Roger Federers Goldtraum jäh geplatzt

publiziert: Donnerstag, 14. Aug 2008 / 15:26 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 14. Aug 2008 / 20:53 Uhr

Die Goldträume von Roger Federer hätten nicht abrupter platzen können. Im Viertelfinal unterlag der topgesetzte Baselbieter James Blake, den er vorher in acht Duellen stets bezwungen hatte, nach einer erschreckend uninspirierten Leistung 4:6, 6:7 (2:7).

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Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Und Hoffnung war bis zuletzt erlaubt, weil Roger Federer sich irgendwie bis ins Tiebreak rettete, schon oft solche Partien noch gedreht hatte und nicht zuletzt mit einer Head-to-Head-Bilanz von 8:0 ins Spiel gestiegen war.

Doch diesmal nützte auch ein «Crash-Kurs in mentalem Positivismus» nichts. Blake gewann das Tiebreak ohne jegliche Probleme 7:2 und konnte so den hoch verdienten Halbfinal-Einzug vollenden.

Federer verliess den Centre Court nach einem kurzen Winken zu den gschockten Fans hängenden Kopfes, im Wissen, eine goldene Chance auf eine Medaille verpasst zu haben, was angesichts des Halbfinalgegners Fernando Gonzalez noch schlimmer wiegt. Für ihn war es die wohl zweitletzte Chance auf Gold; den vermutlich letzten Anlauf wird er in vier Jahren auf dem geliebten Rasen von Wimbledon nehmen.

Negative Körpersprache

Die Partie hatten wegen erneut starker Regenfälle mit dreieinhalb Stunden Verspätung begonnen. Federer schien die Wartezeit nicht gut getan zu haben. Von Anfang an war er gegenüber den guten Darbietungen vom Vorabend im Einzel und Doppel nicht wiederzuerkennen.

Er war oft zu spät am Ball, begann früh mit sich zu hadern und hatte auch eine negative Körpersprache -- vom bis in die Haarspitzen motivierten Federer des Vortages war nichts zu sehen.

Ganz anders Blake. Der 28-Jährige, der in den vorherigen acht Vergleichen nur einen Satz gewonnen hatte und den erst noch vor seinen fanatischen Heimfans am US Open, war wild entschlossen, die Chance beim Schopf zu packen, und riskierte vor allem mit den Returns enorm viel.

Federer konnte die Partie zwar bis zum 4:4 ausgeglichen gestalten, obwohl er mit Ausnahme von einem Game jedesmal Probleme beim Service hatte -- das fünfte Servicegame war dann eines zu viel, und Blake gewann den Satz.

Die erhoffte Reaktion blieb vorerst aus, und Blake ging erneut 3:0 in Führung. So schnell wollte Federer seinen olympischen Traum aber doch nicht aufgeben und kam auf 3:3 zurück. Die nächsten drei Servicegames konnte er alle nach 15:30-Rückstand noch drehen und so wenigstens die Kurzentscheidung erreichen.

Ursachenforschung

Auch die Statistik lässt keine Zweifel über Federers Leistung aufkommen. 14 Winner stehen 56 unerzwungenen Fehlern gegenüber, und mit einem Verhältnis von 1:4 lässt sich kein Spiel gewinnen, schon gar nicht gegen einen Widersacher vom Kaliber Blakes. Allein im ersten Satz beging er 30 solcher Fehler, genau drei pro Game.

Der Amerikaner war in der Ursachenforschung gewohnt ausführlich: «Ich hoffe, es hat auch mit mir zu tun, dass Federer nicht sein bestes Tennis spielte. Es stimmt, er hat die Punkte viel weniger gut abgeschlossen als sonst. Er ist auch nur menschlich -- auch wenn er in der Vergangenheit manchmal spielte wie ein Ausserirdischer. Ich hatte schon tonnenweise solcher Tage. Das kann viele Ursachen haben: Ich hatte schlecht geschlafen, habe mich schlecht bewegt, hatte einen Streit mit meiner Freundin, habe im Hinterkopf an etwas anderes gedacht oder was weiss ich.»

Bittere Niederlage

Federer hat in diesem Jahr zwar schon etliche Niederlagen kassiert, diese schmerzt aber speziell, weil es in einem Turnier passierte, das ihm enorm am Herzen liegt -- und ihn zudem definitiv mit Zweifeln nach New York reisen lässt. Am US Open, das er in den letzten vier Jahren stets für sich entschieden hat, bekommt er die letzte Gelegenheit, seine -- gemessen an seinen unglaublichen Standards -- dürftige Saison zu retten.

In New York wird er erstmals seit langem aus einer ungewohnten Position antreten. Nach 237 Wochen verliert er am Montag im Ranking die Nummer 1 an Rafael Nadal.

Doppel unterbrochen

Die Chance auf eine Medaille hat sich Federer allerdings zumindest vorerst erhalten: Im Doppel-Viertelfinal, den er zweieinhalb Stunden später in Angriff nahm, als die Uhren in Peking schon 0.45 Uhr anzeigten, führt er an der Seite von Stanislas Wawrinka nach einem guten Start 4:1 gegen die Inder Mahesh Bhupathi/Leander Paes. Die Partie wurde um 01.22 Uhr Lokalzeit abgebrochen und wird am Freitag um 16 Uhr (10 Uhr Schweizer Zeit) wieder aufgenommen.

Tennis. Männer. Einzel:
Viertelfinals. James Blake (USA/8) s. Roger Federer (Sz/1) 6:4, 7:6 (7:2). Rafael Nadal (Sp/2) s. Jürgen Melzer (Ö) 6:0, 6:4. Novak Djokovic (Ser/3) s. gael Monfils (Fr) 4:6, 6:1, 6:4. Fernando Gonzalez (Chile/12) s. Paul-Henri Mathieu (Fr) 6:4, 6:4. -- Halbfinal-Tableau: Blake (8) - Gonzalez (12), Djokovic (3) - Nadal (2).

Frauen. Einze:
Viertelfinals: Jelena Dementiewa (Russ/5) s. Serena Williams (USA/4) 3:6, 6:4, 6:3. Li Na (China) s. Venus Williams (USA/7) 7:5, 7:5. Vera Swonarewa (Russ/9) s. Sybille Bammer (Ö) 6:3, 3:6, 6:3. -- Halbfinal-Tableau: Swonarewa (9) - Dementiewa (5), Li - Safina (6)/Jankovic (2).

Männer. Doppel:
Viertelfinals: Bob Bryan/Mike Bryan (USA/1) s. Chris Guccione/Lleyton Hewitt (Au) 6:4, 6:3. Arnaud Clément/Michael Llodra (Fr) s. Igor Andrejew/Nikolai Dawydenko (Russ/8) 6:2, 6:7 (4:7), 6:4. Simon Aspelin/Thomas Johansson (Sd) s. Mariusz Fyrestenberg/Marcin Matkowski (Pol) 7:6 (7:5), 6:4. -- Unterbrochen: Roger Federer/Stanislas Wawrinka (Sz/4) - Mahesh Bhupathi/Leander Paes (Ind/7) 4:1.

(Von Marco Keller/Si)

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Roger Federer an der Pressekonferenz.
Bin ganz traurig
Lieber Roger
Du hast mir so viel schöne Stunden gebracht. Wie oft habe gezittert – deine speziellen zweiten Sätze – und am Ende gingst du doch meist als Sieger vom Platz!
Schöner als du hat noch keiner Tennis gespielt. Schade, einen Olympiasieg hätte ich dir noch gegönnt. Tröste dich, man kann im Leben nicht alles haben. Ich vermute mal, dass das Pfeiffersche Drüsenfieber dir doch mehr in die Knochen gefahren ist, als du denkst, denn seit dieser Erkrankung warst du nie mehr ganz der alte. Trotzdem freue ich mich auf jedes nächste Spiel! Egal wie’s ausgeht, du spielst einfach göttlich.
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