Schmerzhafter Weg

Roman «Schaum»: Im falschen Körper geboren

publiziert: Montag, 2. Sep 2013 / 09:13 Uhr
Die Autorin Joanna-Yulia Kluge erzählt die Lebensgeschichte einer Frau, die biologisch männlich zur Welt kam.(Symbolbild)
Die Autorin Joanna-Yulia Kluge erzählt die Lebensgeschichte einer Frau, die biologisch männlich zur Welt kam.(Symbolbild)

Berlin - «Schaum» ist die berührende Geschichte der jungen Belle, die im falschen Körper zur Welt gekommen ist und einen langen, schmerzhaften Weg gehen musste, um zu ihrer wahren Identität zu gelangen.

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Das ergreifende Buch ist kürzlich im Berliner Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag erschienen. pressetext sprach mit der Autorin Joanna-Yulia Kluge (25) über die sehr emotionale Geschichte der Isabelle Frey.

«Jeder Mensch hat seine Geschichte und dieser Roman ist ein Appell an die Menschlichkeit. Das ist die ganz klare Botschaft», so Kluge. «Es geht um eine Frau, die nicht frei leben und lieben kann.» Mit dem Buch will Kluge Mut machen, aus sich herauszugehen, ehrlich zu sich selbst zu sein und zu seiner eigenen Wahrheit zu finden - selbst dann, wenn dieser Weg sehr schmerzhaft und steinig ist.

Ehrlich heiklem Thema widmen

«Im Buch geht es um die Lebensgeschichte der jungen Robin, die mit männlichen Geschlechtsmerkmalen - also mit XY-Chromosomen zur Welt kam. Durch die Toleranz ihrer in der Oberstufe kennengelernten Freundin gewinnt Robin an Mut, die Mauern ihres körperlichen Gefängnises zu überwinden - was allerdings Opfer mit sich bringt.» Hänseleien sowie verständnislose Eltern sind, neben dem grossen Hass gegenüber ihrem männlichen Körper, schwere Bürden, die nicht immer leicht zu ertragen sind.

«Die Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten und spricht auch jene Punkte an, über die wir in unserer Gesellschaft nicht sprechen», meint die Autorin. «Ich beschloss einen Roman zu schreiben, aus einem Fundus an Erinnerungen und Gefühlen. Dass ich mich dadurch auch noch einmal mit meinem eigenen Leben und dem Weg, den ich zurückgelegt hatte, auseinandersetzen musste, empfand ich schon fast als Therapie gegen eine meiner grössten Ängste: Nämlich, dass meine Biologie und meine Geburt über alles andere, mein Wesen, meine Kunst, mein Denken und mein Handeln gestellt wird», erzählt Kluge.

Das Verlassen auf sich selbst

«Die Geschichte hat sehr viel mit Selbstakzeptanz zu tun», erklärt Kluge. Es gehe um das eigene Leuchten - und das sei nur möglich, wenn man in der Lage ist, die Brücke zu sich selbst zu bauen. So gesehen sei diese Geschichte ein Aufruf dazu, die Ehrlichkeit zu sich selbst zu finden und danach zu handeln - auch wenn die Schmerzen gross seien.

Kluge beschreibt die Ängste und Sorgen ihrer Protagonistin sehr genau. Sie geht sehr ehrlich mit der Thematik um, scheut nicht davor zurück, die Dinge beim Namen zu nennen und Licht in die Dunkelheit zu bringen. «Ich schaue, höre oder lese sehr gerne Werke, die durch Authentizität und Aussagekraft mitreissen. Bei dieser Geschichte trat dieses Gefühl des 'etwas Auslösens' das erste Mal in einem meiner Arbeiten ein.»

Metamorphose zur Freiheit und Liebe

«Ich schrieb 'Schaum' mit 23 Jahren und hatte von Anfang an eine moderne Analogie von Hans Christian Andersens Märchen der kleinen Meerjungfrau im Kopf - natürlich ohne zauberhafte Märchenelemente, weshalb ich über die Metamorphose eines Mädchens schrieb, das in einem Jungenkörper geboren wurde und ich mich in der Rohfassung des Skriptes auch eng an das Märchengerippe hielt», erklärt die Autorin.

Im Roman geht es - ähnlich wie in diesem Märchen - um den Versuch, durch die Metamorphose Freiheit und Liebe zu erlangen. «Zudem birgt das Wort 'Schaum' in der deutschen Sprache viele Ableitungen und damit Stimmungsbilder, die das Geschehen der Geschichte unterstreichen.» Dass Frey es als erste Heldin tatsächlich in die Bücherregale geschafft hat, macht sie nach eigenen Angaben sehr glücklich.

(bg/pte)

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