Rad: Kübler und Koblet - Die Goldenen Jahre des Schweizer Radsports

publiziert: Dienstag, 1. Jul 2003 / 10:07 Uhr

In der 100-jährigen Geschichte gab es zwei Schweizer, welche die Tour de France als Sieger beendeten: Ferdi Kübler 1950, Hugo Koblet im Jahr darauf. Sie lösten mit ihren Erfolgen - nicht nur in der Tour - einen Sturm der Begeisterung aus.

Ferdi Kübler (l) erfreut sich immer noch bester Gesundheit: Hier beim Golfen.
Ferdi Kübler (l) erfreut sich immer noch bester Gesundheit: Hier beim Golfen.
Als erster Ausländer hatte Hugo Koblet 1950 den Giro d´Italia gewonnen und kurz darauf auch in der Tour de Suisse triumphiert. Trotz der grossen Rivalität rechnete Ferdi Kübler nicht unbedingt damit, dass er sich in der Tour de France revanchieren könnte.

Die Beteiligung war ausserordentlich gut. Hinter Gino Bartali, Jean Robic, Louison Bobet, Stan Ockers und Fiorenzo Magni rangierte der Zürcher bei den Vorhersagen erst an sechster Stelle.

Der Trick mit dem Seidentrikot

Sportlicher Leiter bei beiden Schweizer Tour-Triumphen war Alex Burtin. Bei seiner Premiere 1950 musste der Romand die neun Helfer Küblers erst einmal davon überzeugen, dass Prämien und Preisgelder auf die ganze Mannschaft verteilt und innert nützlicher Frist ausgehändigt würden.

Dann hatte sich Burtin auch mit dem Reglement und der Tour-Direktion auseinanderzusetzen, weil Ferdi Kübler für das erste grosse Zeitfahren (6. Etappe, Dinard - St. Brieuc, 78 km) ein Seidentrikot hatte herstellen lassen. Die Funktionäre liessen es mit einer Zeitstrafe von 15 Sekunden bewenden.

Zum Eklat kam es in den Pyrenäen. Nachdem im Vorjahr die Franzosen beim Abstecher ins Aostatal nicht eben freundlich behandelt worden waren, wallte der Volkszorn im Aufstieg zum Col d´Aspin auf, nachdem die Franzosen Bobet und Robic sowie Bartali gestürzt waren.

In der Folge wurden Bartali und seine italienischen Landsleute beschimpft und teilweise tätlich angegangen. Bartali siegte zwar in St. Gaudens und Fiorenzo Magni schlüpfte ins Maillot jaune.

Doch trotz Diskussionen bis weit nach Mitternacht liessen sich die Italiener zu einem Verbleiben in der Tour nicht überreden. Sie traten die Heimreise an.

Meisterstück im Zeitfahren

Neuer Gesamterster wurde so Kübler, der sich indessen weigerte, sofort das Maillot jaune zu tragen. Er wollte es sich im Rennen verdienen. Bei sengender Hitze siegte "Ferdi national" in Menton.

Sein Meisterstück lieferte der einstige Bäckerei-Ausläufer am drittletzten Tag im schweren Zeitfahren Saint-Etienne - Lyon (98 km). Es hätte Stan Ockers die letzte Gelegenheit geboten, den Gesamtersten noch zu beunruhigen. Das Gegenteil trat ein.

Kübler liess den Belgier um 5:34 Minuten hinter sich und konnte die Triumphfahrt nach Paris fortsetzen.

"Ich glaubte zu träumen. Der warmherzige Empfang der französischen Zuschauer entlang der schönen Strassen hat in meiner Erinnerung den Platz des schönsten Sieges eingenommen.

Und der Wirbel in Paris! Diesen Empfang werde ich niemals vergessen", vertraute Ferdi Küblers damals den Reportern der Fachzeitung "L´Equipe" an.

Elf Jahre nach seinem Lehrmeister Paul Egli hatte Ferdi Kübler schon 1947 erste Bekanntschaft mit dem Maillot jaune geschlossen. Er besiegte in der Startetappe (Paris - Lille, 236 km) seinen Fluchtgefährten François Mahé (Fr) im Spurt. Anderntags erhielt Kübler zwischen Lille und Brüssel (182 km) Besuch vom Hammermann: 14 Minuten Rückstand.

In Besançon, am Schluss der 5. Etappe, hiess der Sieger nochmals Kübler. Bei seiner zweiten Tour-Teilnahme 1949 festigte der Zürcher seinen Ruf als generöser, aber auch nervöser Fahrer, dem die Konstanz abging.

Ferdi Kübler feierte noch weitere Etappensiege. 1954 stand er zusammen mit Hugo Koblet an der Spitze einer schlagkräftigen Schweizer Mannschaft. In den Pyrenäen büsste Kübler eine Viertelstunde ein, Koblet stürzte am Aubisque dreimal und gab später wegen seinen Hüftverletzungen auf. Mit 15:34 Minuten Rückstand auf Louison Bobet erreichte Ferdi Kübler den 2. Schlussrang.

Le pédaleur de charme

"Wenn er so weiterfährt, verkaufe ich mein Rennvelo!" So lautete der Kommentar von Raphaël Géminiani nach der beeindruckenden Vorstellung Hugo Koblets 1951 zwischen Brive-la-Gaillard und Agen.

135 km fuhr er in der Brutofenhitze alleine voraus. Alle Champions der damaligen Zeit - Fausto Coppi, Louison Bobet, Jean Robic, Raphaël Géminiani, Gino Bartali, Stan Ockers, usw. - beteiligten sich an der Verfolgung. Ohne Erfolg. Sie wiesen im Ziel einen Rückstand von 2:35 Minuten auf.

Im Verlaufe der knapp 4700 km liess Hugo Koblet nur einmal eine leichte Schwäche erkennen: im Aufstieg zum Mont Ventoux. Ansonsten dominierte der Stilist die Rundfahrt.

Fünf Etappensiege - darunter die Erfolge in den beiden Zeitfahren - sprechen eine deutliche Sprache. Nicht nur mit seiner Fahrweise eroberte Koblet die Herzen. Er war stets umgänglich mit den Zuschauern, sein Griff zum Kamm im Ziel, um seine Frisur herzurichten, war legendär.

Der Chansonnier Jacques Grello verlieh dem Schweizer den Übernamen "pédaleur de charme". Die Zeitung "L´Equipe" titelte: "Hugo Koblet wie eine Möwe über dem Meer." Im gleichen Jahr gewann Ferdi Kübler in Varese (It) den Strassen-WM-Titel.

"Ferdi national" erfreut sich im Alter von 84 Jahren noch immer bester Gesundheit. Hugo Koblet prallte am 2. November 1964 mit seinem Auto in der Nähe von Esslingen ZH aus ungeklärten Gründen gegen einen Baum und starb vier Tage später im Spital Uster an den Folgen der Verletzungen.

Schweizer auf dem Tour-Podium

1. Ferdi Kübler 1950 1. Hugo Koblet 1951 2. Ferdi Kübler 1954 2. Tony Rominger 1993 2. Alex Zülle 1995 2. Alex Zülle 1999 3. Leo Amberg 1937 3. Fritz Schär 1954 3. Urs Zimmermann 1986

Schweizer im Maillot jaune

Ferdi Kübler 12 Tage (1 Tag 1947 und 11 Tage 1950) Hugo Koblet 11 Tage (1951) Erich Mächler 7 Tage (1987) Fritz Schär 6 Tage (1953) Alex Zülle 4 Tage (1 Tag 1992 und 3 Tage 1996) Rubens Bertogliati 2 Tage (2002) Paul Egli 1 Tag (1936) Giovanni Rossi 1 Tag (1951)

(bsk/Si)

 
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