Riesen-Kühlschrank unter Juraweiden

publiziert: Montag, 9. Aug 2004 / 15:56 Uhr

Neuenburg - Abstecher in eine frostige Unterwelt: Ewiges Eis liegt nicht nur in den Alpen; unter den Hügelzügen des Juras verstecken sich unterirdische Gletscher. Mit rund 6000 m³ Eismasse ist die Höhle von Monlési im Neuenburger Jura die grösste "glacière".

Die "glacière" wird eines Tages verschwinden, wenn die Sommer so mild bleiben.
Die "glacière" wird eines Tages verschwinden, wenn die Sommer so mild bleiben.
Der Einstieg liegt inmitten eines lichten Tannenwaldes auf rund 1100 Metern über Meer. Nichts deutet an diesem drückend heissen Sommertag darauf hin, dass wenige Meter unter unseren Füssen Eis liegt. Einziger Hinweis: am Grund einer kreisrunden und rund 20 Meter tiefen Senke liegt Schnee.

Ein steiler Pfad samt Leiter führen zum Höhleneingang. Für neugierige Wanderer ist hier Schluss.

Forscher Marc Lütscher vom Schweizerischen Institut für Speläologie und Karstforschung montiert die Steigeisen und setzt den Helm samt Stirnlampe auf. In gebücktem Gang geht es hinein in die null Grad kalte Unterwelt.

Bizarre Eisgebilde

Wir betreten eine Eisfläche, die bis zu zwölf Metern dick ist. "Glacières" heissen die Jura-Eishöhlen in Abgrenzung zu den Alpengletschern (glaciers). Die bis zu 13 Meter hohe, 40 Meter lange und 20 Meter breite Monlési-Höhle ist fast mit Eis ausgefüllt.

Teile der Höhle sind nur durch Abseilen erreichbar.

Wo Wasser durch die Ritzen der Kalkdecke tropft, bilden sich bizarre Eisgebilde. Weiter vorne hat eindringendes Wasser hingegen ein mühlenförmiges Loch ins Eis geschmolzen.

Im fast zwei Meter tiefen Loch lassen sich die verschiedenen Eis-Schichten erkennen. Über 50 Schichten hat Lütscher in der Monlési-Höhle gezählt.

Da nicht jedes Jahr eine neue Eis-Schicht entsteht, geht der Forscher von einem Eis-Alter von ungefähr 100 Jahren aus. In anderen Höhlen wurden im Eis eingeschlossene Holzstücke entdeckt, die mehr als 1000 Jahre alt sind. Genährt werden die meisten "glacières" durch Schnee, der sich im Winter in den Schächten ansammelt.

Klimawandel spürbar

Ab April setzt ein Schmelzprozess ein, bei dem der Schnee in Eis umgewandelt wird. Zudem nährt sich die Eismasse durch gefrierendes Sickerwasser. Weniger als heisse Sommer setzen den "glacières" deshalb milde und trockene Winter zu, wie sie seit Ende der 80-er Jahre immer häufiger auftreten.

"Geht diese Tendenz weiter, werden die glacières eines Tages verschwinden", prognostiziert Marc Lütscher, der an einer Dissertation zum Phänomen der Eishöhlen im Jura arbeitet. Für seine Forschungsarbeit hat Lütscher diverse Messgeräte installiert. Sie liefern Daten zu Temperaturen und zur Menge des Sickerwassers, um die Energiebilanz der Höhle zu bestimmen.

Kühlelemente für Hausgebrauch

Die Eishöhlen im Jura sind der lokalen Bevölkerung seit Jahrhunderten bekannt. Monlési wird in Aufzeichnungen erstmals 1545 erwähnt. Lütscher hält es für wahrscheinlich, dass zwischen 1850 und 1915 Eis aus den Höhlen abgebaut wurde, um die Keller von Bauernhöfen sowie Molkereien zu kühlen.

Nicht belegen lässt sich aber die Legende, wonach Eisblöcke aus dem Jura via Eisenbahn bis nach Paris transportiert wurden. Dieses Gerücht wird kolportiert, seit Gymnasiasten in den 1950er-Jahren in einer Matura-Arbeit eine entsprechende Aussage eines Zeitzeugen protokollierten. Nachforschungen in Archiven blieben aber bis jetzt ohne Resultat.

(Von Theodora Peter/sda)

 
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