Schweizer Hoffnungen in der 71. Tour de Suisse

publiziert: Freitag, 15. Jun 2007 / 21:23 Uhr

Für die am Samstag in Olten beginnende 71. Tour de Suisse ist ein Dutzend Siegesanwärter auszumachen. Die Schweizer Hoffnungen ruhen vor allem auf Beat Zberg. Die offene Ausgangslage verheisst ein spannendes Rennen über 1255 km und 20'433 Höhenmeter.

Teampräsentation Geroldsteiner mit den Schweizern Markus und Beat Zberg (zweiter und dritter von links).
Teampräsentation Geroldsteiner mit den Schweizern Markus und Beat Zberg (zweiter und dritter von links).
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Im Prologzeitfahren in Olten hoffen die Veranstalter auf einen Sieg von Weltmeister Fabian Cancellara. Damit wäre ihre Rundfahrt so richtig lanciert. Der Berner hatte sich schon vor vier Jahren in Egerkingen ins erste Leadertrikot der Tour de Suisse einkleiden lassen.

Dass sich die Organisatoren acht Tage später in Bern über einen Schweizer Gesamtsieger freuen dürfen, ist dagegen eher unwahrscheinlich. Von den 14 einheimischen Pedaltretern im 168 Fahrer zählenden Feld ist vor allem Beat Zberg eine gute Schlussklassierung zuzutrauen. Der Urner hat im Team Gerolsteiner zu Beginn freie Hand, weil Stefan Schumacher -- auf ihn wäre diese Tour de Suisse zugeschnitten -- zwischen seinen Saisonhöhepunkten April-Klassiker und Tour de France bestenfalls auf Etappensiege ausgehen will.

«Beat hat schon mehrfach bewiesen, dass ihm die Tour de Suisse gut liegt. Ich unterstütze ihn gerne», sagte der Deutsche. Sein bestes Resultat erreichte Zberg vor acht Jahren als Zweiter hinter Stefano Garzelli (It). Der letzte Schweizer Gesamtsieger war vor fünf Jahren Alex Zülle im Herbst seiner Karriere.

Sofern er gut über die Steigungen kommt, darf auch von Martin Elmiger eine gute Schlussklassierung erwartet werden. Erfolge der Schweizer Profis wären auch deshalb wertvoll, weil sie in der ProTour noch keinen einzigen Punkt holten. Damit wächst das Risiko, dass die Schweiz an der Strassen-WM vom September in Stuttgart wie ein radsportliches Entwicklungsland nur drei Vertreter stellen darf.

Die Tour vor Augen

Ein Teil der Aspiranten auf die Teilnahme an der Tour de France bereitet sich im Dauphiné Libéré auf den bedeutendsten Radsport-Anlass vor. Der andere Teil versucht, sich auf den Schweizer Strassen den Feinschliff zu holen. In der Theorie müssten ein Andreas Klöden, ein Matthias Kessler, ein Waldimir Karpez, ein Carlos Sastre, Fränk Schleck oder Jaroslaw Popowitsch in der Lage sein, diese Tour de Suise zu gewinnen.

Ob sie allerdings drei Wochen vor dem Auftakt zum grossen Spektakel bereit sind, schon jetzt auf ein Gesamtklassement zu fahren, ist vorderhand eine offene Frage. Es ist nicht auszuschliessen, dass sie sich lediglich in der einen oder anderen Bergetappe zu einem Formtest aufraffen.

Das Gleiche gilt für Michael Rogers. Doch der Australier hat in der Tour de Suisse noch eine Rechnung offen. Vor zwei Jahren beeindruckte der frühere Zeitfahren-Weltmeister mit seinen Kletterqualitäten. Am Schlusstag musste er aber am letzten Pass, der Furka, den Gesamtsieg Aitor Gonzales (Sp) überlassen. Nun sinnt der Australier vielleicht auf Revanche: «Ich will eine Etappe gewinnen und im Gesamtklassement gut abschneiden.»

Den Giro hinter sich

«Gibt es heute noch Stars?» antwortete Tour-Direktor Armin Meier bei der Präsentation des Teilnehmerfeldes auf die Frage, ob seitens des Veranstalters Anstrengungen unternommen wurden, zugkräftige Profis in die Schweiz zu holen. Unverhofft kommt nun doch eine grosse Nummer: Damiano Cunego, Giro-Sieger von 2004.

Der Jungstar soll seine gute Verfassung nach der diesjährigen Italien-Rundfahrt nutzen, um in der Tour de Suisse nach dem Gesamtsieg zu greifen. Der gleiche Beweggrund bringt auch Gilberto Simoni in unser Land. Damit ist auch klar, dass sich die beiden Italiener -- wie auch ihre anderen beiden, im Giro erfolgreichen Landsleute Riccardo Ricco und Leonardo Piepoli -- im Juli Ferien gönnen. Auch der Giro-Erste Danilo Di Luca macht keinen Hehl daraus, dass er für die Tour de France wenig Begeisterung aufbringt.

Kürzeste TdS seit 1967

Mit der Gesamtdistanz von 1255 km ist diese Tour de Suisse die kürzeste seit 1967. Von der Streckenführung her sie allerdings als anspruchsvoll einzustufen. Die Ankunft in Nauders kann zwar noch als Aufgalopp bezeichnet werden, auch wenn die Fahrer dann schon den Flüela-Pass hinter sich haben. Die Bergankünfte in Triesenberg/Malbun, Crans-Montana und auf dem Grimsel-Pass -- nach der Überquerung von Furka und Susten -- werden die Spreu vom Weizen trennen.

Mit dem Zeitfahren am Schlusstag in Bern über 33 km bleibt die Spannung bis am Ende der Rundfahrt erhalten. Cunego und Simoni als nicht überaus starke Athleten in Prüfungen gegen den Sekundenzeiger müssten sich vorher ein ausreichendes Zeitpolster schaffen, um ihre Giro-Form in einen Triumph in der Tour de Suisse umzusetzen.

So war es letztes Jahr

Schlussklassement: 1. Jan Ullrich (De) 38:21:36. 2. Koldo Gil (Sp) 0:24. 3. Jörg Jaksche (De) 1:03. 4. Angel Vicioso (Sp) 1:44. 5. Janez Brajkovic (Sln) 2:33. 6. Fränk Schleck (Lux) 2:56. 7. Linus Gerdemann (De) 3:31. 8. Enrico Caruso (It) 4:20. 9. Wladimir Karpez (Russ) 4:27. 10. Cadel Evans (Au) 5:01. -- Die Schweizer: 23. Steve Zampieri 12:22. 31. Martin Elmiger 26:08. 37. Oliver Zaugg 33:00. 43. Alexandre Moos 38:13. 47. Gregory Rast 42:19. 52. Michael Albasini 45:49. 53. Beat Zberg 46:05. 66. Hubert Schwab 1:02:07. 67. Sven Montgomery 1:03:15. 71. Markus Zberg 1:10:09. 77. David Loosli 1:16:04. 94. Fabian Cancellara 1:36:01. -- 109 klassiert.

Der Streckenplan - 1255,6 km von Olten nach Bern

Samstag, 16. Juni. 1. Etappe, Prologzeitfahren in Olten (3,8 km, 15.28 - 18.40 Uhr).

Sonntag, 17. Juni. 2. Etappe, Olten - Luzern (157,2 km, 13.37 - 17.19 Uhr). -- Olten (13.37) - Gunzgen (13.49) - Boningen (13.56) - Olten (14.06) - Aarau (14.24) - Wildegg (14.37) - Mellingen (14.50) - Bremgarten (15.04) - Wohlen (15.13) - Beromünster (15.37) - Sursee (15.57) - Wolhusen (16.33) - Rengg (16.53, Bergpreis 3. Kat.) - Malters (17.02) - Kriens (17.13) - Luzern-Allmend (17.19).

Montag, 18. Juni. 3. Etappe, Brunnen - Nauders (Ö, 228,7 km, 11.13 - 17.10 Uhr). -- Brunnen (11.13) - Schwyz (11.22) - Rothenthurm (11.46) - Pfäffikon SZ (12.03) - Reichenburg (12.30) - Näfels (12.46) - Kerenzerberg (13.01) - Walenstadt (13.23) - Sargans (13.41) - Küblis (14.33) - Klosters (14.50) - Davos (15.16) - Flüela-Pass (15.47, Bergpreis hors catégorie) - Scuol (16.28) - Martina (16.52) - Norbertshöhe (17.08, Bergpreis 3. Kat.) - Nauders (17.10).

Dienstag, 19. Juni. 4. Etappe, Nauders (Ö) - Triesenberg/Malbun (167,2 km, 13.14 - 17.17 Uhr). -- Nauders (13.14) - Landeck (14.20) - St. Anton (15.00) - Arlberg (15.16, Bergpreis 2. Kat.) - Klösterle (15.24) - Feldkirch (16.21) - Schaanwald (16.26) - Vaduz (16.39) - Triesenberg (16.54) - Malbun (17.17).

Mittwoch, 20. Juni. 5. Etappe, Vaduz - Giubiasco (192,8 km, 12.42 - 17.16 Uhr). -- Vaduz (12.42) - St. Luzisteig (13.06) - Landquart (13.16) - Chur (13.31) - Flims (14.15, Bergpreis 3. Kat.) - Trun (14.48) - Disentis (15.06) - Lukmanier-Pass (15.41, Bergpreis 1. Kat.) - Olivone (16.01) - Biasca (16.28) - Bellinzona (17.00) - Giubiasco (17.16).

Donnerstag, 21. Juni. 6. Etappe, Giubiasco - Crans/Montana (190,8 km, 12.10 - 17.12 Uhr). -- Bellinzona (12.10) - Lodrino (12.34) - Bodio (12.51) - Faido (13.16) - Airolo (13.45) - Nufenen-Pass (14.36, Bergpreis hors catégorie) - Münster (14.55) - Fiesch (15.14) - Brig-Glis (15.36) - Siders (16.28) - Granges-Gare (16.40) - Crans-Montana (17.12, Bergpreis 2. Kat.).

Freitag, 22. Juni. 7. Etappe, Ulrichen - Grimsel-Pass (125,7 km, 13.45 - 17.16 Uhr). -- Ulrichen (13.45) - Gletsch (14.09) - Furka-Pass (14.34, Bergpreis hors catégore) - Andermatt (14.55) - Wassen (15.06) - Sustenpass (15.51, Bergpreis hors catégorie) - Gadmen (16.06) - Innertkirchen (16.19) - Guttannen (16.36) - Grimselpass (17.16, Bergpreis 1. Kat.).

Samstag, 23. Juni. 8. Etappe, Innertkirchen - Schwarzsee (152,5 km, 13.32 - 17.13 Uhr). -- Innertkirchen (13.32) - Meiringen (13.42) - Brienz (14.00) - Interlaken (14.24) - Spiez (14.49) - Burgistein (15.27) - Schwarzenburg (15.50) - Freiburg (16.27) - Weissenstein (16.52, Bergpreis 4. Kat.) - Plaffeien (17.00) - Schwarzsee (17.13, Bergpreis 3. Kat.).

Sonntag, 24. Juni. 9. Etappe, Einzelzeitfahren in Bern (33,7 km, 13.48 - 17.00 Uhr). -- Bern - Bolligen - Hub - Boll - Deisswil - Ostermundigen - Bern.

(smw/Si)

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