36 Syrier finden Zuflucht

Schweiz nimmt syrische Flüchtlinge auf

publiziert: Mittwoch, 19. Sep 2012 / 11:47 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 19. Sep 2012 / 17:29 Uhr
Schweiz nimmt Flüchtlingskontingent aus Syrien auf.
Schweiz nimmt Flüchtlingskontingent aus Syrien auf.

Bern - Bundesrätin Simonetta Sommaruga gewährt 36 Flüchtlingen aus Syrien Zuflucht in der Schweiz. Die Mitglieder des Familienverbands sind in mehreren Gruppen eingereist, die letzten von ihnen sind am Mittwoch in Genf gelandet. Sie werden im Kanton Bern untergebracht.

5 Meldungen im Zusammenhang
Die 17 Erwachsenen und 19 Kinder, die zu mehreren untereinander verwandten Familien gehören, hatten schon letztes Jahr im Libanon Zuflucht vor dem Bürgerkrieg im Heimatland gesucht. Sie wurden vom UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) als besonders gefährdet eingestuft, wie Gaby Szöllösy, Sprecherin des Bundesamts für Migration (BFM)sagte.

Sommaruga wartete auf Anfrage

Aus diesem Grund richtete die UNO-Organisation eine Anfrage um Aufnahme - so genannte Neuansiedlung - an die Schweiz. Sie stiess bei Justizministerin Simonetta Sommaruga auf offene Ohren: Die Bundesrätin hatte wiederholt Bereitschaft signalisiert, Kontingentsflüchtlinge aus Syrien aufzunehmen.

Als Justizministerin kann Sommaruga in eigener Kompetenz über die Aufnahme von Gruppen von weniger als 100 Personen entscheiden. Die Bewilligung von grösseren Kontingenten fällt in die Zuständigkeit des Gesamtbundesrats.

Als Flüchtlinge anerkannt

Sommaruga fällte ihren Entscheid im schon April, nachdem die Schweizer Behörden die notwendigen Abklärungen durchgeführt hatten. Das BFM prüft in solchen Fällen die Lebenssituation der Flüchtlinge im Aufenthaltsland, deren voraussichtliche Integrationsfähigkeiten sowie allfällige Verbindungen zur Schweiz.

Andere Stellen klärten eine mögliche Gefährdung der inneren Sicherheit der Schweiz ab. Die lange Zeitspanne bis zur Einreise der Flüchtlinge erklärt Szöllösy mit Aus- und Einreiseformalitäten und der Organisation von Reisepapieren. Ein Asylverfahren dagegen erübrigt sich.

Das UNHCR schlägt für Neuansiedlungs-Programme nur Personen vor, deren Status als Flüchtlinge es bereits anerkannt hat. Unmittelbar nach ihrer Ankunft werden die Syrerinnen und Syrer auch von der Schweiz als Flüchtlinge anerkannt.

Nach Angaben des BFM erhalten sie eine Aufenthaltsbewilligung im Kanton Bern. Dort werden sie zunächst in einem Durchgangszentrum untergebracht, wo sie betreut werden und auch Deutsch- und Integrationskurse besuchen. Weitere Angaben wollte das BFM nicht machen. Auch die zuständigen Stellen des Kantons verwiesen auf den Schutz der Privatsphäre der Syrerinnen und Syrer.

Abklärung für weitere Gruppe

Die Gruppe ist das erste grössere Flüchtlingskontingent, das die Schweiz seit der Sistierung der Kontingentspolitik im Jahr 1995 aufnimmt. Dabei soll es aber nicht bleiben: Das UNHCR hat bereits um die Aufnahme von weiteren rund 40 Personen ersucht. Diese befinden sich noch in Syrien. Laut BFM-Sprecherin Szöllösy läuft derzeit die Überprüfung durch die verschiedenen Bundesbehörden.

Um eine formelle Wiederaufnahme der Kontingentspolitik handelt es sich bei Sommarugas humanitärer Aktion indes nicht. Ab 1950 hat die Schweiz in diesem Rahmen zehntausenden von Menschen Zuflucht gewährt, bevor die Praxis 1995 sistiert und 1998 formell eingestellt wurde. Seither wurden nur noch sporadisch kleinere Flüchtlingsgruppen aufgenommen.

SFH: Neue Kontingentspolitik

Die Schweizerische Flüchtlingshilfe hofft nun, dass wieder mehr Kontinuität in die Kontingentspolitik kommt. Generalsekretär Beat Meiner fordert, dass im Bundesbudget ein fixer Betrag eingestellt wird, der entweder für die Neuansiedlung oder für die Unterstützung des UNHCR vor Ort verwendet werden kann. «Kontingentspolitik darf nicht ständig hinterfragt werden, sondern muss ein fester Bestandteil der Asylaussenpolitik werden», sagte er.

Bei den Parteien kommt die Aufnahme der syrischen Grossfamilie unterschiedlich an. Während die SP die «unbürokratische Aufnahme» lobt und auch weitere Kontingente gutheissen würde, spricht die SVP von einem «Skandal». Die drei Milliarden Franken, die jährlich in die Auslandhilfe investiert würden, müssten für die Hilfe vor Ort ausreichen, schreibt die Partei in einer Mitteilung.

Bei der Hilfe vor Ort liegt auch die Priorität des UNHCR, wie Susin Park, Leiterin des Schweizer UNHCR-Büros, sagte. Plätze für eine so genannte Neuansiedlung sucht die UNO-Organisation nur für Personen, die in einem Erstasylland besonders gefährdet sind. Inzwischen sind rund 265'000 Menschen vor dem Bürgerkrieg aus Syrien geflohen.

(bg/sda)

xxxFORUMHINWEISxxx
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Bern - Bundesrätin Sommaruga nimmt die Zahl von 850 Visa für Angehörige von in ... mehr lesen
Bundesrätin Simonetta Sommaruga
Schweizer Aussenpolitiker machen sich Gedanken, wie die Schweiz der syrischen Zivilbevölkerung helfen könnte.  (Archivbild)
Bern - Während sich die Lage in Syrien zuspitzt, machen sich Schweizer Aussenpolitiker Gedanken, wie die Schweiz der syrischen Zivilbevölkerung helfen könnte. Sie können ... mehr lesen
Bern - Der Bundesrat will künftig ... mehr lesen
Bundesrat will wieder grössere Flüchtlingsgruppen aufnehmen(Symbolbild)
SVP-Bundesrat Ueli Maurer sagte es gebe Ressourcen für die Aufnahme von Asylbewerbern.
Bern - Angesichts der dramatischen Lage in Syrien prüft der Bund die Aufnahme von Kontingentsflüchtlingen. Der Bundesrat müsse rasch handeln, fordert die Flüchtlingshilfe. Für die ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 
Wie Menschen altern, hängt von Gesundheitszustand und Umgebung ab.
Wie Menschen altern, hängt von Gesundheitszustand ...
Publinews Für viele ältere Menschen gibt es keine schlimmere Vorstellung, als den Lebensabend in einer Einrichtung zu verbringen. Wer keine Verwandtschaft hat, kommt hier oft nicht herum. Anders sieht es aus, wenn Angehörige die Pflege übernehmen können und dazu auch bereit sind. Aber ist das die einzige Option? Was noch möglich ist, hängt vom Gesundheitszustand ab und teilweise auch vom Geld. mehr lesen  
Publinews Mit dem demographischen Wandel nehmen die Anforderungen an das Wohnen in unserer Gesellschaft zu. Viele ältere Menschen ... mehr lesen  
Der Austausch zwischen den Generationen hat nachweislich positive Auswirkungen auf das körperliche und seelische Wohlbefinden.
Die häusliche Betreuung und Pflege bietet Senioren die Möglichkeit, selbstbestimmt in vertrauter Umgebung zu leben, während Angehörige entlastet werden.
Publinews Die Betreuung und Pflege im eigenen Zuhause ist eine beliebte Option für Senioren und ihre Angehörigen. Diese Form der Pflege ... mehr lesen  
Publinews Angesichts der stetig steigenden Immobilienpreise und der sinkenden Wohneigentumsquote in ... mehr lesen  
Besonders vielversprechend sind Wohnprojekte, bei denen gemeinnütziges Wohneigentum mit Mietwohnungen kombiniert wird.
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Der Remoteserver hat einen Fehler zurückgegeben: (500) Interner Serverfehler.
Source: http://www.news.ch/ajax/top5.aspx?ID=0&col=COL_3_1
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich 18°C 24°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich sonnig
Basel 18°C 25°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig sonnig
St. Gallen 17°C 22°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt sonnig
Bern 18°C 24°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich sonnig
Luzern 19°C 24°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich sonnig
Genf 19°C 26°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig sonnig
Lugano 22°C 30°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten