RAF bleibt deutsches Trauma
publiziert: Sonntag, 2. Sep 2007 / 09:16 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 13. Okt 2011 / 09:08 Uhr

Berlin - Vor 30 Jahren, am 5. September 1977, ist der deutsche Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer durch die Rote Armee Fraktion (RAF) entführt und ermordet worden. Auch heute lässt der Schrecken des «Deutschen Herbstes» das Land nicht los.

Hanns-Martin Schleyer in dem Videofilm, den die RAF von ihrem Gefangenen aufzeichnete.
Hanns-Martin Schleyer in dem Videofilm, den die RAF von ihrem Gefangenen aufzeichnete.
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Hanns Martin Schleyer verlässt am Nachmittag sein Büro in Köln und lässt sich von seinem Chauffeur nach Hause fahren. Dahinter folgen drei Personenschützer in einem zivilen Polizeiwagen. Um 17.25 Uhr, kurz vor dem Ziel, fährt plötzlich ein Auto von rechts auf die Fahrbahn. Von links rollt ein blauer Kinderwagen herbei.

Schleyers Fahrer bremst hart, der zweite Wagen kann nicht mehr stoppen und fährt auf. Die RAF-Terroristen eröffnen das Feuer aus Sturmgewehren, der unbewaffnete Chauffeur und die drei Polizisten sterben im Kugelhagel. Der unverletzte Schleyer wird aus dem Auto gezerrt, die Täter brausen mit ihm in einem VW-Bus davon.

Weiterhin Kontroversen um RAF

Die Entführung und Ermordung Schleyers, die Geiselnahme an Bord der Lufthansa-Maschine «Landshut» und der Selbstmord von drei in Stammheim einsitzenden RAF-Terroristen waren der traumatische Höhepunkt einer Terrorwelle, deren Folgen auch 30 Jahre später noch spürbar sind. Die Gründe dafür sind vielfältig. Der islamistische Terror, die Entführung von Deutschen im Irak und in Afghanistan und die verschärften Sicherheitsmassnahmen in Deutschland legen Vergleiche mit der damaligen Bedrohung nahe. Auch steht die RAF 2007 selbst wieder im Blickpunkt und entfacht neue Kontroversen.

Die früheren Terroristinnen Brigitte Mohnhaupt, Organisatorin der Schleyer-Entführung, und Eva Haule haben ihre Haftstrafen verbüsst und sind wieder auf Bewährung in Freiheit. Das Gnadengesuch von Christian Klar lehnte Bundespräsident Horst Köhler indes ab. Gleichzeitig rufen neu entdeckte Tonbandmitschnitte aus den Stammheim-Prozessen und die erstmals veröffentlichte Begründung der Urteile die damaligen Fronten zwischen dem Staat und seinen erbitterten Gegnern wieder in Erinnerung.

Viele Fragen bleiben offen

Und auch drei Jahrzehnte später bleiben viele Fragen offen: Wer erschoss Generalbundesanwalt Siegfried Buback, das erste RAF-Mordopfer des Jahres 1977, wer feuerte die tödlichen Schüsse auf Schleyer? Auch die Anschläge der dritten Generation der RAF - die Morde an Deutsche-Bank-Vorstandssprecher Alfred Herrhausen und Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder 1989 und 1991 - wurden nie aufgeklärt.

Die RAF löste sich laut Mitteilung ihrer bis heute unbekannten letzten Mitglieder 1998 auf. Viele ehemalige Terroristen führen nach verbüsster Haft wieder ein normales Leben - ein Umstand, der im Fall der heute in Bremen als Lehrerin arbeitenden Susanne Albrecht sogar als Thema für den Landtagswahlkampf ausgeschlachtet wurde.

Boock als Talkshow-Gast

Das frühere RAF-Mitglied Peter-Jürgen Boock präsentiert als Talkshow-Gast seine Version des «Deutschen Herbstes», die meisten seiner früheren Komplizen jedoch scheuen die Öffentlichkeit. Sie äusserten sich zwar hier und dort nachdenklich, zu einem aufrichtigen Bedauern der Mordtaten hat sich die RAF aber nie durchgerungen.

Strafrechtlich mag dies ohne Bedeutung sein, wohl aber für die andauernde Debatte über den «Deutschen Herbst» und seine Nachwirkungen.

(Von Alexander Missal, dpa/sda)

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