Realität gegen Cheney - Vorteil: Realität
publiziert: Donnerstag, 10. Jul 2008 / 11:38 Uhr / aktualisiert: Samstag, 12. Jul 2008 / 10:38 Uhr

10 Meldungen im Zusammenhang
Man wartet schon lange darauf, doch bisher haben sich alle Hinweise, dass es bald soweit sein könnte, als falsch erwiesen. Der US-Angriff auf den Iran fand bisher nicht statt. Und dass, obwohl im Nahen Osten momentan ein kaum zuvor gesehenes Display militärischen Imponiergehabes abgezogen wird.

Israel demonstriert in Manövern Angriffe auf offenbar stark befestigte Ziele und muss gar nicht erst sagen, dass es sich dabei im Ernstfall um iranische Nuklearanlagen handeln würde. Teheran seinerseits lässt bei den jährlichen Sommermanövern Mittelstreckenraketen aufsteigen, die angeblich (aber weithin angezweifelt) bis Israel fliegen können.

Dazu kommen noch fast tägliche Statements von allen Seiten, dass man a) keine Option vom Tisch nähme (USA), b) für einen das Atomprogramm nicht diskutierbar sei (Iran), c) die notwendigen Schritte unternähme, wenn die internationale Staatengemeinschaft nichts mache, um den Iran zu stoppen (Israel).

Um das Ganze noch zu garnieren, fliegen die wildesten Gerüchte durch das Internet. Speziell jenes, dass die Bush-Regierung, im Falle eines demokratischen Sieges bei den Wahlen im November, in den Wochen bis zur Amtsübergabe an Obama im Januar, noch schnell einen Angriff auf den Iran starten werde, um vollendete Tatsachen zu schaffen, ist einerseits ziemlich irr und andererseits – betrachtet man die Politik von Bush's Truppe bis anhin – doch von einer erschreckenden Logik.

Diese Welle von Mutmassung und Unsicherheit, Drohung und versprochener Vergeltung allein hat den Ölpreis pro Barrell bereits um gute 35$ in die Höhe getrieben. Ein Angriff würde sofort einen Preis pro Barrel von 200$ nach sich ziehen, womöglich sogar das Doppelte, wenn der Iran die Strasse von Hormus verminen und Ölfelder in benachbarten Ländern mit Raketen attackieren würde.

Dies ist ein Teil der Realität, die in der frühen Regierungszeit Bush's gerne ignoriert oder sogar als beliebig formbar (laut einer Aussage von Präsidentenberater Rove) betrachtet wurde. Die USA sind am Limit ihrer militärischen Kapazität angelangt (es fehlen Truppen für Afghanistan), die Truppen im Irak könnten nicht für einen Schlag gegen den Irak herangezogen werden und der Erfolg eines solchen Unterfangens wäre sehr zweifelhaft – nicht zuletzt wegen der unkalkulierbaren Folgen.

In der Bush-Regierung selbst scheint ein grosser Wandel stattgefunden zu haben, seit Donald Rumsfeld als Verteidigungsminister abgetreten und durch Robert Gates ersetzt worden ist. Gates ist ein Realpolitiker und er scheint es geschafft zu haben, die irren Krieger um Vizepräsident Dick Cheney herum zu isolieren.

Nach dem jüngsten Deal mit Nordkorea verglich der Ex-Uno-Botschafter John Bolton – ein Cheney-Mann reinsten Wassers – dass dies wie ein Geschäft mit der Mafia gewesen sei. Und Cheney habe, als Nordkorea von der schwarzen Liste der Terror-Staaten gestrichen wurde, empört eine Sitzung mit dem US-Aussenministerium verlassen.

Iran ist nun der letzte Kampfplatz für die Bush-Administration. Auf der einen Seite die durch die Realität – die sich als erstaunlich Robust erwies – in die Defensive gedrängten Hardliner um Dick Cheney. Auf der anderen Seite die Realisten um Robert Gates und Condoleeza Rice, die in letzter Zeit mehr Gewicht bekommen haben. Die Frage ist nun einfach: Wird Cheney noch ein letztes mal seinen Finger an den Abzug bekommen, wird er in einer letzten, verzweifelten Aktion es schaffen, seinen Traum zu erfüllen und den Iran anzugreifen?

Momentan sieht es nicht danach aus. Doch man kann nie allzu sicher sein. Denn nicht nur Cheney ist scharf auf einen solchen Krieg – auch islamistische Terroristen fürchten nichts so sehr, wie eine langsame Befriedung der Region und ein einziger erfolgreicher Anschlag könnte ausreichen, Cheneys Hardlinern genügend Stoff zu geben, um doch noch los zu schlagen.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
CNN-News Wenn Sie diesen Text zu lesen, hat Barack Obama wahrscheinlich bereits ... mehr lesen
Candy Crowley, CNN Politik-Expertin und US-Wahlkampf Spezialistin.
Die satirisch gemeinte Karikatur dürfte Barack Obama wenig helfen.
New York - Der Wahlkampfstab ... mehr lesen 1
Washington - Der demokratische ... mehr lesen
50 Prozent der ehemaligen Hillary Clinton-Unterstützer meinen, Obama habe um des politischen Vorteils willen wichtige Ansichten geändert.
Starke Worte von Mahmud Ahmadinedschad.
Teheran - Der Iran hat seine ... mehr lesen
Teheran - Der Iran erwartet im ... mehr lesen
Manuchehr Mottaki gibt sich gelassen.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Es gibt Rätsel um die jüngsten iranischen Raketentests. (Archivbild)
Washington - Rätsel um die jüngsten iranischen Raketentests: Ein von den iranischen Revolutionsgarden stammendes weltweit verbreitetes Foto vom Test am Mittwoch soll nach Meinung von ... mehr lesen
Teheran - Die iranischen ... mehr lesen
Die Reichweite der Schahab-3-Rakete geht bis nach Israel.
Am besten sofort löschen.
Vancouver - E-Mails, die einen ... mehr lesen
Prag - Im Streit um die US-Raketenabwehrpläne in Osteuropa hat Russland den Ton ... mehr lesen 46
Russlands UN-Botschafter relativierte die Aussagen des Kremls.
Washington - Iran sieht im Atomstreit mit der Staatengemeinschaft ein deutlich verbessertes Klima für Verhandlungen. Aussenminister Manuchehr Mottaki sprach am Sonntag in einem Interview des Senders CNN von einem «neuen Umfeld» für Gespräche mit dem UNO-Vetomächten und Deutschland. mehr lesen 
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
«Hier hätte ich noch eine Resistenz - gern geschehen!» Schematische Darstellung, wie ein Bakerium einen Plasmidring weiter gibt.
«Hier hätte ich noch eine ...
In den USA ist bei einer Frau mit Harnwegsinfektion zum ersten mal ein Bakterium aufgetaucht, das gegen das letzte Reserve-Antibiotikum resistent ist. Wer Angst vor ISIS hat, sollte sich überlegen, ob er seinen Paranoia-Focus nicht neu einstellen will. Denn das hier ist jenseits aller im Alltag sonst verklickerten Gefahren anzusiedeln. mehr lesen 4
Durch ungeschickte Avancen von SBB- und Post-Chefs, droht die Service-Public-Initiative tatsächlich angenommen zu werden. Von bürgerlicher Seite her solle laut einem Geheimplan daher ein volksnaher ... mehr lesen
Künftig mindestens 500'000.-- und die ganze Schweiz inklusive: SwissPass, der schon bald mal GACH heissen könnte.
Urversion von IBM's Supercomputer WATSON: Basis für 'ROSS'... und unsere zukünftigen Regierungen?
Eine renommierte US-Kanzlei stellt einen neuen Anwalt Namens Ross ein. Die Aufgabe: Teil des Insolvenz-Teams zu sein und sich durch Millionen Seiten Unternehmensrecht kämpfen. Und nein, ROSS ist kein armes Schwein, sondern ein ... mehr lesen  
In letzter Zeit wurden aus Terrorangst zwei Flüge in den USA aufgehalten. Dies, weil Passagiere sich vor Mitreisenden wegen deren 'verdächtigen' Verhaltens bedroht fühlten. Die Bedrohungen: Differentialgleichungen und ein ... mehr lesen
Sicherheitskontrolle in US-Airport: 95% Versagen, 100% nervig.
Typisch Schweiz Der Bernina Express Natürlich gibt es schnellere Bahnverbindungen in den Süden, aber wohl ...
Welche Modelle sagen mir zu?
Shopping Online Shop für Fitness - was bekommt man alles? Ein Fitness Online Shop bietet einem einfach alles, was das Herz begehrt. Heute ist es nicht selten, dass sich immer mehr Menschen in dem Bereich Fitness ...
Erstaunliche Pfingstrose.
Jürg Zentner gegen den Rest der Welt.
Jürg Zentner
Frauenrechtlerin Ada Wright in London, 1910: Alles könnte anders sein, aber nichts ändert sich.
Regula Stämpfli seziert jeden Mittwoch das politische und gesell- schaftliche Geschehen.
Regula Stämpfli
«Hier hätte ich noch eine Resistenz - gern geschehen!» Schematische Darstellung, wie ein Bakerium einen Plasmidring weiter gibt.
Patrik Etschmayers exklusive Kolumne mit bissiger Note.
Patrik Etschmayers
Obama in Hanoi mit der Präsidentin der Nationalversammlung, Nguyen Thi Kim Ngan auf einer Besichtigungstour: Willkommenes Gegengewicht zu China.
Peter Achten zu aktuellen Geschehnissen in China und Ostasien.
Peter Achten
Recep Tayyp Erdogan: Liefert Anstoss, Strafgesetzbücher zu entschlacken.
Skeptischer Blick auf organisierte und nicht organisierte Mythen.
Freidenker
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute So Mo
Zürich -2°C 3°C wolkig, wenig Schneeleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
Basel 0°C 4°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt
St. Gallen -2°C 1°C wolkig, wenig Schneeleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
Bern -5°C 3°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
Luzern -2°C 3°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
Genf -1°C 5°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
Lugano 0°C 11°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten