Schweizer Banken zeigen sich kooperativ - US-Forderungen kosten Millionen
publiziert: Donnerstag, 29. Mai 2003 / 13:22 Uhr

Bern - Zahlreiche Schweizer Banken haben für den US-Fiskus einen Teil des Schleiers über den Konten ihrer Kunden aufgehoben. Um Aktienbesitze zu besteuern, wurden Zwischenhändler eingeführt, damit die Anonymität der Kunden nach wie vor garantiert ist. Die Forderungen Washingtons verursachten für Schweizer Banken Kosten in Millionenhöhe.

Georg F. Krayer: Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung.
Georg F. Krayer: Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung.
Seit Anfang 2001 müssen alle Banken über den so genannten Status des "qualifizierten Zwischenhändlers" (qualified intermediary QI) verfügen, wenn sie auch weiterhin die Anonymität ihrer US-Kunden garantieren wollen, die ab ihren Schweizer Konten in US-Aktienwerte investieren.

Dieser Status bescheinigt, dass die QI-Banken oder -Vermögensverwalter die Herkunft der von ihnen verwalteten Kundenvermögen genau kennen. Damit entgehen sie der Verpflichtung, die Identität der Anleger, die Aktien an US-Gesellschaften halten, dem US-Fiskus offen zu legen.

Auf der andern Seite müssen die QI-Banken auf den Einkommen aus dem Aktienbesitz eine Quellensteuer erheben.

Der Satz dieser Steuer richtet sich nach den Bestimmungen am Wohnsitz des Anlegers. Diesen Betrag muss die Bank dem US-Fiskus, dem Internal Revenue Service (IRS), überweisen. Laut dem QI-Status kann der Kunde zudem seine Bank ermächtigen, Informationen an den US-Fiskus weiterzuleiten.

Berge von Formularen

Ein QI-Label zu erlangen ist allerdings alles andere als eine reine Formsache. "Wir haben Berge von Formularen ausfüllen und uns einem ziemlich mühsamen Prozedere aussetzen müssen", erklärte Ricardo Payro, Sprecher der Genfer Privatbank Syz & Co, der Nachrichtenagentur sda.

Praktisch alle Schweizer Handelsbanken - die Grossbanken UBS und CSG an der Spitze -, aber auch Vermögensverwaltungsgesellschaften sowie Kantons- und Regionalbanken hätten sich um ein QI-Label bemüht, versichert der Sprecher der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg), Thomas Sutter.

Sutter räumt gleichzeitig ein, dass sie kaum eine andere Wahl gehabt hätten. Die Definition des US-Steuerzahlers durch den IRS sei sehr breit gefasst.

Neben den eigentlichen US-Bürgern gelten auch Doppelbürger und Langzeitaufenthalter, wie etwa die Inhaber einer sogenannten "green card", als US-Steuerpflichtige. Insbesondere unter den "green cards" befänden sich zahlreiche Schweizer, hält Sutter fest.

Hohe Investitionen

Um den Forderungen des US-Fiskus gerecht zu werden, mussten die QI-Banken Dutzende von Millionen aufwenden. Nach Schätzungen Sutters sind es über 100 Mio. Fr. gewesen. Insbesondere die Anpassungen im Informatikbereich hätten viel Geld verschlungen.

Der Status einer QI-Bank wird jeweils für sechs Jahre verliehen. Der IRS verlangt zudem, dass die Qualifikation der QI-Banken in regelmässigen Abständen von unabhängigen Experten geprüft wird, und dies auf Kosten der betroffenen Bank.

Allerdings seien nicht alle QI-Geldinstitute diesen regelmässigen Kontrollen unterstellt, hält Edouard Cuendet, stellvertretender Generalsekretär der Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers, in diesem Zusammenhang fest. Unterhalb einer bestimmten Einkommenslimite könnten die Banken verlangen, von diesen Kontrollen befreit zu werden, so Cuendet.

"Ferner ist vorgesehen, dass diese Audit-Berichte vor der Weiterleitung an den ISR mit den Bankverantwortlichen besprochen werden können. Mögliche Irrtümer können so auf einfache Weise bereinigt werden", sagte Cuendet weiter.

(Philippe Gumy/sda)

 
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