Polizei geht in Berlin gegen Betreiber vor
Razzia in Edel-Puff der Hells Angels
publiziert: Donnerstag, 14. Apr 2016 / 16:59 Uhr

Berlin - Jeden Tag rauschen hunderttausende auf der Berliner Autobahn ahnungslos am grössten Bordell der Stadt vorbei. In der Nacht zum Donnerstag ging die Berliner Polizei nun in einer Gross-Razzia gegen den Saunaclub «Artemis» und die Zuhälter aus der Hells-Angels-Szene vor.

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In enger Zusammenarbeit mit Polizei, Hauptzollamt und Steuerfahndung gelang der Berliner Staatsanwaltschaft ein Coup. Die Betreiber des über die Stadt hinaus bekannten Bordells hatten sich bislang als Beweis dafür präsentiert, dass käuflicher Sex mit der Menschenwürde sowie mit Recht und Gesetz vereinbar sei.

Nun scheint klar, dass nicht wenige der im «Artemis» arbeitenden Frauen doch Zuhälter hatten - Männer aus der Berliner Hells-Angels-Szene, die die zumeist aus Osteuropa und islamischen Ländern stammenden Frauen den Bordellbetreibern «direkt zuführten», wie Staatsanwalt Sjors Kampstra sagte. Niemand solle glauben, dass die Rocker nicht auch Gewalt anwendeten, um die Frauen unter Druck zu setzen.

Angestossen wurden die Ermittlungen demnach im vergangenen Sommer, als sich eine Prostituierte an die Behörden wandte. Ihr Lebensgefährte und Hells-Angels-Mitglied habe sie derart «schwer malträtiert», dass die Frau über den Alltag im Riesenbordell ausgepackt habe.

Staatsanwalt: Maximal ausgebeutet

Angeblich ist das «Artemis» ein Dienstleister für selbstständig arbeitende Prostituierte, die gegen feste Beträge die Räumlichkeiten nutzen dürfen. Nun erfuhren die Fahnder aber, dass die Frauen nur zum Schein selbstständig arbeiteten. Ihnen würden nicht nur Arbeitszeiten vorgegeben, sondern auch Preise und Sexualpraktiken diktiert. Die Frauen würden wie Angestellte behandelt und «maximal ausgebeutet», sagte Kampstra.

Über 900 Beamte wurden in einer gemeinsamen Aktion für den Mittwochabend mobilisiert. Polizisten, Zoll- und Steuerfahnder trafen bei der Festnahme der zwei Betreiber und von vier Hausdamen nicht nur 118 Prostituierte an, sondern auch mehr als hundert Freier. Die noch in der Nacht vernommenen 96 Prostituierten räumten demnach die Zustände im «Artemis» zum grossen Teil ein.

Auch in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen

Zeitgleich wurden sechs Etablissements in Berlin sowie sechs weitere in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen durchsucht - Wohnungen genauso wie Steuerbüros. Die Polizei beschlagnahmte Wertgegenstände wie Autos und Immobilien sowie eine hohe sechsstellige Summe in bar - Gesamtwert 6,4 Millionen Euro. Wertgegenstände und Geld könnten später dazu dienen, Schaden zu begleichen.

Allein der Rentenversicherungsträger sei «nach vorsichtigen Schätzungen um 17,5 Millionen Euro betrogen worden», sagte Michael Kulus vom Berliner Hauptzollamt. Hinzu kommt der Vorwurf der Steuerhinterziehung.

Die Staatsanwälte betonten, dass es sich keinesfalls um Bagatelldelikte handle. Vielmehr hätten die Verstösse ein «System der gewalttätigen und illegalen Prostitution»« gestützt, um die Frauen in Abhängigkeit zu halten.

Menschenhandel und Zuhälterei

Die verhafteten Hausdamen hätten das enge Regelsystem im Alltag durchgesetzt, hiess es weiter. Es wird deshalb auch wegen Menschenhandels und Zuhälterei ermittelt.

Über die festgenommenen Betreiber sagte Kampstra: »Sie sind nicht die, die sich die Hände schmutzig machen - sie verwalten die Kriminalität und setzen sie um.«

Für die Schmutzarbeit gab es demnach unter anderem die Hells Angels, deren Mitglieder freien Eintritt erhielten, wenn sie im »Artemis« ihre Lebensgefährtinnen und deren Kolleginnen aufsuchten.

(bert/sda)

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