Schweizer im Heimrennen nur Aussenseiter

publiziert: Samstag, 21. Aug 2004 / 08:31 Uhr

Das Duell zwischen den Italienern Davide Rebellin und Paolo Bettini um den Gesamtweltcup steht im Mittelpunkt der 91. Auflage der Meisterschaft von Zürich. Die Schweizer haben im über 240,9 km führenden Rennen nur Aussenseiterchancen.

Montgomery wird keine entscheidende Rolle spielen können.
Montgomery wird keine entscheidende Rolle spielen können.
Rebellins Reserve gegenüber seinem schärfsten Rivalen beträgt vor den letzten drei Weltcup-Prüfungen dieser Saison 44 Punkte. Olympiasieger Bettini würde nur zu gerne wieder den Weltcup gewinnen; dies wäre in doppelter Hinsicht ein historischer Triumph: Bettini kann als erster Fahrer überhaupt den 1989 eingeführten Weltcup dreimal für sich entscheiden, dazu noch in Folge, und er wäre gleichzeitig der letzte Sieger. Der Weltcup wird zu Gunsten der neu ins Programm aufgenommenen ProTour eingestellt.

Rebellin scheint seine ausgezeichnete Form aus dem Frühjahr, als er innerhalb einer Woche die drei Ardennen-Klassiker gewann, konserviert zu haben. In einem gut besetzten Eintagsrennen in Italien erreichte der 32-Jährige am vergangenen Dienstag den 6. Platz.

Für die Olympischen Spiele wurde Rebellin nicht aufgeboten, weil das italienische Team komplett auf Bettini ausgerichtet worden war -- zu Recht, wie das Ergebnis am letzten Samstag bewies. Abr Rebellin hat seine Ausbootung noch nicht ganz verdaut und will sich rehabilitieren.

Bettini (2001) und Rebellin (1997) gehören zu den früheren Siegern der "Züri-Metzgete". Vor sieben Jahren führte die Strecke noch von Basel via Gippingen nach Zürich mit Ziel auf der offenen Rennbahn in Oerlikon. Der 1999 eingeführte Parcours mit den Anstiegen auf die Forch und den Pfannenstiel, die es je fünfmal zu bewältigen gilt, behagt indes den beiden Italienern gleichermassen.

Bettini war in den letzten drei Jahren stets unter den ersten drei klassiert, und seit der Einführung des neuen Parcours mit Start und Ziel am Zürcher Utoquai war Bettini nie schlechter als Fünfter. Rebellin erreichte 2003 den 5. Platz; in den beiden Jahren zuvor hatte er jeweils mit gesundheitlichen Problemen gekämpft.

Nach dem enttäuschenden Abschneiden an den Olympischen Spielen sinnt Jan Ullrich nach Revanche. Hinter den Formstand des Deutschen ist gleichwohl ein Fragezeichen zu setzen. Der im thurgauischen Scherzingen wohnende Ullrich wird jedenfalls nach der MvZ eine Pause einlegen, um sich auf die WM in Verona vorzubereiten.

Ein Exploit ist eher seinen Teamkollegen Alexander Winokurow, Andreas Klöden oder dem Vorjahrssieger Daniele Nardello, der im Olympiarennen Helferdienste für Bettini verrichtete, zuzutrauen.

Schweizer nur Helfer

Die Schweizer gehören diesmal - speziell nach dem Rücktritt des Dopingsünders Oscar Camenzind - weder zum engeren noch zum erweiterten Kreis der Favoriten. Markus Zberg und Sven Montgomery sowie Laurent Dufaux, vor vier Jahren der letzte Schweizer Sieger, werden Helferdienste für Rebellin resp. Bettini leisten müssen.

Im Phonak-Team fehlt ein klarer Leader, zumal Tyler Hamilton, der Olympiasieger im Zeitfahren, auf die Teilnahme verzichtet. Martin Elmiger dürfte der aussichtsreichste Einheimische sein.

Neben Rebellin und Bettini kann sich noch der Spanier Oscar Freire Chancen auf den Gesamtweltcup machen. Der zweifache Weltmeister und Sieger des diesjährigen Saisoneröffnungsrennens Mailand-Sanremo ist ein ausgezeichneter Sprinter, der sich in nicht allzu langen Aufstiegen nur selten abhängen lässt.

Seine Vielseitigkeit dokumentierte er damit, dass er sich mit Ausnahme von Paris-Roubaix in jedem Weltcup-Rennen in den Punkterängen klassierte.

'Warten auf einen Sieg'

Noch stärker sind jedoch Freires Teamkollegen Michael Boogerd und Erik Dekker einzuschätzen. Vorab der Vorjahrs-Vierte Boogerd attackiert gerne in Rampen wie sie am Pfannenstiel zu bewältigen sind.

Dass der 31-jährige Holländer in elf Profi-Jahren den Sieg im Amstel Gold Race 1999 als einzigen bedeutenden Erfolg vorzuweisen hat, hängt mit seiner taktischen Unbedarftheit zusammen.

In diesem Jahr wartet Boogerd noch immer auf den ersten Sieg. Im Weltcup wurde er im Amstel Gold Race und bei Lüttich-Bastogne-Lüttich Zweiter; beide Male liess er sich in der Schlussphase von Rebellin übertölpeln.

Die Grossen Abwesenden

Der grosse Abwesende ist einmal mehr Lance Armstrong. Der 32-jährige Amerikaner nimmt von Jahr zu Jahr mehr Zeit, um sich auf den Lorbeeren des Erfolgs in der Tour de France auszuruhen und sich auf die nächste "Grande Boucle" vorzubereiten.

In Zürich ebenfalls nicht am Start sind Stuart O´Grady, der Sieger des Weltcup-Rennens in Hamburg, und Miguel Angel Martin Perdiguero, der Sieger der letzten Weltcup-Prüfung in San Sebastien.

Der Australier wäre als ausgewiesener Sprinter auf dem coupierten Parcours in und um Zürich ohne Chance auf einen Spitzenplatz, und der Spanier bestreitet vorzugsweise Rennen in seiner Heimat.

Sieger der letzten 10 Jahre

1994: Gianluca Bortolami (It). -- 1995: Johan Museeuw (Be). -- 1996: Andrea Ferrigato (It). -- 1997: Davide Rebellin (It). -- 1998: Michele Bartoli (It). -- 1999: Grzegorz Gwiazdowski (Pol). -- 2000: Laurent Dufaux (Sz). -- 2001: Paolo Bettini (It). -- 2002: Dario Frigo (It). -- 2003: Daniele Nardello (It).

So war es 2003

1. Daniele Nardello (It) 5:55:30 (39,932 km/h). 2. Jan Ullrich (De) 0:06 zurück. 3. Paolo Bettini (It) 0:11. 4. Michael Boogerd (Ho). 5. Davide Rebellin (It). 6. Javier Pascual Rodriguez (Sp). 7. Oscar Camenzind (Sz). 8. David Moncoutié (Fr). 9. Michele Scarponi (It). 10. Cristian Moreni (It). -- Ferner: 19. Beat Zberg (Sz) 1:09. 25. Laurent Dufaux (Sz) 1:18. 38. Steve Zampieri 1:37. 49. Pierre Bourquenoud 4:14. 58. Markus Zberg 9:36. 70. Alexandre Moos 11:27. 74. Daniel Schnider 15:19. 77. Grégory Rast. 82. Sven Montgomery. 83. Martin Elmiger, alle gleiche Zeit.

Weltcupstand

Stand im Weltcup (7/10). Einzel: 1. Davide Rebellin (It) 282. 2. Paolo Bettini (It) 238. 3. Oscar Freire (Sp) 182. 4. Stuart O´Grady (Au) 150. 5. Michael Boogerd (Ho) 146. 6. Steffen Wesemann (De) 131. 7. Erik Dekker (Ho) 130. 8. Miguel Angel Martin Perdiguero (Sp) 120. 9. Erik Zabel (De) 108. 10. Magnus Bäckstedt (Sd) 100. 11. Igor Astarloa (Sp) 96. Ferner: 27. Fabian Cancellara 40. 33. Markus Zberg 29. 36. Oscar Camenzind 25. 63. Martin Elmiger (Sz) 3. 70 Fahrer klassiert. -- Sportgruppen: 1. T-Mobile 51. 2. Rabobank 44. 3. Quick Step 34. 4. Lotto-Domo 31. 5. Gerolsteiner 29. Ferner: 14. Phonak 11. 22 Teams klassiert.

Bisherige Saisonsieger

Mailand - Sanremo: Oscar Freire (Sp). -- Flandern-Rundfahrt: Steffen Wesemann (De). -- Paris - Roubaix: Magnus Bäckstedt (Sd). -- Gold Race: Davide Rebellin (It). -- Lüttich - Bastogne - Lüttich: Davide Rebellin (It). -- Hamburg: Stuart O´Grady (Au). -- San Sebastian: Miguel Angel Martin Perdiguero (Sp). -- Ausstehend: Meisterschaft von Zürich (22. August), Paris - Tours (10. Oktober), Lombardei-Rundfahrt (18. Oktober).

Bisherige Weltcup-Gesamtsieger

1989: Sean Kelly (Irl). -- 1990: Gianni Bugno (It). -- 1991: Maurizio Fondriest (It). -- 1992: Olaf Ludwig (De). -- 1993: Maurizio Fondriest (It). -- 1994: Gianluca Bortolami (It). -- 1995: Johan Museeuw (Be). -- 1996: Johan Museeuw (Be). -- 1997: Michele Bartoli (It). -- 1998: Michele Bartoli (It). -- 1999: Andrej Tschmil (Be). -- 2000: Erik Zabel (De). -- 2001: Erik Dekker (Ho). 2002: Paolo Bettini (It). -- 2003: Paolo Bettini (It).

(rr/Si)

 
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