«Schweizer fanden die richtige Einstellung»

publiziert: Sonntag, 26. Feb 2006 / 16:01 Uhr

14 Medaillen, davon 5 goldene, dazu 24 olympische Diplome: Werner Augsburger, nach den Sommerspielen 2004 in Athen zum zweiten Mal Schweizer Chef de Mission, kann mit dem an den Spielen in Turin Erreichten zufrieden sein.

Werner Augsburger: «Die Medaille von Martina Schild war eine Überraschung für mich.»
Werner Augsburger: «Die Medaille von Martina Schild war eine Überraschung für mich.»
Peter A. Frei unterhielt sich in Sestriere mit dem Walliser am Schlusstag der Spiele.

Werner Augsburger, es gab für die Schweiz 14 Medaillen statt acht, wie von Ihnen angekündigt. Warum?

Normalerweise bekommt man eins auf den Deckel, wenn man das Budget überzieht. Aber das hier ist eine Ausnahme. Das Kompliment geht an die Athleten und Trainer, weil sie alles unternommen haben für den Erfolg und versuchten, den Misserfolg zu vermeiden. Die frühe Medaille von Bruno Kernen brachte Zuversicht in die Delegation, die Athleten wollten die positive Ausstrahlung der Medaille von Bruno mitnehmen.

Wart Ihr zu vorsichtig oder habt Ihr Euch mehr als acht Medaillen nicht zugetraut?

Vor Athen wurde uns vorgeworfen, die Zielsetzung zwischen fünf und neun Medaillen sei zu unpräzis. Diesmal einigten wir uns auf eine Zahl. Auf acht Medaillen kamen wir auf Grund der Analysen des Vorjahrs und des laufenden Winters, ohne mit der Vorgabe die einzelnen Disziplinen unter Druck zu setzen. Ich selber habe für mich anhand eines Formbarometers die Zahl 12 Medaillen errechnet. Am Ende wurde auch diese optimistische Prognose übertroffen.

Gab es überraschende Medaillen für Sie?

Für mich persönlich war die Silbermedaille von Martina Schild eine Überraschung, obwohl sie vorher ein gutes Resultat herausgefahren hatte und im Training überzeugte.

71,5 Prozent aller Schweizer Teilnehmer erhielten ein olympisches Diplom für ihre Rangierung unter den ersten acht. Wie wichtig ist ein Diplom im Wintersport?

Wir haben bezüglich Diplomen keine Zielsetzung gegeben. Sonst wäre es uns als Ausrede ausgelegt worden, wenn wir wir keine Medaillen geholt hätten. Für uns sind die 71,5 Prozent der Beweis dafür, dass wir gegenwärtig eine positive Leistungsdichte haben. Die Fragen, die wir uns selber stellen: Was passiert in den nächsten vier Jahren mit dieser Leistungsdichte? Wie sieht die Altersstruktur der Athleten im Hinblick auf die Zukunft aus?

Heisst das Ergebnis von 71,5 Prozent auch, dass das Verhältnis zwischen Trümpfen, die stachen, und sogenannten Versagern positiv ausgefallen ist?

Ja. Aber Trumpf sein reicht allein nicht. Es braucht auch Wettkampfglück. Eine Norwegerin wurde vier Mal Vierte. Das passiert bei Olympischen Spielen immer wieder. Vielleicht war unser Auftritt diesmal ein wenig unschweizerisch. Unsere Athleten haben im richtigen Moment die richtige Einstellung gefunden.

Gab es Olympiatouristen unter den Athleten?

Mir fällt keiner ein. Bei diesen Selektionskriterien wäre es komisch gewesen, wenn es sogenannte Touristen dabei gehabt hätte.

Die neuen Sportarten, in Anführung auch Randsportarten, waren sehr erfolgreich. Erhalten sie mehr Unterstützung, um das Niveau zu halten?

1988 in Calgary kamen elf der 15 Medaillen von den Alpinen. Was inzwischen geschah, würde bei einem Unternehmen heissen: Man hat diversifiziert. Inzwischen tragen mehr Sportarten dazu bei, dass das Gesamtresultat positiv ist.

Und diese neuen Sportarten, denen es finanziell ja nicht besonders gut geht, werden die jetzt vermehrt unterstützt?

Mit den Olympiaprojekten haben schon wir bei allen Medaillengewinnern investiert, dort, wo wir sahen, dass das Potenzial vorhanden ist. Die weitere Unterstützung hängt mit der neuen Einstufung der Sportarten zusammen. Diese Einstufung erfolgt im Gespräch mit den Verbänden bis im Mai. Daraus entstehen finanzielle Konsequenzen für Swiss Olympic, aber auch für die Verbände.

Die Rekordsumme von 403 000 Franken, die als Erfolgsprämien ausbezahlt werden, hat zwei Seiten...

Für mich nur eine. Ich bin nicht angestellt, um Geld zu suchen, sondern um sportliche Erfolge zu ermöglichen... Die Beschaffung darf kein Problem sein, umso mehr als wir im Vergleich zu anderen Ländern bescheiden sind. Die italienische Goldmedaillen-Prämie beträgt zehnmal mehr als unsere. (20´000 Franken Schweiz, 130´000 Euro Italien, Red.).

Zu den Selektionsdiskussionen. Die Flexibilität, die gezeigt wurde, war sicher richtig. Jetzt soll das Konzept weiter verfeinert werden.

Intensive Diskussion zeigten, dass der Ermessensspielraum in einzelnen Disziplinen noch ein bisschen umfassender sein muss. Es gehören weitere Zusatzklauseln ins Konzept, die tiefer in einzelne Sportarten hineingehen. Im Grossen und Ganzen war unser Selektionskonzept nicht schlecht. Als Nichtjurist bin ich auch stolz, dass unser Konzept einer Klage vor dem Sportgerichtshof CAS standhielt.

Die Schweiz schliesst im Medaillenspiegel als achtbeste Nation ab. Mittelfristig hat Swiss Olympic für die Winterspiele einen Rang unter den ersten sechs zum Ziel gesetzt. Lässt sich das noch aufrecht erhalten?

Aufgrund der Resultate von Turin muss der Exekutivrat von Swiss Olympic die strategische Zielsetzung nochmals analysieren. Ich bin nicht überzeugt, dass man Rang 6 stehen lassen kann. Im «Ranking by total» haben wir 14 Medaillen. Vor Turin dachte man, 12 bis 15 Medaillen reichen für einen Platz unter den ersten sechs Nationen. Es braucht aber inzwischen 15 bis 20 Medaillen dafür.

Dahinter drängen weitere Nationen nach, beispielsweise die Chinesen.

Das Turiner Resultat ist ein mehr als positives Spiegelbild der Leistungsfähigkeit des Schweizer Sports.

Das heisst, dass man mit der jetzigen Ausbeute in vier Jahren bei den Spielen in Vancouver zufrieden sein könnte?

Meiner Meinung nach ja. Dieses Resultat zu wiederholen, wird brutal schwierig, schon nur, wenn man die mögliche Entwicklung im Snowboard in Betracht zieht. Entscheiden über die weitere Zielsetzung wird jedoch der Exekutivrat.

(rr/Si)

 
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