Spanien: Kein Cava zu Silvester

publiziert: Freitag, 30. Dez 2005 / 09:03 Uhr / aktualisiert: Freitag, 30. Dez 2005 / 09:38 Uhr

Madrid - Dieser Jahreswechsel wird Juan José Sánchez unvergessen bleiben. Der Madrider Weinhändler bleibt auf einem grossen Teil seines Schaumweins sitzen.

«Ich habe die Preise schon gesenkt, aber ich werde die Flaschen wohl an Verwandte verschenken müssen», klagt er. Die Ursache der Absatzmisere liegt nicht darin, dass die Spanier zu Silvester keinen «Cava» trinken wollen, wie der spanische Schaumwein genannt wird.

Der Grund ist ein anderer. In Spanien läuft seit Monaten eine Boykottaktion gegen katalanische Produkte. Und der Cava ist das bekannteste Exportprodukt Kataloniens.

Aus dem Weinbaugebiet des Penedés bei Barcelona kommen fast 90 Prozent des spanischen Schaumweins. Der Boykott ist politisch motiviert.

Protest gegen die «Nation» Katalonien

Er entzündete sich an der Forderung der Katalanen, dass ihre Region - mit 6,8 Millionen Einwohnern die wirtschaftsstärkste in Spanien - als «Nation» anerkannt wird und über ihre Finanzen eigenständig entscheiden kann.

Darin sahen national oder konservativ eingestellte Spanier einen Affront gegen ihr Land. Über die Handynetze verschickten sie SMS-Botschaften wie: «Wenn die Katalanen nicht zu Spanien gehören wollen, soll uns das recht sein. Wir brauchen sie nicht. Kauft keine katalanischen Produkte. Bitte weiterschicken.»

In Internetforen kursierten ähnliche Appelle. Auch im katholischen Radiosender COPE wurde zum Boykott aufgerufen. Eigenartig an dieser Aktion ist, dass sie nicht von grösseren Organisationen ausgeht, sondern von Einzelpersonen und kleinen Grüppchen.

Ungeliebte Katalanen

Die grossen Parteien verurteilten den Boykott. Da aber viele Spanier Ressentiments gegen die Katalanen hegen, fiel die Aktion auf fruchtbaren Boden. Man sagt den Katalanen zum Beispiel nach, knauserig zu sein. Und man kreidet ihnen an, sich nicht hundertprozentig mit Spanien zu identifizieren.

Die Weinhändler schmerzt der Boykott ganz besonders, denn zu Weihnachten und Silvester machen sie beim Cava 50 Prozent ihres Jahresumsatzes. Einige bieten, um den Boykott zu umgehen, Cava aus Toledo, La Rioja oder Cáceres an, auch wenn diese Produkte mit der Qualität des katalanischen Schaumweins nicht immer mithalten.

«In meinem Laden geht es fast zu wie im Parlament», berichtete der Madrider Weinhändler Mariano Madrueño der Zeitung «El País». «Eine Frau schimpfte über die Katalanen und beschwor, niemals katalanischen Cava zu kaufen. Daraufhin stürmte ein Kunde, ohne etwas zu kaufen, empört aus dem Laden und knallte die Tür zu.»

Cava bleibt Exportschlager

Die Branche hatte bereits 2004 unter einem Boykott zu leiden. Damals wurde die Aktion dadurch ausgelöst, dass ein katalanischer Politiker sich dagegen aussprach, die Madrider Olympia-Kandidatur 2012 zu unterstützen.

Der Politiker nahm später seine Worte zurück, aber für die Kellereien war es zu spät. Statt eines erhofften Umsatzwachstums von sechs Prozent mussten sie ein Minus von drei Prozent hinnehmen. Der jetzige Boykott dürfte noch drastischere Auswirkungen haben.

Ein Trost für die Katalanen ist, dass der Schaumwein-Absatz im Ausland nicht betroffen ist. Der Cava hat sich nämlich zu einem Exportschlager entwickelt.

(Hubert Kahl/dpa)

 
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