So baut man Häuser auf dem Mond

publiziert: Sonntag, 3. Okt 2010 / 21:30 Uhr / aktualisiert: Montag, 25. Okt 2010 / 14:21 Uhr
Die Mondoberfläche ist kein einfaches Terrain.
Die Mondoberfläche ist kein einfaches Terrain.

Will die Menschheit in Zukunft Häuser auf dem Mond oder auf anderen Planeten errichten, so ist für ein stabiles Fundament die genaue Erkundung des Baugrundes vor Ort nötig.

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Eine Methode dafür präsentieren North Carolina State University demnächst auf einer Tiefbau-Konferenz in Hollywood. Ihr Computermodell kann schon mit kleinen Bodenproben vorhersagen, wie der Untergrund mit dem Fundament eines Gebäudes zusammenspielen wird.

Billige Mondboden-Analyse

«Unser Projekt erkundet die Voraussetzungen für das Bauen auf dem Mond», sagt Studienautor Matt Evans, ein Zivil-, Bau- und Umweltingenieur. Kostengünstiger als herkömmliche Baugrund-Erhebungen sei die Methode, so der Experte, zumindest für den Einsatz auf dem Erdtrabanten oder in anderen Extremlagen. Das gewählte Verfahren testet, wie stabil der Boden ist und wie sehr er sich im Lauf der Zeit absenken wird. Den Forschern gelang es, erdspezifische Variablen wie etwa die Schwerkraft einzubinden, die jedoch ohne weiteres auch für den Mond oder etwa den Mars adaptiert werden können.

Das Verfahren, das im Fachterminus «Discrete Element Method» (DEM) heisst, entstand 1978 aus der Molekulardynamik und wird seither in Geotechnik oder im Maschinenbau eingesetzt. Es beruht darauf, dass sich Materie stets aus Einzelelementen zusammensetzt. Alle Teilchen einer Probe werden dabei positioniert und erhalten eine Anfangsgeschwindigkeit. Unter Berücksichtigung der relevanten physikalischen Gesetzen werden dann die Kräfte errechnet, die auf jedes einzelne Teilchen wirken, wie etwa Reibung, Rückstoss und Gravitation oder auch Molekülkräfte. Aus deren Summe erhebt man die Veränderung der Teilchen in bestimmten Zeitschritten.

Mond ist kein einfaches Terrain

Fachprofis bezeichnen die Idee eines Hauses am Mond als schwer durchführbar. «Dringend notwendig wäre eine Referenzprobe direkt vom Ort der Errichtung. Die Mondoberfläche ist nicht einheitlich, sondern von zahlreichen Faktoren wie etwa Meteoriteneinschläge oder vielleicht auch früheren vulkanischen Aktivitäten bestimmt. Die so eingebrachte Energie oder Sedimente sorgen für sehr unterschiedliche Voraussetzungen», erklärt Uwe Hinzmann, Leiter Zentraleuropa bei Keller Grundbau.

Doch auch auf der Erde müssen sich Erkundungen des Bodens auf den direkten Ort der Errichtung beziehen, so der Experte. «Wenn man auch durch Probenanalyse das Bodenverhalten in grossen Zeiträumen simulieren kann, bleibt dabei der grosse Einfluss von Wind, Wasser und Tektonik ausser Acht.» Zu berücksichtigen sei zudem auch der geologische Aufbau der Erdkrusten-Schicht sowie deren Temperatur. Fernerkundung eines Geländes gibt es bisher nur bei der Suche nach wertvollen Metallen und Mineralien wie etwa Diamanten. Hier werden Satelliten eingesetzt, deren Bilder die Orte für Probebohrungen an vermuteten Lagerstätten definieren.

Bodenpräparierung am Meeresgrund

Für die Errichtung grösserer Gebäude entnimmt man in der Baugrunderkundung bisher Bodenproben aus verschiedenen Tiefen und untersucht sie im Labor etwa nach Kompressionsfähigkeit, Durchlässigkeit oder nach Luft- oder Wassergehalt. Falls notwendig, wird etwa durch geeignete Rüttelverfahren der Baugrund verdichtet und somit verbessert. Das kann mitunter auch auf der Erde eine grosse Herausforderung sein. «Etwa für die Base von Offshore-Windrädern, die bis zu 40 Metern unter Wasser liegt, fährt man dazu zur Drucksondierung mit schwersten Gerät - zum Beispiel mit einer Hubinsel - direkt zur Stelle der Errichtung», berichtet Hinzmann.

 

 

(fkl/pte)

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