Ski alpin/WM03: Duell Eberharter - Hoffmann
publiziert: Freitag, 7. Feb 2003 / 18:27 Uhr

(Si) Die WM-Abfahrt 2003 spitzt sich auf ein Duell zwischen Stephan Eberharter und Ambrosi Hoffmann, der beiden Hausherren auf Corviglia, zu. Beide fühlen sich auf diesem Hang extrem wohl - aber nur einer kann gewinnen.

Ambrosi Hoffmann fordert Stephan Eberharter heraus.
Ambrosi Hoffmann fordert Stephan Eberharter heraus.
Vom Palmarès her besteht zwischen den beiden WM-Topfavoriten noch ein grosser Unterschied: Eberharter ist bereits dreifacher Weltmeister und Olympiasieger sowie 22-facher Weltcupsieger, Hoffmann wartet immer noch auf seinen ersten Weltcup-Triumph. Aber wenns um die Rennen auf Corviglia geht, kann auch Hoffmann ganz gut mithalten.

Der Davoser startete 2001 in St. Moritz seine zweite Karriere mit drei Europacup-Siegen in Serie, nachdem er in diesen Wettbewerb zurückgekehrt war, um sich technisch zu verbessern und neuen Anlauf zu holen. Ähnlich erging es Eberharter, dem Doppelweltmeister von 1991, der 1997 in St. Moritz -- ebenfalls bei seinem zweiten Weltcup-Anlauf -- eine Europacupsieg-Triplette feierte. Eberharter gewann im letzten Winter, unmittelbar vor Salt Lake City, auch die beiden WM-Hauptproben auf Corviglia und ist auf den Pisten von Corviglia noch ungeschlagen. Ein einziges Mal musste er hier einen Sieg teilen -- im Europacup 1997 mit ´Amba´ Hoffmann.

Hoffmann: "Ich lebe in meiner Welt"

Vor allem auf Hoffmann dürfte der Leistungs- und Erwartungsdruck erheblich stärker lasten als auf dem erfahrenen, bald 34-jährigen Eberharter, der nach eigenen Aussagen in St. Moritz wohl seine letzte WM bestreitet. Doch auch damit wird der "Gemütsmensch" Hoffmann (Eigeneinschätzung) locker fertig: "Was die Öffentlichkeit und die Medien erwarten, nehme ich nicht wahr. Ich lebe in meiner Welt."

Bernhard Russi nennt ein Dutzend Favoriten, die heute Samstag Weltmeister werden können. Da auch das Wetter (es ist kalt, schön, aber nicht wolkenlos) keine besonderen Probleme bieten sollte, ist ein faires Rennen zu erwarten. "Von der Nummer 1 bis 40 können alle gewinnen", sagt Franco Cavegn. Bruno Kernen ist der Meinung, dass für einen Medaillengewinn Glück nötig ist, "und für uns Schweizer vielleicht noch ein bisschen mehr Glück als für andere".

Voll auf Göttin Fortuna verlässt sich der Liechtensteiner Marco Büchel, der eigentlich die Abfahrt nicht bestreiten wollte. "In den Reiseprospekten steht jeweils: Bali für Kurzentschlossene", albert Büchel, "jetzt wählte ich die Destination ´St. Moritz für Kurentschlossene´. Man weiss ja nie, wann es eine Lotterie gibt -- dann fällt vielleicht auch einmal das grosse Los auf mich." Mit einem 5. Trainingsrang bewies er, dass er nicht allein nur aufs Glück bauen will.

Weltmeister aus Österreich und der Schweiz

Zum Kreis der Favoriten zählen auch die Amerikaner Bode Miller (der offenbar die Abfahrt doch bestreiten will) und Daron Rahlves, die Norweger Kjus und Aamodt, der Franzose Antoine Dénériaz und neuerdings auch wieder der Italiener Kristian Ghedina. Doch alles andere als ein Weltmeister aus Österreich oder der Schweiz wäre eine Überraschung.

Seit der Sommer-WM 1966 im chilenischen Portillo, als der französische Superstar Jean-Claude Killy gewann, kamen mit einer Ausnahme alle Goldmedaillengewinner aus diesen beiden klassischen Alpinländern. Sieben Mal siegte ein Schweizer, acht Mal ein Österreicher. Nur 1989 funkte der Deutsche Hansjörg Tauscher dazwischen, als er vier Schweizer auf die Plätze 2 bis 5 verwies. Ein verärgerter Karl Frehsner meinte damals: "Das ist, wie wenn ein Jäger einen Hirsch fünf Meter vor sich sieht - und daneben schiesst".

Heute Samstag gegen 14.00 Uhr wird man wissen, wer das Visier richtig eingestellt hat. Da die Besten in Zwei-Minuten-Abständen starten (Beginn 12.30 Uhr) und mit Maier, Walchhofer, Aamodt und Kjus vier Favoriten mit 30er-Nummern starten, wird gegen anderthalb Stunden lang Hochspannung herrschen.

(pt/sda)

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