der Festgenommenen handelte es sich laut der Polizeisprecherin Yvette Verboon um Gegner des Helfers von Sinterklaas. Sie hätten an nicht genehmigten Orten demonstriert und müssten mit einer Busse von 220 Euro rechnen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Wouter Bos.

Die anderen 30 Festgenommenen, zumeist Anhänger des Schwarzen Peters, müssten sich wegen «Störung der öffentlichen Ordnung» verantworten.

«Bösartige Atmosphäre»

Ministerpräsident Mark Rutte nannte die Zwischenfälle «zutiefst traurig». «Jeder darf über die Farbe des Zwarte Piet reden, doch keiner darf ein Kinderfest derartig stören», sagte er.

Goudas Bürgermeister Milo Schoenmaker bezeichnete die Atmosphäre während der Zusammenstösse als «bösartig». Er kritisierte laut der Nachrichtenagentur ANP, dass «Erwachsene von ausserhalb der Stadt meinten, mitten unter den Kindern demonstrieren zu müssen».

Der Nikolaus kommt nach der Legende stets Mitte November mit einem Schiff aus Spanien in die Niederlande, um den Kindern Geschenke zu bringen. Doch die Debatte um seine Begleiter mit den schwarzgeschminkten Gesichtern, roten Lippen und Afro-Perücken spaltet seit Monaten das Land.

Erbe des Kolonialismus?

Rassismus-Kritiker sehen hierin ein abzulehnendes Erbe der kolonialen Vergangenheit der Niederlande. Fürsprecher des «Zwarten Piet» sagen dagegen, dieser sei nur schwarz vom Russ, weil er beim Ausliefern der Geschenke durch den Kamin klettere.

Der Ankunft des Nikolaus in Gouda wohnten wie jedes Jahr tausende Menschen bei, darunter viele Kinder. Die Stadt zog dabei ihre Konsequenzen aus der Debatte: Erstmals wurde der Nikolaus nicht nur vom Schwarzen Peter begleitet, sondern auch vom Käsepeter mit gelb angemaltem Gesicht und vom Stroopwafel-Peter, dessen Gesicht das gleiche hellbraune Muster zierte wie die beliebten Sirupwaffeln.

(asu/sda)

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